Corona-Infektionen in New York haben Nachspiel für Bolsonaro

Brasiliens Präsident Bolsonaro macht keinen Hehl daraus, dass er noch immer ungeimpft ist. Bei der Reise zur UN-Generaldebatte wurde nun ein Vertrauter positiv auf Corona getestet - mit Folgen.
| dpa
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Der Rechtspopulist Bolsonaro hat das Coronavirus von Anfang an verharmlost.
Der Rechtspopulist Bolsonaro hat das Coronavirus von Anfang an verharmlost. © Eduardo Munoz/Pool Reuters/AP/dpa
New York/Brasília

Mehrere positive Corona-Tests in der brasilianischen Delegation bei der UN-Generaldebatte haben auch für Staatspräsident Jair Bolsonaro ein Nachspiel.

"Der Mitgliedstaat hat bestätigt, dass die gesamte Delegation beschlossen hat, sich für 14 Tage selbst unter Quarantäne zu stellen", teilte UN-Sprecher Stephane Dujarric am Mittwoch mit. Das brasilianische Nachrichtenportal "G1" berichtete unter Berufung auf den Regierungspalast, das Bolsonaro und andere Mitglieder der Delegation in Brasilien die nächsten fünf Tage in Quarantäne blieben und danach einen neuen Test machen wollen.

Hintergrund ist die Corona-Infektion von Gesundheitsminister Marcelo Queiroga. Dieser hatte am Dienstag mit Covid-Verharmloser Bolsonaro an der Generaldebatte der Vereinten Nationen teilgenommen und sich dabei auch im UN-Hauptquartier am East River aufgehalten. Zuvor war bereits ein weiteres Mitglied der Delegation positiv getestet worden. Bolsonaro war am Mittwoch nach Brasilien zurückgekehrt, Queiroga hält sich übereinstimmenden Medienberichten zufolge aber weiterhin in New York auf.

Die Gesundheitsbehörde in Brasília hatte eigentlich 14 Tage Quarantäne für die brasilianische Delegation empfohlen. Bolsonaro verzichtete am Mittwoch auf einen geplanten Präsenztermin und nahm stattdessen an einer Videoschalte teil. Die UN bemühten sich eigenen Angaben zufolge in New York darum, die Kontakte der Delegierten mit anderen Diplomaten, UN-Mitarbeitern sowie Staats- und Regierungschefs nachzuverfolgen. Ob es weitere Ansteckungen gab, war zunächst unbekannt.

Bolsonaro verharmlost Corona

Der Rechtspopulist Bolsonaro hat das Coronavirus von Anfang an verharmlost und sich immer wieder gegen den Gebrauch von Masken und andere eindämmende Maßnahmen ausgesprochen. Am Dienstag irritierte er zum Auftakt der UN-Generaldebatte in New York mit Aussagen über sein Vorgehen in der Pandemie und pries etwa den vorbeugenden Einsatz von Medikamenten, deren Wirksamkeit gegen das Coronavirus nicht nachgewiesen ist. Bolsonaro hat mehrmals betont, selbst nicht gegen Corona geimpft zu sein.

Bereits vor der Generaldebatte hatten die amerikanischen Gastgeber die Sorge geäußert, dass Staatsgäste und ihre Delegationen aus mehr als 100 Ländern in New York das Virus verbreiten könnten. Die Stadt New York wollte auch eine Impfpflicht durchsetzen, was UN-Generalsekretär António Guterres mit der Begründung zurückwies, er könne ungeimpften UN-Mitgliedern nicht den Zutritt verweigern.

Queiroga, der mindestens mit einer Dosis geimpft ist, twitterte in den vergangenen Tagen Fotos unter anderem mit Bolsonaro, dessen Frau Michele und Vertretern von Investmentfonds. Er hatte auch ein Treffen mit dem britischen Premierminister Boris Johnson, der wiederum US-Präsident Joe Biden traf. Johnson, der vollständig geimpft ist, zog keinerlei direkte Konsequenzen. "Es gelten Covid-Maßnahmen, an die sich der Premierminister gehalten hat", hieß es am Mittwoch knapp aus der Downing Street.

© dpa-infocom, dpa:210922-99-320189/6

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