Klitschko würde Timoschenko-Vertrauten wählen

Mögliche Übergangsregierung für die Ukraine nimmt Gestalt an - Klitschko will selber aber erstmal nicht mitmachen
von  dpa, tan

Kiew – In der krisengeschüttelten Ukraine bringt sich die Opposition für eine mögliche Übergangsregierung in Stellung. So ist die Partei Udar (Schlag) von Oppositionspolitiker Vitali Klitschko nach Aussage eines Abgeordneten bereit, den Regierungsgegner Arseni Jazenjuk zum neuen Ministerpräsidenten zu wählen. Solange Staatschef Viktor Janukowitsch im Amt sei, werde Udar sich zwar nicht selbst an der Regierung beteiligen, betonte der Parlamentarier Waleri Pazkan in einer Fernsehsendung.

Die Partei könne aber einer möglichen Übergangsregierung aus Opposition und Mitgliedern von Janukowitschs Partei bei der Lösung der Wirtschaftskrise helfen, sagte Pazkan. Ministerpräsident Nikolai Asarow war auf Druck der Opposition vor gut einer Woche zurückgetreten. Nach dem Gesetz hat der Präsident 60 Tage Zeit, um eine neue Regierung zu ernennen. Der frühere Außenminister Jazenjuk von der Partei der inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko hatte ein Angebot Janukowitschs, das Kabinett zu leiten, zunächst abgelehnt. Die Opposition beharrt bisher auf dem Rücktritt des Präsidenten sowie einer Verfassungsänderung, die dem Parlament wieder mehr Vollmachten einräumt. Bei den monatelangen Protesten in Kiew wurden bisher mindestens vier Menschen getötet und Hunderte verletzt.

Für die Hintergründe von Klitschkos Angebot gibt es verschiedene Lesarten. Zum einen wird der Boxweltmeister in seiner Wahlheimat Deutschland deutlich prominenter und stärker wahrgenommen als in der Ukraine selbst. Dort ist er einer von mehreren Oppositionsführern. Er hat zwar den Respekt vieler dafür, dass er sich seit Wochen bei Eiseskälte mitten ins Getümmel stürzt. Für eine Rolle als Regierungschef halten ihn manche aber für zu freundlich, zurückhaltend und im politischen Geschäft zu unerfahren. Jazenjuk dagegen ist ein Polit-Profi. Zum anderen gilt es aber auch als denkbar, dass Klitschko sich durch eine Beteiligung am verhassten Janukowitsch-Regiment nicht selbst korrumpieren will, sondern eher darauf setzt, bei einem möglichen Neuanfang als frische Kraft aufzutreten.