Afghanistan: Abschiebeflug aus Deutschland am Donnerstag

Die vorerst letzte Sammelabschiebung aus Deutschland fand im März statt. Morgen soll nun in Afghanistan wieder ein Abschiebeflug aus Deutschland erwartet. Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl übt massive Kritik.
| dpa
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Ein Flugzeug mit abgeschobenen Menschen hebt vom Baden Airpark ab.
Ein Flugzeug mit abgeschobenen Menschen hebt vom Baden Airpark ab. © Philipp von Ditfurth/dpa/Symbolbild
Kabul

Nach neun Monaten Unterbrechung wegen der Corona-Pandemie wird in Afghanistan wieder ein Abschiebeflug aus Deutschland erwartet.

Die Maschine mit abgelehnten Asylbewerbern an Bord soll an diesem Donnerstag in der Hauptstadt Kabul landen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem afghanischen Flüchtlingsministerium erfuhr.

Nach coronabedingter Pause haben demnach auch weitere europäische Länder Abschiebeflüge wiederaufgenommen. Demnach landete am Mittwoch ein Flieger mit elf aus Österreich und Bulgarien abgeschobenen Migranten in Kabul. Eine Abschiebung aus Schweden wurde unterdessen von Aktivisten verhindert, wie es weiter hieß.

Die vorerst letzte Sammelabschiebung aus Deutschland fand im März statt. Abschiebungen in den Krisenstaat sind umstritten. Trotz der Aufnahme von Friedensgesprächen geht der Konflikt zwischen den militant-islamistischen Taliban und Afghanistans Regierung weiter. In den vergangenen zehn Jahren wurden dabei mehr als 100 000 Zivilisten getötet oder verletzt. Die Wirtschaft und das ohnehin schon schwache Gesundheitssystem wurden durch die Corona-Pandemie stark belastet.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl forderte, den Abschiebeflug aus Deutschland zu unterbinden. "Es ist völlig unverantwortlich, während eines bundesweiten Lockdowns stur an diesem Flug ins Ungewisse festzuhalten", kritisierte Geschäftsführer Günter Burkhardt. "Menschenwürde und das Recht auf Gesundheit fordern einen Stopp von Abschiebungen. Der Flug darf nicht stattfinden."

Auch die Grünen-Politikerin Claudia Roth reagierte empört. "Die vielen Anschläge, Angriffe und Massaker, die in Afghanistan tagtäglich stattfinden, verbieten es, dorthin abzuschieben. Es besteht die Gefahr für Leib und Leben", sagte die Bundestags-Vizepräsidentin der Deutschen Presse-Agentur. Zudem leide Afghanistan stark unter dem Coronavirus. "Damit gefährdet die Bundesregierung zusätzlich Leben und Gesundheit der Menschen. Afghanistan ist nicht in der Lage, die Menschen zu versorgen oder ihre Sicherheit zu garantieren."

© dpa-infocom, dpa:201216-99-711505/3

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