Streit um Tiergartenmord: "Bis zu den Ellenbogen im Blut"

Im Prozess um den sogenannten Tiergartenmord wurde ein Russe kürzlich zu lebenslanger Haft verurteilt. Der russische Botschafter in Berlin spricht von politischer Einflussnahme.
| dpa
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Der Mord ereignete sich im August 2019 in der Parkanlage Kleiner Tiergarten in Berlin.
Der Mord ereignete sich im August 2019 in der Parkanlage Kleiner Tiergarten in Berlin. © Paul Zinken/dpa
Berlin

Der russische Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, hat seinen Vorwurf der politischen Einflussnahme auf das Urteil im sogenannten Tiergartenmord-Prozess erneuert.

"Ich kann nicht beurteilen, wer den Druck gemacht hat. Ich sehe nur, dass von Anfang an nur eine Version immer im Gespräch war", sagte er der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf die Einschätzung des Gerichts, dass staatliche Stellen in Russland den Mord in Auftrag gegeben haben. "Es gab sehr viel Lärm um diesen Prozess. Es gab aber keine überzeugenden Beweise für eine Verwicklung staatlicher russischer Stellen in den Mord."

Netschajew bekräftigte auch die Vorwürfe, die der russische Präsidenten Wladimir Putin bereits vor zwei Jahren gegen das Mordopfer - einen Georgier tschetschenischer Abstammung - erhoben hat. "Präsident Putin hat gesagt, er sei ein Terrorist, er stecke bis zu den Ellenbogen im Blut", sagte er. Indirekt kritisierte Netschajew auch, dass der Mann sich in Deutschland aufhalten durfte. "Der getötete Mann hat viele Menschen auf dem Gewissen und er hatte deswegen natürlich auch viele Feinde. Er hat ein Domizil in Deutschland gefunden - trotz all seiner Sünden und Verbrechen - und wurde ermordet." Staatliche russische Stellen hätten damit aber nichts zu tun.

Diplomatische Spannungen

Wegen des Mordes in der Parkanlage Kleiner Tiergarten im August 2019 hatte das Kammergericht Berlin kurz vor Weihnachten einen Russen zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Überzeugung der Richter handelte der heute 56-Jährige im Auftrag staatlicher russischer Stellen. Als Reaktion erklärte Außenministerin Annalena Baerbock zwei Diplomaten der russischen Botschaft in Berlin zu "unerwünschten Personen", was einer Ausweisung gleichkommt. Russland reagierte darauf mit der Ausweisung zweier deutscher Diplomaten.

Netschajew betonte, dass man nun mit Deutschland weiter an einer positiven Agenda arbeiten wolle. "Wir möchten kein Entfremden zwischen Russen und Deutschen, sondern wir sind an einem konstruktiven Dialog und einer Zusammenarbeit zu beiderseitigem Nutzen orientiert."

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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