Mehr als 4600 Tote in Krieg um Berg-Karabach

Bislang galt die Zensur, nun hat Aserbaidschan erstmals seine Verluste im jüngsten Krieg mit Armenien beziffert.
| dpa
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Ein aserbaidschanischer Panzer rollt über eine Straße, nachdem eine Region in Berg-Karabach in aserbaidschanische Kontrolle übergeben wurde.
Ein aserbaidschanischer Panzer rollt über eine Straße, nachdem eine Region in Berg-Karabach in aserbaidschanische Kontrolle übergeben wurde. © Emrah Gurel/AP/dpa
Baku

Im jüngsten Krieg mit Armenien um die Region Berg-Karabach im Süden des Kaukasus sind auf Seiten Aserbaidschans mindestens 2783 Soldaten getötet worden. Die Regierung in Baku nannte am Donnerstag erstmals eine Zahl an Toten.

Mehr als 100 Soldaten würden noch vermisst, hieß es aus dem Verteidigungsministerium. 1245 Verletzte würden weiterhin behandelt. Das Land hatte bisher mit Verweis auf die geltende Zensur während des Kriegsrechts keine Zahlen preisgegeben.

Der Kriegsgegner Armenien hatte zuletzt 1746 getötete Soldaten gemeldet. Damit stieg die Gesamtzahl der Toten in dem Krieg vom 27. Januar bis 9. November auf mehr als 4600 - einschließlich der zivilen Opfer beider Seiten. Aserbaidschan sieht sich als Sieger in dem 44-tägigen Konflikt. Feiern will das Land am 10. Dezember mit einer Militärparade, an der auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan teilnehmen soll, berichtete die unabhängige aserbaidschanische Nachrichtenagentur Turan.

Das Präsidentenamt in Baku erklärte, der zweite Karabach-Krieg gehe in die Geschichte als Vaterländischer Krieg ein, in dem Karabach nach "fast 30-jähriger armenischer Okkupation (...) von einer feindlichen Invasion befreit wurde". Staatschef Ilham Aliyev erklärte den 8. November zum "Tag des Sieges", der künftig jährlich gefeiert werde. An dem Tag war die für Aserbaidschan besonders wichtige Stadt Schuscha zurückerobert worden. Danach hatte Armenien praktisch kapituliert in einem von Russland vermittelten Abkommen.

Seither kommt es in der armenischen Hauptstadt Eriwan immer wieder zu Protesten mit Rücktrittsforderungen gegen Regierungschef Nikol Paschinjan. Er sieht sich als "Verräter" in der Kritik, weil er mit Russlands Präsident Wladimir Putin und Aliyev in dem Abkommen auch die kampflose Übergabe größerer Gebiete an Aserbaidschan zusicherte. An diesem Samstag sind neue Massenproteste in Eriwan geplant.

Die beiden Ex-Sowjetrepubliken kämpfen seit Jahrzehnten immer wieder um Berg-Karabach. Nun holte sich das islamisch geprägte Aserbaidschan weite Teile des Anfang der 1990er verlorenen Gebiets zurück. Das Land wurde von seinem "Bruderstaat" Türkei unterstützt. Als Schutzmacht Armeniens gilt Russland, das 2000 Friedenssoldaten zur Überwachung der Waffenruhe in die Region geschickt hat.

© dpa-infocom, dpa:201203-99-558885/4

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