Jubelstimmung bei ersten freien Wahlen seit 25 Jahren

Stolz strecken die Myanmarer ihre Finger mit Tintenfleck hoch: Sie haben gewählt. Die Opposition mit Ikone Suu Kyi rechnet mit dem Sieg, wenn es keinen Wahlbetrug gibt. Geht alles mit rechten Dingen zu?
von  dpa
Mit Feststimmung und langen Schlangen haben in Myanmar am Sonntag die ersten freien Wahlen seit 25 Jahren begonnen. Auch Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hat ihre Stimme abgegeben.
Mit Feststimmung und langen Schlangen haben in Myanmar am Sonntag die ersten freien Wahlen seit 25 Jahren begonnen. Auch Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hat ihre Stimme abgegeben. © dpa

Rangun - Mit Feststimmung und langen Schlangen haben in Myanmar am Sonntag die ersten freien Wahlen seit 25 Jahren begonnen. Als Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi (70) am Sonntag zur Stimmabgabe in einem der 40 000 Wahllokale auftauchte, brachen Hunderte Anhänger in Jubel aus. Sie hatten teils seit fünf Stunden dort ausgeharrt. Suu Kyi setzt mit ihrer vom Militär jahrelang unterdrückten Partei Nationalliga für Demokratie (NLD) auf einen Sieg. Sie selbst hat fast 15 Jahre unter Hausarrest verbracht.

"Ich kann gar nicht beschreiben, wie glücklich ich bin, meine Stimme im selben Wahllokal wie sie abzugeben", sagte Rentnerin Win Htein. "Ich hoffe, sie bekämpft die Korruption, wenn ihre Partei gewinnt." In dem bitterarmen Land gibt es keine Umfragen. Viele Myanmar-Kenner rechnen damit, dass die NLD zahlreiche Sitze erobert.

Myanmar war von 1962 bis 2011 eine Militärdiktatur. Seitdem regieren die einstigen Junta-Generäle in Zivil. Der frühere Regierungschef der Junta und heutige Präsident Thein Sein hat versprochen, das Ergebnis auf jeden Fall anzukennen. Der Chef der EU-Wahlbeobachter, FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff, zeigte sich nach den ersten Wahlstunden zuversichtlich. "Es ist ein sehr vorläufiger Eindruck, aber soweit scheint alles glatt zu laufen", sagte er. Richtige Aussagen seien aber erst möglich, wenn die mehr als 90 EU-Beobachter im ganzen Land Bericht erstattet hätten.

Die militärnahe Regierungspartei USDP Sie verspricht Stabilität in dem Vielvölkerstaat, in dem zahlreiche Rebellenarmeen seit Jahrzehnten gegen die Zentralregierung kämpfen. "Wir brauchen noch mindestens fünf Jahre, damit der Übergang (zur Demokratie) friedlich bleibt", meinte der USDP-Abgeordnete und Ex-Offizier Hla Swe. Thein Sein hat politische Gefangene entlassen, die Pressefreiheit verbessert, Reformen vorangetrieben und das Land für ausländische Investitionen geöffnet. Er wollte in der Hauptstadt Naypyidaw wählen.

Die USDP kam durch Wahlen an die Macht, die die Militärjunta 2010 organisierte. Die NLD nahm wegen unannehmbarer Auflagen nicht teil. Nach internationalen Standards war der Wahlgang weder frei noch fair. Die USDP gewann haushoch. Die NLD hatte Wahlen 1990 gewonnen, aber das Militär ignorierte das Ergebnis und gab die Macht nicht ab.