Corona-Lage entspannt sich wohl etwas - aber Omikron lauert

Na endlich: Die vierte Corona-Welle scheint sich zumindest etwas abzuschwächen, die Inzidenz liegt deutlich unter 400. Doch Omikron könnte die Entwicklung schon bald wieder umkehren.
| Von Valentin Frimmer, dpa
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Eine Mitarbeiterin einer Teststation in Oldenburg nimmt einen Corona-Abstrich von einer Frau.
Eine Mitarbeiterin einer Teststation in Oldenburg nimmt einen Corona-Abstrich von einer Frau. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Berlin

Zehn Tage vor Heiligabend stehen mit Blick auf Corona die Zeichen zumindest etwas auf Entspannung. Offenbar stecken sich in Deutschland inzwischen wieder weniger Menschen mit dem Virus an.

Noch vor kurzem wurde vor allem mit überforderten Behörden in Verbindung gebracht, dass die gemeldeten Werte nicht weiter stiegen. Nun sinken die Fallzahlen wohl tatsächlich. Auch die Zahl der Menschen, die ins Krankenhaus kommt, steigt nicht mehr. Doch zum Durchatmen bleibt wohl kaum Zeit, warnen Experten.

Die Zahlen

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete zuletzt einen deutlichen Rückgang der Fallzahlen. So gab das RKI die Zahl der binnen eines Tages übermittelten Infektionen am Dienstag mit 30.823 an, zwei Wochen zuvor hatte sie noch bei 45.753 gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz - also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche - sank von mehr als 450 Ende November auf 375 am Dienstag. Das geht auf Rückgänge in den meisten, wenn auch nicht allen Bundesländern zurück. Besonders deutlich war der Effekt in einigen schwer betroffenen Bundesländern.

Flaschenhals Gesundheitsamt

Zunächst gab es Anhaltspunkte, dass der Rückgang bei den offiziell gemeldeten Zahlen eher an überlasteten Gesundheitsämtern und Laboren lag als an einer tatsächlichen Entspannung der Lage. Nun kommen die Ämter aber wieder etwas besser mit dem Übermitteln von Corona-Nachweisen hinterher, wie Ute Teichert, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), sagt. In vielen Ämtern werde das Personal nun nur noch dafür eingesetzt, eingehende Meldungen zu bearbeiten, dafür gebe es weniger Kontaktnachverfolgung. Auch die Unterstützung durch Bundeswehrsoldaten habe geholfen.

So interpretieren Experten die aktuellen Zahlen

Der Epidemiologe Gérard Krause vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig geht von einer tatsächlichen Entspannung der Lage aus. Sein Kollege Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen spricht von einer "erfreulichen Entwicklung, auch wenn Unsicherheiten bestehen". Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach schrieb am Montag auf Twitter: "Die Lage stabilisiert sich langsam, und der Rückgang der Fallzahlen ist echt."

Amtsärzte-Verbandschefin Teichert drückt es vorsichtiger aus: Es sei nach wie vor schwierig zu beurteilen, ob es einen echten Rückgang bei den Neuinfektionen gebe oder ob die Werte weiterhin stark von einer Untererfassung der nachgewiesenen Infektionen geprägt seien. "Vermutlich ist beides der Fall." Das RKI wollte sich auf dpa-Anfrage nicht äußern und verwies auf seinen nächsten Wochenbericht, der am Donnerstagabend erscheint.

Die Gründe für den Rückgang

"Das liegt hauptsächlich an Fortschritten beim Impfen und an 2G", sagt HZI-Forscher Krause. 2G-Regeln seien einerseits ein Anreiz für Ungeimpfte, sich immunisieren zu lassen. Andererseits kämen durch diese Regel nicht-immunisierte Menschen seltener mit dem Virus in Kontakt. Mittlerweile sind in Deutschland Ungeimpfte aufgrund von 2G-Regeln von vielen Bereichen ausgeschlossen.

Zudem wurden zum Teil Weihnachtsmärkte verboten, Kneipen und Clubs geschlossen. Im schwer getroffenen Sachsen gelten rigide Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte. Zeeb weist noch auf einen anderen Punkt hin. Es sei in der Vergangenheit öfter zu sehen gewesen, dass schon vorab Menschen ihr Verhalten wieder vorsichtiger gestaltet haben. "Das könnte nun auch zu dieser Entwicklung noch vor Weihnachten beitragen."

Auch weniger schwere Verläufe

Nicht nur die Zahl der nachgewiesenen Infektionen sinkt. Auch die bundesweite Zahl erwachsener Corona-Patienten auf Intensivstation hat sich in den vergangenen Tagen bei knapp 5000 stabilisiert. Noch ist es aber laut Intensivmedizinervereinigung DIVI zu früh, um diese Entwicklung zu beurteilen. "Dazu können wir jetzt und aktuell noch keinerlei valide Aussagen treffen", teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Auch die allgemeine Zahl an Klinikeinweisungen von Corona-Infizierten stieg laut RKI-Zahlen zuletzt nicht weiter.

Omikron-Alarm

Die erfreuliche Entwicklung könnte ohnehin von kurzer Dauer sein. Die neue Corona-Variante Omikron habe bislang noch nicht nennenswert in Deutschland Fuß gefasst, sagt HZI-Forscher Krause. Er geht aber mit Blick auf andere Ländern davon aus, dass sich das bald ändert. "Ich befürchte, dass Omikron in spätestens zwei bis drei Wochen wieder zu einem Anstieg bei den Infektionszahlen führt, vermutlich auch bei den Klinikeinweisungen."

Experte Zeeb schlägt in eine ähnliche Kerbe: "Es bleibt abzuwarten, wie sich Omikron auswirkt." Noch seien die absoluten bekannten Fallzahlen sehr klein. "Das kann sich aber schnell ändern." Omikron hat den bisher vorliegenden Daten nach eine deutlich höhere Übertragungsrate als die zuvor dominierende Delta-Variante - wahrscheinlich, weil sie stärker auch Genesene und Geimpfte infiziert. Zur Schwere der Erkrankungen durch Omikron gibt es laut RKI noch keine gesicherten Erkenntnisse.

Worauf es nun ankommt

Um Deutschland gegen Omikron zu wappnen, sollten sich so viele Menschen wie möglich impfen und boostern lassen, sagt Krause. "Eine hohe Immunität senkt einerseits das Risiko, sich anzustecken und schwer zu erkranken, andererseits aber auch die Wahrscheinlichkeit, das Virus weiterzugeben."

Zudem plädiert Krause dafür, die aktuell geltenden Maßnahmen umfassender umzusetzen, statt diese in zu kurzfristigen Intervallen anzupassen oder zu hinterfragen. "Das ist wichtig für die Akzeptanz." Die sich aktuell abzeichnende Entspannung sollte nicht zur voreiligen Aufhebung von Maßnahmen verleiten. "Es sollten jetzt rigoros und lückenlos die 2G-Regeln längerfristig durchgesetzt werden, bis dass wir erkennen können, welche Anpassungen durch Omikron nötig werden", sagt Krause. Epidemiologe Zeeb betont, dass die bewährten Maßnahmen - "Boostern, Kontaktreduzierung, Masken etc." - auch gegen Omikron das Richtige seien.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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