Interview

Münchner Sprechtrainerin: "Die Maske wirkt wie ein Schalldämpfer"

Sprechtrainerin und Rhetorik-Coach Sabine Novy erklärt im AZ-Interview, was beim Reden mit Mundschutz anders ist – und wie Sprachübungen helfen können.
von  Julia Sextl
Die Münchnerin Sabine Novy arbeitet als Rhetorik-Coach und Sprechtrainerin.
Die Münchnerin Sabine Novy arbeitet als Rhetorik-Coach und Sprechtrainerin. © privat

München - Dumpfe Laute, undeutliche Aussprache – wer mit Atemmaske spricht, klingt undeutlicher als ohne. Woran das liegt und wie sich das auf unsere Kommunikation auswirkt, erklärt die Münchner Sprechtrainerin Sabine Novy.

AZ: Frau Novy, was genau ist anders beim Sprechen mit der Maske?
Sabine Novy:
Die Maske wirkt beim Sprechen zunächst mal wie ein Schalldämpfer, das merkt jeder sofort, wenn er die eigene Stimme mit und ohne Maske vergleicht. Das kann schon etwas irritierend sein. Auch die eigene Atmung wird hörbarer und spürbarer und fühlt sich auch etwas schwerfälliger an. Die Stimme klingt etwas leiser, weil der Schall ausgebremst wird. Ein wichtiger Effekt ist auch, dass man weniger deutlich gehört wird.

"Nicht nur die Situation für die Stimme, auch die der Mimik ändert sich"

Ist es nur das Stück Stoff über Nase und Mund, das so viel verändert? Oder gibt es da noch andere Effekte?
Der Stoff ist schon der entscheidende Punkt, er ist ja eine Art Ausdrucks-Barriere. Wie dick eine Maske ist und wie gut sie sitzt, macht dabei aber sicher auch noch etwas aus. Eine Maske wirkt aber durchaus auch als Verstärker für sprecherische Eigenarten: Undeutlich, viel zu leise oder zu schnell zu sprechen, fällt mit Maske stärker ins Gewicht. Das hängt auch damit zusammen, dass sich ja nicht nur die Situation für die Stimme, sondern auch die der Mimik ändert.

Die Münchnerin Sabine Novy arbeitet als Rhetorik-Coach und Sprechtrainerin.
Die Münchnerin Sabine Novy arbeitet als Rhetorik-Coach und Sprechtrainerin. © privat

Welchen Einfluss hat das auf die Kommunikation?
Die Sprechenden machen zwar die übliche Mimik, aber von außen wird nur der Teil oberhalb der Nase gesehen. Wie eigenartig es sein kann, mit jemandem fast ohne Mimik zu reden, kennen wir alle ja vom berühmten "Pokerface". Wenn jetzt im Sommer zur Maske noch die Sonnenbrillen dazukommen, kann das Kommunikation schon komplizierter machen, weil man natürlich auch unnahbarer wirkt.

Wenn man sich unwohl fühlt mit Maske im Gesicht – was kann man dagegen tun?
Wichtig finde ich, dass man sich von der Maske nicht zu stark ablenken lässt. Wenn wir beim Sprechen immer an die Maske denken und überlegen, wie wir wohl aussehen und uns anhören, bremst das auch den Ton aus, der dann kraftloser klingt und quasi in der Maske versandet. Man könnte auch sagen: Für den klaren Ton wäre es gut, bewusst so zu sprechen, als ob die Maske gar nicht da wäre.

Einfache Übungen können Aussprache mit Maske verbessern

Was empfehlen Sie, damit das Sprechen mit Maske gut klappt?
Ein wichtiger Punkt ist aus meiner Sicht, dass wir die genannten "Barriere-Effekte" kennen und beim Sprechen einplanen. Wir sollten uns angewöhnen, mit Maske etwas lauter und deutlicher zu sprechen als sonst, ohne dass das gleich künstlich und unnatürlich klingen muss. Damit man beim Sprechen nicht hektisch atmet oder kurzatmig wird, kann es helfen, nach dem Aufsetzen der Maske und auch zwischendurch bewusst langsam und entspannt durchzuatmen.

Wie lässt sich deutlicheres Sprechen üben?
Da hilft es ganz gut, zunächst einmal die eigenen Sprechwerkzeuge fit zu machen: Vor dem Aufsetzen der Maske oder vor dem Sprechen ein paar Grimassen zu schneiden und Zunge, Lippen und Kiefer etwas zu lockern.

Haben Sie noch konkretere Tipps, um die Aussprache zu trainieren?
Natürlich kann man auch unabhängig von der Maske üben, indem man zum Beispiel mit intensiver Mundbewegung Vokalpaare formt wie e-o und i-u – am besten mit Spiegelkontrolle. Auch Lautfolgen mit Explosivlauten wie p-t-k oder Worte wie "Papperlapapp" nachdrücklich und etwas aggressiv auszusprechen, schärft die Artikulation. Wer mag, kann auch mal einen Zeitungsartikel laut lesen und dabei die Aussprache genüsslich übertreiben. Eine anspruchsvollere Übung sind Schnellsprechsätze – schnell und dabei deutlich zu sprechen, ist nicht nur mit, sondern auch ohne Maske nicht einfach.

Was hilft, um mit Maske nicht zu leise zu sprechen?
Wie laut wir sprechen, hängt technisch gesehen mit der Atmung zusammen. Wird die Luft abgeklemmt, wird der Ton leiser und oft auch gepresster – das kennen die meisten wahrscheinlich vom Sprechen in der Hocke. Eine aufrecht-entspannte Körperhaltung hilft deshalb immer, einen viel klareren Ton zu produzieren, egal, ob im Sitzen oder im Stehen.

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