Erneut Messerangriff auf Polizistin in Frankreich

Immer wieder ist die französische Polizei Ziel gewalttätiger Angreifer. Nun attackiert ein Mann eine Polizistin mit einem Messer und ist anschließend stundenlang auf der Flucht. Das Land fragt sich: Was ist das Motiv?
| Von Julia Naue und Rachel Boßmeyer, dpa
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
Artikel empfehlen
Französische Soldaten sind im Einsatz, nachdem eine Polizistin in La Chapelle-Sur-Erdre mit einem Messer verletzt worden ist.
Französische Soldaten sind im Einsatz, nachdem eine Polizistin in La Chapelle-Sur-Erdre mit einem Messer verletzt worden ist. © Loic Venance/AFP/dpa
Paris/Nantes

Angst und Schrecken in einer französischen Kleinstadt: Wieder erschüttert ein Messerangriff auf eine Polizistin Frankreich. Ein Mann hat am Freitagvormittag eine Polizeimitarbeiterin in der Nähe der Großstadt Nantes auf dem Kommissariat attackiert und verletzt.

Der Täter ergriff anschließend die Flucht, Hunderte Einsatzkräfte suchten mit Hunden und Hubschraubern stundenlang nach ihm - er starb schließlich nach einem Schusswechsel mit der Polizei. Erst vor wenigen Wochen hatte ein Angreifer eine Polizeimitarbeiterin bei Paris getötet.

Kleinstadt abgeriegelt

Die Stadt La Chapelle-sur-Erdre, in der sich das Verbrechen am Freitag ereignete, wurde nach der Flucht des Mannes von Sicherheitskräften quasi abgeriegelt. Kinder und Jugendliche durften die Schulen zunächst nicht mehr verlassen, Läden mussten vorsorglich schließen. Die Menschen sollten zu Hause bleiben. Die genauen Hintergründe des Vorfalls sind noch unklar. Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin sagte am Nachmittag, der mutmaßliche Täter sei psychisch krank und radikalisiert gewesen.

Immer wieder war es in den vergangenen Wochen zu Angriffen auf die Polizei gekommen. Im April hatte ein mutmaßlich islamistisch motivierter Angreifer die Polizistin in Rambouillet bei Paris mit einem Messer getötet. Auch weitere Angriffe auf die Polizei hatten zuletzt in Frankreich eine große Debatte über die Sicherheit der Einsatzkräfte ausgelöst. Erst in der vergangenen Woche hatten Tausende Polizistinnen und Polizisten vor der Pariser Nationalversammlung demonstriert und mehr Unterstützung gefordert.

Der aktuelle Vorfall ereignete sich am Freitagvormittag gegen 10.20 Uhr in der Polizeiwache der Gendarmerie von La Chapelle-sur-Erdre, einer Stadt mit rund 20.000 Einwohnern. Anschließend ergriff der Mann der Gendarmerie zufolge zu Fuß die Flucht. Offenbar hatte er auch die Dienstwaffe der Polizistin mitgenommen, sagte Darmanin.

Polizisten bei Schusswechsel verletzt

Wenige Stunden nach der Tat kam es dann zur Festnahme, bei der zwei Einsatzkräfte und der mutmaßliche Angreifer im Schusswechsel verletzt wurden. Der Mann habe offensichtlich noch einmal Gendarmen angreifen wollen, sagte Darmanin. Kurze Zeit später starb der Verdächtige - Medien zufolge an den Folgen von Schussverletzungen. Das genaue Motiv ist zwar noch unklar. Wie Darmanin sagte, hatte der Mann eine starke Schizophrenie und war deshalb medizinisch in Behandlung. Der etwa 40-jährige gebürtige Franzose sei zudem in einer Anti-Terror-Datenbank erfasst gewesen.

Darmanin sagte allerdings auch, die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft sei bei den Ermittlungen zu dem Angriff vom Freitag seines Wissens nach nicht eingeschaltet worden. Neben der psychischen Beeinträchtigung sei der Mann für eine rigorose Ausübung des Islam bekannt gewesen. "Aber er wurde nie für Terrorismus verurteilt." Medienberichten zufolge war der Mann auch mit Aggressionen gegen Sicherheitskräfte aufgefallen.

Die Polizistin wurde bei der Attacke unter anderem schwer am Bein verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Nach Darmanins Worten wird sie den Angriff überleben.

Le Pen erhebt Vorwürfe

"Ich weigere mich, die Angriffe auf unsere Polizisten zu unserem Alltag werden zu lassen", so reagierte die rechtspopulistische Politikerin Marine Le Pen auf Twitter. "Wie konnte eine Person, die für ihre Radikalisierung bekannt ist, die dafür bekannt ist, Polizeibeamte angreifen zu wollen, da draußen sein, frei, um Schaden anzurichten?"

Die Bürgermeisterin von Nantes, Johanna Rolland, prangerte eine "verachtenswerte, unsägliche Tat" an. Was könne verachtenswerter sein, als diejenigen anzugreifen, die uns täglich beschützen, schrieb sie in einer Mitteilung. Premierminister Jean Castex schrieb auf Twitter von einem "feigen Angriff" und bedankte sich bei den Einsatzkräften.

Immer wieder gibt es in Frankreich Angriffe auf die Polizei. Im Herbst 2019 tötete ein Angestellter im Polizeihauptquartier in Paris vier seiner Kollegen mit einem Messer. Die Ermittler gehen von einem Terrorhintergrund aus. 2017 tötete ein Mann auf der Pariser Nobelstraße Champs-Élysées einen Beamten und verletzte zwei weitere. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich. Frankreichs Mitte-Regierung will mit einem neuen Sicherheitsgesetz mehr Schutz für die Ordnungskräfte im Land bieten.

© dpa-infocom, dpa:210528-99-778829/8

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen Artikel empfehlen