Nährwerte mit Gaga-Portionsgrößen: So dreist mogeln die Lebensmittelhersteller

Energie-, Fett- und Zuckergehalt wird kurzerhand verschwindend klein: Die Inhaltsangaben auf Lebensmittelverpackungen stimmen häufig nicht mit realistischen Portionsgrößen überein - Verbraucher werden dadurch geschickt in die Irre geführt.
von  Sophia Dittmann
Trickserei bei den Portionsgrößen: Lebensmittelhersteller führen Verbraucher mit ihren Verpackungs-Angaben teilweise in die Irre.
Trickserei bei den Portionsgrößen: Lebensmittelhersteller führen Verbraucher mit ihren Verpackungs-Angaben teilweise in die Irre. © Oliver Berg/dpa/ÖKO-TEST

Energie-, Fett- und Zuckergehalt wird kurzerhand verschwindend klein: Die Inhaltsangaben auf Lebensmittelverpackungen stimmen häufig nicht mit realistischen Portionsgrößen überein - Verbraucher werden dadurch geschickt in die Irre geführt.

Augsburg - Kennen Sie eine Person die von einem 0,47 Croissant satt wird? Oder gar von einem 20 Gramm schweren Hackbällchen? Nein? Tja, besonders dreiste Hersteller aus der Lebensmittelindustrie anscheinend schon. Umfragen der Verbraucherzentralen zufolge essen die meisten mehr als doppelt so viel wie auf der Verpackung als Portionsgröße empfohlen wird. Lebensmittelhersteller dürfen nämlich die Portionsgrößen auf ihren Verpackungen selbst bestimmen. Ist ja schließlich besonders praktisch: Durch mickrige Portionsgrößen, erscheinen ungesunde Lebensmittel auf einen Schlag leicht und gesund. Kalorien-, Fett- und Zuckergehalte werden schön kleingerechnet - der Käufer hinters Licht geführt.

ÖKO-Test ging jetzt diesem Täuschungs-Phänomen bei 33 Produkten auf den Grund. Das Ergebnis zeigt eindeutig, wie kurios und dreist diese Mengenangaben auf den Verpackungsrückseiten teilweise sind. Wer eine Haribo Anaconda Riesenschlange isst, dürfte laut Verpackung nur 0,63 Stück davon essen. Von Nutella darf man sich einen gehäuften Teelöffel hauchdünn aufs Brot schmieren - ein Albtraum für Fans der Nussnougat-Creme.

13 Gramm KitKat, ein Teelöffel Nutella, 0,63 Gramm Haribo-Schlange: dreiste Mengenangaben häufen sich

"Nimm 2"-Lachgummis voll mit Fruchtsaft und Vitaminen? Ein Märchen. Sie bestehen zu über 50 Prozent aus Zucker. Um die Kalorienmenge möglichst klein erscheinen zu lassen, rechnen die Hersteller mit einer Portionsgröße von 10,5 Gramm. Der Berechnung des Vitamingehalts, der möglichst hoch erscheinen soll, liegen dagegen 100 Gramm zugrunde.

 

Nur sechs Prozent der täglichen Referenzmenge für Fett mit einer Portion abgedeckt? Nun ja: Für alle, die nach einem einzigen 20 Gramm schweren Ja!-Hackbällchen satt sind, geht die Rechnung auf. 25 Stück stecken in einer Packung, also sind das dann 25 Portionen. Davon werden dann wohl 2 Fußballmannschaften satt.

 

Es könnte so einfach sein. Ist es aber nicht: Bei Chipita ist nicht ein Croissant eine Portion, sondern 0,46 Croissants.

 

Wie groß so eine Portion ist, da ist man sich bei Nestlé nicht so ganz sicher. Von dem weißen KitKat darf man den ganzen Riegel essen, der allerdings gerade mal 40 Gramm wiegt. Vom braunen Riegel ist eine Portion laut Nestle nur ein Drittel, gut 13 Gramm. Davon könnte der Konzern mit Sicherheit nicht leben.

30 Haribo Anaconda Riesenschlangen in der Verpackung macht 30 Portionen? Falsch: Wenn es nach Haribo geht, sind Kinder schon froh, wenn sie nur zwei Drittel der Süßigkeit essen. Genauer: 0,63 Riesenschlangen.

 

Wenn es nach Continental Bakeries geht, reicht die Packung Havre Flarn Hafertaler für 80 Tage - weil ein 7,5 Gramm schwerer Mini-Keks eine Portion darstellt.

Alle Fotos: Öko-Test

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