Fünfter Rückgang in Folge bei Wohnungseinbrüchen erwartet

Coronabedingt haben viele Menschen viel Zeit zu Hause verbringen müssen. Das hat auch Einbrechern und Taschendieben das Leben "schwer gemacht".
| Von Michael Kieffer, dpa
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Das Bundeskriminalamt verweist auf "veränderte Tatgelegenheitsstrukturen" während der Coronavirus-Pandemie.
Das Bundeskriminalamt verweist auf "veränderte Tatgelegenheitsstrukturen" während der Coronavirus-Pandemie. © Frank Rumpenhorst/dpa
Berlin

Während der Corona-Krise ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland im fünften Jahr in Folge zurückgegangen.

Auch wenn man noch keine konkreten bundesweiten Fallzahlen nennen könne, verzeichne man bei der Eigentumskriminalität im zu Ende gehenden Jahr einen rückläufigen Trend, teilte das Bundeskriminalamt (BKA) der Deutschen Presse-Agentur mit. Das gelte etwa auch für Laden- und Taschendiebstähle.

Das BKA verwies auf "veränderte Tatgelegenheitsstrukturen" während der Coronavirus-Pandemie. So hätten tagsüber deutlich weniger Wohnungen leergestanden. In Folge der Kontaktbeschränkungen habe es auch weniger Gelegenheiten für potenzielle Taschendiebe in Einkaufsstraßen gegeben.

Die Versicherungsbranche hielt es zuletzt sogar für möglich, dass die Corona-Krise zu einem Allzeittief bei den Wohnungseinbrüchen führen könnte. "Die Entwicklung des ersten Halbjahrs deutet darauf hin, dass wir die niedrigsten Einbruchzahlen seit Beginn unserer Statistik 1981 sehen werden", hatte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im September der dpa mitgeteilt. Diese Einschätzung gelte noch unverändert, hieß es nun von einer Verbandssprecherin.

Die Zahl der versuchten und vollendeten Wohnungseinbrüche war in den Jahren 2008 bis 2015 kontinuierlich nach oben gegangen und hatte ein besorgniserregendes Niveau erreicht. Der Höhepunkt lag schließlich bei 167.136 bundesweit registrierten Fällen. Im Jahr 2016 gab es dann erstmals wieder einen Rückgang, der sich seitdem fortsetzte. Für 2019 erfasste die Kriminalstatistik bundesweit noch 87.145 Delikte.

Schätzungen aus den Bundesländern deuten ebenfalls auf einen neuerlichen, teils sogar kräftigen Rückgang der Wohnungseinbrüche im Corona-Jahr 2020 hin. Die Landeskriminalämter in Baden-Württemberg und Niedersachsen zum Beispiel rechnen für ihre Bundesländer jeweils mit einem Rückgang von rund 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Hessen erwartet das Landesinnenministerium ein Minus von rund 20 Prozent. Ein deutlicher Rückgang deutet sich auch im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen an.

Baden-Württemberg geht nach Angaben des dortigen Landeskriminalamts (LKA) der niedrigsten Zahl an Wohnungseinbrüchen seit 1971 entgegen. Coronabedingte Einschränkungen hinderten Einbrecher an Beutezügen, da viele Menschen im Homeoffice arbeiteten und seltener ausgingen, sagte eine LKA-Sprecherin. "Das nimmt den Kriminellen die Gelegenheiten, in eine leere Wohnung einzudringen."

Mit Beginn der Pandemie seien die Zahlen in Baden-Württemberg von Mitte März bis Juni 2020 auf ein niedriges Niveau gesunken. "Von Juli bis September stiegen die Fallzahlen wieder leicht an, lagen aber immer noch deutlich unter denen der Vorjahre", erläuterte die Sprecherin. Der sonst übliche Anstieg zur dunklen Jahreszeit sei dieses Jahr ausgeblieben und finde wegen des Lockdowns auch nicht mehr statt.

Auch das bayerische Innenministerium geht für 2020 von einem deutlichen Rückgang der Zahl der Wohnungseinbrüche aus - mahnt besonders in der dunklen Jahreszeit aber weiter zur Wachsamkeit. Dass die Einbrecher in diesem Jahr etwa auf Gewerbeimmobilien ausgewichen seien, weil viele Leute dauerhaft zu Hause waren, könne nach den bisherigen Auswertungen in Bayern nicht festgestellt werden. Die Fallzahlen lägen seit der Pandemie auch in diesem Bereich konstant unter denen des Vorjahres, hieß es.

Als einen Grund für den erwarteten Rückgang an Wohnungseinbrüchen nannte das Landespolizeipräsidium des Saarlandes auch die vorübergehend eingeführten Kontrollen an den Grenzen. Sie hätten zur Folge gehabt, dass wohl weniger reisende Täter aus dem Ausland unterwegs waren, sagte Polizeisprecher Stephan Laßotta. Vor allem für die Monate März, April und Mai sei im Saarland, das an Frankreich und Luxemburg grenzt, ein "merklicher Fallzahlenrückgang" bei Einbrüchen erkennbar, sagte er. Eine Zahl für das Gesamtjahr konnte er noch nicht nennen.

Die Versicherer weisen immer wieder auf den Erfolg von Vorsorge hin. Viele Haus- und Wohnungsbesitzer hätten in den vergangenen Jahren "aufgerüstet"; bessere Sicherheitstechnik erschwere den Einbrechern ihr Vorgehen. Fast jeder zweite Versuch scheitere, weil Täter nicht schnell genug ins Haus beziehungsweise in die Wohnung kämen.

© dpa-infocom, dpa:201227-99-820622/3

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