Bund setzt auf eilige Impf-Offensive - Mahnung für Festtage

Die einst stockende Impfkampagne läuft jetzt auf Hochtouren. Und das soll und muss so weitergehen, betont die Bundesregierung. Doch dafür müssen schleunigst mehr Dosen her - nun wird auch klarer, wie viele.
| Sascha Meyer, Basil Wegener, Jörg Ratzsch und Gisela Gross, dpa
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Einer Person wird der Corona-Impfstoff in den Oberarm verabreicht. Mit Omikron breitet sich eine Corona-Variante international aus, die Experten zufolge einen deutlich reduzierten Impfschutz erwarten lässt.
Einer Person wird der Corona-Impfstoff in den Oberarm verabreicht. Mit Omikron breitet sich eine Corona-Variante international aus, die Experten zufolge einen deutlich reduzierten Impfschutz erwarten lässt. © Michael Matthey/dpa
Berlin

Erhöhte Vorsicht zu Weihnachten und eiliger Nachschub für mehr Impfungen sollen Deutschland gegen die aufziehende neue Corona-Variante Omikron wappnen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte am Donnerstag in Berlin, für eine sehr offensive Booster-Strategie als "Hauptwerkzeug" brauche man nun viel Impfstoff - und das schnell. Konkret sind vorgezogene Lieferungen von 35 Millionen Dosen des Moderna-Präparats in Sicht. Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, rief eindringlich zu Festtagen im kleinsten Kreis auf. "Wir alle müssen gemeinsam dafür sorgen, dass Weihnachten nicht zu einem Kickstart für Omikron wird."

Lauterbach machte deutlich, dass es im Kampf gegen die jetzige Welle und die nahende, noch ansteckendere Virusvariante um einen Wettlauf mit der Zeit geht. Derzeit gebe es eine Impfgeschwindigkeit von einer Million bis 1,5 Millionen Impfungen pro Tag. "Wenn das tatsächlich fortgesetzt werden könnte, dann könnten wir im Januar schon einen großen Teil dieser Booster-Impflücken schließen. Das wäre optimal."
Er versuche, Lieferungen so weit nach vorne zu ziehen, wie es gehe.

Nach einer Inventur im Ministerium seien für das erste Quartal 2022 bisher 50 Millionen Dosen zu erwarten, der Bedarf liege gemäß der Strategie aber bei 70 Millionen Dosen, davon 50 Millionen Booster - zusätzlich zu schon erreichten 23 Millionen Auffrischimpfungen (Booster). Mit den bisher erwarteten Dosen wäre die Kampagne aber zu langsam und erst Ende März abgeschlossen, erläuterte Lauterbach. "Wir sprechen wirklich über die frühen Wochen im nächsten Jahr."

Lauterbach: Neue Planungen keine Kritik an Spahn

Dabei geht es auch um Sicherheitspuffer, wie der Minister erkennen ließ: "Ich möchte einfach, dass deutlich mehr Impfstoff da ist, als abgerufen wird, um zu jedem Zeitpunkt die Impfstoffbedarfe ohne Verzögerung decken zu können." Auch mit Blick auf eine mögliche allgemeine Impfpflicht solle genug vorhanden sein: "Wenn es eine solche gibt, dann muss natürlich auch der Impfstoff da sein." Lauterbach betonte, die Bestandsaufnahme und die neuen Planungen seien keine Kritik an seinem Amtsvorgänger Jens Spahn (CDU).

Konkret sollen nun 35 Millionen Dosen von Moderna früher kommen, davon 10 Millionen noch im Dezember. Mit Rumänien, Bulgarien, Portugal und Polen gibt es Verhandlungen über kurzfristige Übernahmen nicht benötigter Dosen, wie Lauterbach sagte. Die Bundesregierung hatte zudem schon angekündigt, zusätzliche 80 Millionen Dosen von Biontech über EU-Verträge zu kaufen. Ein Teil könne eventuell im ersten Quartal kommen, sagte der Minister. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte hierfür sowie für 12 Millionen weitere Dosen, die direkt beschafft werden sollen, rund 2,2 Milliarden Euro bewilligt.

Wieler bat alle Bürger, die Feiertage so zu verbringen, dass sie "nicht für das Virus ein Fest" würden. "Verbringen Sie diese Zeit wirklich nur im kleinsten, engsten Freundes- und Familienkreis." Bei Treffen mit Personen aus Risikogruppen empfahl er zusätzliche Tests auch bei vollständiger Impfung. Es gehe darum, generell Infektionen zu verhindern, damit sich Omikron nicht so schnell ausbreiten könne und die Klinken entlastet würden, ehe die Fallzahlen dann wohl wieder stiegen. In Deutschland seien bisher einige Hundert Fälle mit der Variante im Meldesystem übermittelt worden, sagte der RKI-Präsident.

Momentan lässt sich seinen Angaben zufolge noch nicht einschätzen, wie gut die Impfung vor schweren Verläufen schützt und ob Omikron weniger oder mehr krank macht. Dadurch, dass es so extrem ansteckend sei, müsse man aber "allein aus mathematischen Gründen" mit einer hohen Zahl an schweren Verläufen rechnen. Ein neuer Expertenrat der Bundesregierung will noch vor Weihnachten über die Omikron-Situation in Deutschland beraten. Lauterbach hatte angekündigt, dies solle auch Grundlage für mögliche neue politische Entscheidungen sein.

Impfungen erreichten am Mittwoch einen Tagesrekord

Zur Impfwirkung sagte Wieler: "Geimpft sein ist immer besser als nicht geimpft sein, das ist völlig klar". Erste Studien wiesen aber darauf hin, dass zwei Impfungen nicht so gut vor Omikron schützten. Eine dritte Spritze könne den Schutz wahrscheinlich deutlich erhöhen.

Die Impfungen erreichten am Mittwoch mit 1,496 Millionen Dosen einen Tagesrekord. Darunter waren fast 1,3 Millionen Auffrischungen und 97.400 Erstimpfungen. Bisheriger Rekordtag in der Pandemie war der 9. Juni mit 1,43 Millionen gespritzten Impfdosen. Insgesamt ist nun auch die Marke von 70,0 Prozent aller Einwohner mit vollständigem Grundschutz erreicht. Die dafür meist nötige zweite Spritze haben den Angaben zufolge nun mindestens 58,2 Millionen Menschen bekommen. Eine zusätzliche Booster-Spritze zur Auffrischung haben nunmehr mindestens 22,9 Millionen Menschen oder 27,6 Prozent der Bevölkerung bekommen.

Der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsklinik Köln, Jörg Dötsch, rief Eltern dazu auf, 12- bis 17-jährige Kinder uneingeschränkt zu impfen. Auch 5- bis 11-Jährige könnten ohne Bedenken geimpft werden. Besonders wichtig sei dies auch in diesem Alter aber für Kinder mit Vorerkrankungen. Er betonte, dass Schulen zur Corona-Kontrolle beitragen könnten, wenn konsequent Masken getragen und weitere Schutzregeln befolgt würden.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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