Biden will Impfstoffe für alle Erwachsenen bis Mai freigeben

US-Präsident Biden macht den Amerikanern in einer emotionalen Rede vorsichtige Hoffnung in der Pandemie. Die Impfungen gehen deutlich schneller voran als versprochen. Nun gibt es einen neuen Termin.
| Von Can Merey, dpa
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Kann angesichts des Impftempos frohe Botschaften übermitteln: US-Präsident Joe Biden.
Kann angesichts des Impftempos frohe Botschaften übermitteln: US-Präsident Joe Biden. © Andrew Harnik/AP/dpa
Washington

US-Präsident Joe Biden will die Staffelung nach Impfgruppen in der Corona-Pandemie aufheben und Impfstoffe bis spätestens 1. Mai für alle Erwachsenen in den USA freigeben lassen.

Bei seiner ersten großen Fernsehansprache an die Nation kündigte Biden am Donnerstagabend (Ortszeit) eine entsprechende Anordnung an die Bundesstaaten an. Der Präsident rief die Amerikaner zugleich eindringlich dazu auf, sich impfen zu lassen. Jeder müsse seinen Teil dazu beitragen, das Virus zu stoppen, betonte er ein Jahr nach Beginn der Pandemie. "Dieser Kampf ist noch lange nicht vorbei."

Biden stellte seinen Landsleuten in Aussicht, am Nationalfeiertag am 4. Juli wieder in kleinen Gruppen feiern zu können. "Nach diesem langen, harten Jahr wird das diesen Unabhängigkeitstag, an dem wir nicht nur unsere Unabhängigkeit als Nation begehen, sondern auch damit beginnen, unsere Unabhängigkeit von diesem Virus zu begehen, zu etwas ganz Besonderem machen." Voraussetzung sei aber, dass die Menschen weiterhin Regeln zum Infektionsschutz einhielten, mahnte er. Wissenschaftler hätten deutlich gemacht, dass sich die Lage mit der Ausbreitung neuer Virus-Varianten wieder verschlechtern könne.

Biden betonte, die Freigabe der Impfstoffe für alle Amerikaner bedeute nicht, dass am 1. Mai sofort alle Erwachsenen geimpft würden. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, sagte am Freitag, Ziel sei weiterhin, dass bis Ende Mai genug Impfstoff für alle Erwachsenen vorhanden sei. Sie betonte, am 4. Juli werde es noch keine Massenveranstaltungen wie etwa Konzerte geben können. Bei den von Biden in Aussicht gestellten Feiern handele es sich um "kleine Gruppen von Freunden oder Nachbarn", die zusammenkommen könnten. Es sei ein "Babyschritt" in Richtung größerer Versammlungen.

Das Weiße Haus kündigte Maßnahmen zur Vereinfachung von Impfungen an. Unter anderem soll bis Mai eine Internetseite online gehen, die Impfmöglichkeiten in der Nähe aufzeigt. Eine gebührenfreie Telefonnummer soll dabei ebenfalls helfen. Die Zahl der Apotheken und Gesundheitszentren, in denen Impfungen verabreicht werden, soll deutlich steigen. Die Zahl der Soldaten zur Unterstützung der Impfkampagne soll um mehr als 4000 auf über 6000 erhöht werden.

Biden hatte versprochen, dass in den ersten 100 Tagen nach seinem Amtsantritt am 20. Januar 100 Millionen Impfdosen verabreicht würden. Nach der Hälfte dieser Zeit wurde nach Angaben des Weißen Hauses vom Donnerstag bereits die Marke von 81 Millionen Dosen überschritten. Biden kündigte an, sein Ziel werde nach 60 Tagen im Amt erreicht sein - das wäre Ende nächster Woche. Inzwischen gebe es mehr als zwei Millionen Impfungen am Tag, sagte er.

In den USA leben rund 330 Millionen Menschen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC hat inzwischen etwa jeder vierte Erwachsene mindestens eine Impfstoffdosis verabreicht bekommen. Vollständig geimpft sind gut 13 Prozent der Erwachsenen und mehr als 32 Prozent derjenigen, die 65 Jahre oder älter sind. Erst kürzlich kündigte Bidens Regierung an, dass die USA beim Hersteller Johnson & Johnson zusätzliche 100 Millionen Impfdosen bestellen würden.

Kurz vor seiner Ansprache setzte Biden mit der Unterschrift unter seinen "amerikanischen Rettungsplan" ein gigantisches Konjunkturpaket gegen die Corona-Krise in Kraft. Nur 50 Tage nach Amtsantritt konnte der Demokrat damit sein erstes großes Gesetzesvorhaben verwirklichen. Der Umfang des Konjunkturpakets in Höhe von rund 1,9 Billionen US-Dollar (rund 1,6 Billionen Euro) entspricht fast zehn Prozent der jährlichen US-Wirtschaftsleistung. Es soll die hart von der Pandemie getroffene Wirtschaft ankurbeln und Millionen neuer Jobs schaffen.

Die ersten Amerikaner sollten bereits an diesem Wochenende einmalige Direktzahlungen in Höhe von 1400 Dollar auf ihrem Konto finden, versprach das Weiße Haus. Für Familien mit Kindern sind außerdem größere Steuererleichterungen und weitere Direktzahlungen geplant. Zudem soll es Finanzierungshilfen für Corona-Tests, die Impfkampagne, Schulöffnungen sowie zusätzliche Unterstützung für Arbeitslose geben.

Bidens Fernsehansprache war von Empathie geprägt - eine Fähigkeit, die seinem Vorgänger Donald Trump eher nicht zugeschrieben wurde. "Wir sind verbunden durch den Verlust und den Schmerz vergangener Tage", sagte Biden, der den Angehörigen der Pandemie-Opfer sein Mitgefühl aussprach. Der Demokrat erwähnte Trump nicht namentlich, folgende Worte dürften aber auf den Republikaner gemünzt gewesen sein: "Vor einem Jahr wurden wir von einem Virus heimgesucht, dem mit Schweigen begegnet wurde und das sich unkontrolliert ausbreitete", sagte Biden. "Leugnen über Tage, Wochen, dann Monate führte zu mehr Todesfällen, mehr Infektionen, mehr Stress und mehr Einsamkeit."

Exakt ein Jahr vor Biden hatte sich Trump in einer Ansprache zur Corona-Krise an die Nation gewandt. Er verkündete damals einen Einreisestopp für Ausländer aus Europa, der bis heute in Kraft ist. Trump - der die Gefahr durch das Coronavirus immer wieder kleinredete - behauptete vor einem Jahr auch: "Keine Nation ist besser vorbereitet und widerstandsfähiger als die Vereinigten Staaten." Damals hatte die Statistik der Johns-Hopkins-Universität 1100 Coronavirus-Infektionen und 37 Tote in den USA verzeichnet. Inzwischen sind es fast 30 Millionen bestätigte Infektionen und mehr als 530 000 Tote.

Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Senders CNN glauben inzwischen 77 Prozent der Amerikaner, dass die schlimmste Phase der Corona-Krise hinter ihnen liegt. Gute Werte gab es auch für Biden: Mehr als zwei Drittel (67 Prozent) der Befragten vertrauen darauf, dass er das Land aus der Krise führt. Biden sagte am Donnerstag: "Es gibt Hoffnung und Licht." Vor den Amerikanern lägen "nach einem der schwierigsten und dunkelsten Zeitabschnitte in der Geschichte dieser Nation" nun bessere Tage.

© dpa-infocom, dpa:210312-99-788575/6

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