Kommentar

EU-Ratspräsidentschaft wird Herkulesaufgabe für Merkel

Die Politik-Chefin Natalie Kettinger über die EU-Ratspräsidentschaft.
von  Natalie Kettinger
Bundeskanzlerin Angela Merkel schließt Lockerungen im Fußball aus.
Bundeskanzlerin Angela Merkel schließt Lockerungen im Fußball aus. © Kay Nietfeld/dpa/dpa

2007 hatte Deutschland zuletzt die EU-Ratspräsidentschaft inne. Seitdem ist viel passiert: Die Finanzkrise erschütterte die Wirtschaft in ihren Grundfesten. Später suchten Hunderttausende in Europa Zuflucht vor Krieg, Verfolgung und Not. In der Folge drohte der Aufstieg von Nationalisten und Populisten die Gemeinschaft zu zerreißen. Großbritannien war nicht aufzuhalten. Dann kam Corona – und mit dem Virus die schwerste aller Verwerfungen. Zehntausende Menschen starben, in Ländern wie Italien oder Spanien ging nicht nur das Gesundheitssystem in die Knie, sondern auch der Arbeitsmarkt. Kurzarbeit und rote Zahlen allerorten. Und alles deutet daraufhin, dass die covidbedingte Talsohle noch längst nicht erreicht ist.

Bundeskanzlerin Angela Merkel steht daher am Ende ihrer politischen Laufbahn vor einer Herkulesaufgabe: In den nächsten sechs Monaten müssen die Weichen für den Weg aus der Krise gestellt werden. Kompromisse müssen gefunden, Ökologie und Ökonomie verknüpft werden. Als Herausforderungen hinzu kommen der unvollendete Brexit, Chinas Machthunger und die Unberechenbarkeit des US-Präsidenten. Es gibt wenige Politiker in Europa, die über ausreichend Erfahrung, Souveränität und Durchsetzungsvermögen verfügen, um all das zu bewältigen. Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört dazu. Die Herkulesaufgabe könnte ihr Meisterstück werden.

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