Kachelmanns Coup

Überraschung im Vergewaltigungs-Prozess: Der Verteidiger zieht überraschend ein Gutachten zurück, das den TV-Moderator entlastet hätte.
von  Abendzeitung
Jörg Kachelmann (52) streitet die Tat ab.
Jörg Kachelmann (52) streitet die Tat ab. © dapd

Überraschung im Vergewaltigungs-Prozess: Der Verteidiger zieht überraschend ein Gutachten zurück, das den TV-Moderator entlastet hätte.

MANNHEIM Nachdem der Prozess bisher eher dahingeplätschert war, gab es am fünften Verhandlungstag gegen den TV-Moderator Jörg Kachelmann eine Überraschung: Seine Verteidigung zog ein Gutachten zurück, das den wegen Vergewaltigung Angeklagten entlastet hätte.

In dem Gutachten des Mediziners Tilmann Elliger war die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers, der 37-jährigen Sabine W., in Frage gestellt worden. Sie könne sich die Verletzungen an den Oberschenkeln, die ihr laut Anklage von dem 53-Jährigen bei der Vergewaltigung zugefügt wurden, auch selbst beigebracht haben (AZ berichtete). Die Staatsanwaltschaft kündigte schon damals an, den Gutachter wegen Befangenheit abzulehnen.

Jetzt wurde bekannt, was der Grund war: Elliger soll Gast bei der Party gewesen sein, die zur Haftentlassung von Kachelmann im August bei einem Kölner Italiener gefeiert worden war. Der Anwalt des Moderators, Reinhard Birkenstock, zogdie Notbremse und nahm das Gutachten des Kölner Professors zurück.

Der Verteidigung reiche das Gutachten eines weiteren Experten, der Ähnliches aussage, erklärte Birkenstock.

Zuvor war noch einmal die Schwetzinger Kriminalhauptkommissarin befragt worden, die am Tag nach der Vergewaltigung als Erste das mutmaßliche Opfer vernommen hatte. Sie erinnerte sich daran, dass sie das „Gefühl“ gehabt habe, die Tat habe sich genauso zugetragen, wie Sabine W. sie schilderte. Ihr sei es „peinlich“ gewesen, den Namen des mutmaßlichen Vergewaltigers zu nennen.

Dass es sich dabei um einen Prominenten handelte, hatte zuvor schon die Mutter angekündigt, die ihre angeblich sehr aufgelöste Tochter zum Polizeipräsidium in Schwetzingen begleitet hatte.

Eine andere Beamtin schilderte, dass die 37-Jährige auf dem Weg zur medizinischen Untersuchung extrem fahl ausgesehen habe: „Sie war fix und fertig.“ Auch habe sie sehr eindrucksvoll geschildert, wie sie während der Tat unter Todesangst litt: „Sie hat angefangen zu beten, weil sie sich in diesem Moment sicher war, es nicht zu überleben.“ mh