Tragödie in Norwegen: Trauer um Erdrutschopfer

Ein gewaltiger Erdrutsch ist durch eine Ortschaft nahe Oslo gerauscht und hat die kleine Gemeinde damit für immer verändert. Das Ausmaß der Katastrophe wird seitdem von Tag zu Tag deutlicher: Eine Kleinfamilie und vier weitere Menschen sind tot, drei andere werden noch vermisst.
| Von Steffen Trumpf, dpa
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Rettungsmannschaften sind nach dem Erdrutsch in Ask zwischen zerstörten Gebäuden im Einsatz.
Rettungsmannschaften sind nach dem Erdrutsch in Ask zwischen zerstörten Gebäuden im Einsatz. © Tor Erik Schroeder/ntb/AP/dpa

Oslo (dpa) - Die Trauer über die verheerende Katastrophe zum Jahreswechsel stand der norwegischen Königsfamilie ins Gesicht geschrieben. Er habe Probleme, die richtigen Worte zu finden, sagte König Harald V. (83) während eines Besuchs in der Kommune Gjerdrum am Sonntag.

"Das ist völlig schrecklich. Es ist sehr schwer, das in Worte zu fassen." Königin Sonja (83) an seiner Seite erzählte sichtlich berührt von Zusammenhalt und Herzenswärme in der kleinen Gemeinde nördlich von Oslo, die kurz vor Neujahr von einem gewaltigen Erdrutsch heimgesucht wurde.

Mehrere Tage danach wird das Ausmaß der Katastrophe nun immer klarer. Bis Montag haben die unentwegt arbeitenden Rettungskräfte bislang sieben Todesopfer im Unglücksgebiet gefunden, darunter ein zweijähriges Mädchen und seine Eltern. Drei Menschen galten bis zum Montagabend weiter als vermisst.

Zu dem Hunderte Meter langen und breiten Erdrutsch war es bereits am frühen Morgen des 30. Dezembers gekommen. Über den riesigen Krater, den der Abgang in der Ortschaft Ask rund 40 Kilometer nordöstlich von Oslo erzeugt hat, hat sich mittlerweile eine Schneeschicht gelegt. Die Einsatzkräfte hielt das auch am Montag nicht davon ab, weiter im Katastrophengebiet nach Überlebenden zu suchen - auch mehr als fünf Tage nach dem Unglück gaben die Retter nicht ihre Hoffnung auf, Vermisste noch lebend ausfindig zu machen.

"Wir befinden uns weiterhin in einer Rettungsaktion", beteuerte der polizeiliche Einsatzleiter Roger Pettersen am Montag vor Reportern. "Wir glauben weiter, dass wir Überlebende finden können." Die Hoffnung der Rettungskräfte: Jemand könnte in Hohlräumen unter den Erdmassen überlebt haben - trotz Unglück und winterlicher Kälte. Neue Funde machten die Einsatzkräfte am Montag bis zum frühen Abend jedoch nicht.

Mindestens zehn Menschen hatten während des Abgangs am vergangenen Mittwoch Verletzungen erlitten. Neun Häuser mit mehr als 30 Wohneinheiten sind eingestürzt. Rund 1000 Menschen wurden bislang in Sicherheit gebracht. Zehn Menschen hatten nach dem Erdrutsch als vermisst gegolten. Sieben Todesopfer haben die Einsatzkräfte seit dem Neujahrstag gefunden, sechs davon sind bisher identifiziert worden: Neben dem 2018 geborenen Mädchen und seinen Eltern auch eine 54-Jährige und zwei Männer im Alter von 29 und 31 Jahren. Die 31 Jahre alte Mutter des kleinen Mädchens ist nach Angaben des Rundfunksenders NRK und der Zeitung "Verdens Gang" schwanger gewesen.

Viele Menschen in Norwegen hat das Schicksal der Menschen in Gjerdrum mitgenommen, nicht zuletzt die Königsfamilie. "Das ist eine kleine Kommune, die plötzlich in einer Katastrophe steckt", sagte Kronprinz Haakon (47) am Sonntag, als er sich gemeinsam mit dem Königspaar vor Ort ein Bild vom Unglück machte. Es sei deutlich für ihn, dass viele in Norwegen mit den Betroffenen in Gjerdrum mitfühlten.

© dpa-infocom, dpa:210104-99-890664/4

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