Abschied von Altbundespräsident Roman Herzog

Zu dem Staatsakt im Berliner Dom für den mit 82 Jahren verstorbenen Herzog kamen 800 Trauergäste. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte seinen Amtsvorgänger als moralisches Vorbild.
von  dpa
Sargträger bringen den Sarg des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog nach dem Staatsakt in Berlin aus dem Dom.
Sargträger bringen den Sarg des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog nach dem Staatsakt in Berlin aus dem Dom. © Kay Nietfeld/dpa

Berlin - Tiefer verneigen kann sich dieses Land nicht. Die Spitzen von Staat und Gesellschaft sind gekommen, Bundeskanzlerin Angela Merkel und viele Kabinettsmitglieder, Ministerpräsidenten aus den Ländern, Prominente und Wegbegleiter, um Abschied zu nehmen von Roman Herzog. 800 Gäste haben sich im prachtvollen Berliner Dom versammelt, auch SPD-Chef Sigmar Gabriel ist dabei, der wenige Stunden später mit seinem Verzicht auf die Kanzlerkandidatur für einen Paukenschlag sorgen wird. Doch erst einmal erklingt Musik: "Wie schön leuchtet der Morgenstern".

Herzog war von 1994 bis 1999 Bundespräsident

Herzog war von 1994 bis 1999 Bundespräsident, aber er war noch viel mehr als das: Als herausragenden Juristen würdigt ihn Andreas Voßkuhle, der Präsident des Verfassungsgerichts. Heinrich Bedford-Strohm, der EKD-Ratsvorsitzende, erinnert an den evangelischen Christen Herzog, Finanzminister Wolfgang Schäuble an den CDU-Politiker, EU-Ratspräsident Donald Tusk an den überzeugten Europäer. Und Bundespräsident Joachim Gauck an alles zusammen.

Arm in Arm mit der Witwe, Alexandra Freifrau von Berlichingen, betritt Gauck das Kirchenschiff. Beide verharren vor dem mit der Bundesflagge und dem Bundesadler geschmückten Sarg, vor dem ein großer Kranz aus roten und weißen Rosen liegt. Für Gauck, der an diesem Dienstag 77 Jahre alt wird, ist es nun der dritte Amtsvorgänger, den er mit einem Staatsakt verabschieden muss: Richard von Weizsäcker 2015, Walter Scheel 2016 und nun Roman Herzog. Unter den Trauergästen auch die beiden noch lebenden Alt-Bundespräsidenten Horst Köhler und Christian Wulff, und Frank-Walter Steinmeier, der vermutlich künftige.

In Gaucks Trauerrede wird der Mensch Roman Herzog noch einmal lebendig. "Er konnte einfach nicht anders, als aus allem Aufgeblasenen die Luft herauszulassen." Herzog sei einer gewesen, "der genau und scharf unterscheiden kann zwischen dem, was wirklich wertvoll und wichtig ist, und was nicht. Auch deshalb hat diese Präsidentschaft uns Deutschen gutgetan."

Donald Tusk nennt den Verstorbenen einen "großen Europäer und Freund Polens"

Als mutigen Mahner für Reformen in einer Zeit des Stillstands würdigt nicht nur Gauck den am 10. Januar im Alter von 82 Jahren Gestorbenen. Voßkuhle erinnert nebenbei auch daran, dass der spätere Bundespräsident als Innenminister in Baden-Württemberg für Gummigeschosse und Reizgas gegen Demonstranten eintrat. Als Präsident des Verfassungsgerichts sei er dann auf alle Fälle ein "Glücksfall" gewesen.

Der Ruf als Konservativer sei Herzog "worscht" gewesen, erinnert sich Schäuble, der den späteren Bundespräsidenten auch als CDU-Mann kannte. Er sei eben für einen freiheitlichen und für einen starken Staat eingetreten und habe immer gewusst: "Demokratie ist nicht selbstverständlich." Vor allem aber: "Wer mit ihm zusammenarbeiten durfte, der war bereichert."

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An Herzogs berühmtester Rede aus dem Jahr 1997 kommt natürlich keiner vorbei an diesem Tag. Aber Donald Tusk bleibt es vorbehalten, ihr eine aktuelle Wendung zu geben. Er nennt Herzog einen großen Europäer und einen Freund Polens und ruft auf Deutsch: "Auch durch Europa muss ein Ruck gehen." 2014 war Herzogs letztes Buch erschienen: "Europa neu erfinden - Vom Überstaat zur Bürgerdemokratie". Darin warnte er, die EU sei dabei, das Vertrauen der Menschen zu verlieren.

Es ist ein würdiger Abschied. Nach der Nationalhymne tragen Soldaten aller Waffengattungen den Sarg im Gleichschritt zum "großen militärischen Ehrengeleit" aus dem Dom. Noch einmal fährt der Sargwagen am Schloss Bellevue und dem Regierungsviertel vorbei. Am Freitag wird Herzog in Baden-Württemberg beigesetzt.