Evangelische Kirche ruft zu Abbruch des Hungerstreiks auf

In der Evangelischen Kirche wächst die Sorge um die Klimaaktivisten vor dem Bundestag in Berlin. Die bewusste Gefährdung des eigenen Lebens sei der falsche Weg, so der Ratsvorsitzende.
| dpa
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Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. © Sven Hoppe/dpa
Hannover

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die Berliner Klima-Aktivisten dazu aufgerufen, ihren Hungerstreik vor dem Reichstagsgebäude zu beenden.

Der Hungerstreik der jungen Erwachsenen mache ihm große Sorge, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Ich appelliere dringend an sie, wieder Nahrung zu sich zu nehmen." Die bewusste Gefährdung des eigenen Lebens sei der falsche Weg, um sich für beherzte Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung und damit ja für das Leben einzusetzen, sagte Bedford-Strohm weiter.

Gleichzeitig wertete der Geistliche den Hungerstreik der Aktivisten als "Alarmzeichen" für die Gesellschaft insgesamt. "Viele junge Leute sehen keine Zukunft mehr, weil sie den Veränderungswillen nicht sehen, der notwendig wäre, um die ökologischen Zerstörungsprozesse noch umzukehren. Wir machen uns schuldig an der jüngeren Generation, wenn wir ihnen die Zukunft verweigern", sagte er. Es sei höchste Zeit, hier umzusteuern.

Die Gruppe junger Erwachsener hatte am 30. August in der Nähe des Reichstagsgebäudes einen unbefristeten Hungerstreik begonnen. Neben einem öffentlichen Gespräch mit den Kanzlerkandidaten noch vor der Wahl fordern sie die Einsetzung eines Bürgerrats, der Klimaschutzmaßnahmen beschließen soll. Am Montag hatten zwei Beteiligte angekündigt, auch das Trinken zu verweigern, falls das Gespräch am Donnerstag (23. September, 19.00 Uhr) nicht zustande komme.

Auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz rief die Klimaaktivisten dazu auf, ihren Hungerstreik zu beenden. "Gefährdet nicht euer Leben. Beendet diesen Hungerstreik", sagte er am Dienstag auf einer Wahlkampf-Kundgebung in Soltau in Niedersachsen.

Zuvor hatte ein aufgebrachter Mann versucht, die Bühne zu stürmen, eine ebenfalls aufgebrachte Demonstrantin meldete sich lautstark im Publikum zu Wort und forderte vom Vizekanzler, auf die Aktivisten einzugehen. Scholz betonte, er und die anderen Kanzlerkandidaten hätten den Hungerstreikenden angeboten, nach der Wahl einzeln mit ihnen zu sprechen.

© dpa-infocom, dpa:210921-99-304788/3

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