Noch mindestens 20 Tage Bomben auf Gaza

Unbeeindruckt von internationalen Rufen nach einer Waffenruhe schwört Olmert die Israelis auf eine Fortsetzung der Gaza-Offensive ein. Unterdessen deutet Merkel ihre Bereitschaft an, deutsche Soldaten für eine Nahost-Friedensmission zu stellen.
von  Abendzeitung
Israelischer Panzer an der Grenze zu Gaza
Israelischer Panzer an der Grenze zu Gaza © dpa

Unbeeindruckt von internationalen Rufen nach einer Waffenruhe schwört Olmert die Israelis auf eine Fortsetzung der Gaza-Offensive ein. Unterdessen deutet Merkel ihre Bereitschaft an, deutsche Soldaten für eine Nahost-Friedensmission zu stellen.

Israel will seine Offensive im Gazastreifen trotz einer Resolution des UN-Sicherheitsrates und internationaler Rufe nach einer Waffenruhe nicht beenden. Die Truppen hätten in den vergangenen zwei Wochen deutliche Fortschritte erzielt, sagte Ministerpräsident Ehud Olmert bei einer Kabinettssitzung am Sonntag in Jerusalem. Israel komme seinem Ziel immer näher, aber es müsse weiter gekämpft werden, um ein Ende der palästinensischen Raketenangriffe sicherzustellen.

Zugleich wies Olmert internationale Kritik an der seit 16 Tagen dauernden Offensive in dem Küstenstreifen zurück: Nur die Regierung in Jerusalem könne darüber entscheiden, wie ihre Bürger am besten geschützt würden, betonte der scheidende Premier. Er rief die israelische Öffentlichkeit zu «mehr Geduld, Entschlossenheit und Anstrengung» auf. Man dürfe in der letzten Minute nicht das verlieren, was zuvor in einer beispiellosen Anstrengung des ganzen Landes erreicht worden sei Nach den Worten von Verteidigungsminister Ehud Barak setzt Israel seine Militäroperation fort, auch wenn die diplomatischen Optionen geprüft würden. Wie die israelische Zeitung «Haaretz» am Sonntag unter Berufung auf Vertreter des Militärs berichtete, soll die Offensive noch mindestens 20 Tage andauern. Außerdem müssten weitere Reservisten einberufen werden.

Deutsche Soldaten für eine Nahost-Mission

Unterdessen signalisierte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Beteiligung Deutschlands an einer internationalen Mission zur Beilegung des Konflikts. In einem Interview von «Bild am Sonntag» machte sie zwar deutlich, dass sich die Frage derzeit nicht stellt. Gleichzeitig verwies sie aber darauf, dass Deutschland sich vor zwei Jahren für die Beteiligung an einer ähnlichen Mission zur Beilegung der Libanon-Krise entschieden habe. «Deutschland ist sich seiner Verantwortung bewusst und wird ihr gerecht», betonte Merkel. «Ich setze mich intensiv für eine schnelle Waffenruhe ein.» Als Bedingung einer solchen Feuerpause nannte sie ein Ende des Waffenschmuggels durch die Tunnel zwischen Ägypten und dem Gazastreifen.

Steinmeier erörtert humanitäre Lage

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier traf am Sonntag in Jerusalem den Missionschef des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Pierre Wettach, um das Elend der palästinensischen Bevölkerung im Gazastreifen zu erörtern. Anschließend folgen Gespräche mit der israelischen Regierung. Ziel seiner Reise ist es, die Grundlagen für einen möglichst raschen Waffenstillstand zu legen. Am Vortag war Steinmeier mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas zusammenkommen Unterdessen liefern sich israelische Streitkräfte und Hamas-Kämpfer auch zu Beginn der dritten Kriegswoche heftige Kämpfe. Israelische Soldaten der Infanterie und Panzer rückten auf die Stadt Gaza zu, wo rund 400.000 Bewohner eingeschlossen sind. Die Zahl der Todesopfer auf palästinensischer Seite stieg nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Gaza auf 820, auf israelischer Seite starben bislang 13 Menschen. (nz/dpa/AP)