Ex-Pfleger bedauert Taten - "Relativ spontan" gehandelt

Bis zu 30 Patienten will ein Ex-Pfleger bei seiner Arbeit getötet haben. Ohne viel Vorbedacht habe er gehandelt. Vor Gericht äußert er sein Bedauern - und schaut erstmals die Angehörigen der Opfer an.
von  dpa
Bei einer Verurteilung droht dem ehemaligen Krankenpfleger lebenslange Haft.
Bei einer Verurteilung droht dem ehemaligen Krankenpfleger lebenslange Haft. © dpa

Oldenburg - Ein Ex-Krankenpfleger unter Mordanklage hat seine Taten am Donnerstag vor Gericht bedauert. Der Angeklagte schilderte seinen Richtern in Oldenburg, er habe meist ohne großen Vorbedacht eine Überdosis eines Herzmittels gespritzt. "Meistens war es so, dass die Entscheidung, das zu tun, relativ spontan war", sagte der 38-Jährige zu den Vorwürfen. Der Mann ist wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs an Patienten des Klinikums Delmenhorst angeklagt. Im Prozess hat er allerdings 90 Taten gestanden. Bis zu 30 Opfer sollen gestorben sein.

In seiner mit Spannung erwarteten ersten persönlichen Aussage vor den Richtern sagte der Ex-Krankenpfleger weiter: "Es tut mir wirklich leid." Es sei ihm klar, dass seine Taten nicht zu entschuldigen seien. Er hoffe, dass seine Verurteilung den Angehörigen helfe, das Leid aufzuarbeiten. Bei seiner Aussage wirkte der 38-Jährige sachlich und blickte zum ersten Mal die Angehörigen der Opfer an. Für den Donnerstag wurden auch noch die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage erwartet.

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Eine Sonderkommission der Polizei untersucht zurzeit alle Todesfälle während der Dienstzeit des Mannes am Klinikum Delmenhorst und seinen anderen Arbeitsstätten in Oldenburg, Wilhelmshaven sowie bei den Rettungssanitätern. Der 38-Jährige beteuerte am Donnerstag erneut, außerhalb von Delmenhorst keinem Patienten geschadet zu haben. Zu seiner Zeit dort sagte er, dass er zum Schluss manchmal schon gehofft habe, erwischt zu werden.

Über seine Beweggründe sagte er vor Gericht: "Es war eine Anspannung da und eine Erwartungshaltung, was passiert gleich." Nach einer erfolgreichen Wiederbelebung habe er sich gut gefühlt. Wenn der Patient gestorben sei, sei er jedoch niedergeschmettert gewesen. Und kurzfristig habe er das Gefühl gehabt, das nicht wieder zu tun. Das habe aber nie lange vorgehalten, es verblasste mit der Zeit.