AZ-Ratgeber: Das Einmaleins der Krankmeldung

Im Herbst und Winter ist wieder Erkältungszeit. Woran Arbeitnehmer denken sollten, wenn sie sich daheim auskurieren wollen.
von  Sabine Meuter
Per Telefon oder E-Mail: Beide Möglichkeiten sind legitim, wenn man sich beim Arbeitgeber krankmelden möchte.
Per Telefon oder E-Mail: Beide Möglichkeiten sind legitim, wenn man sich beim Arbeitgeber krankmelden möchte. © Christin Klose/dpa

München - Das Thema Krankheit hat 2020 eine ganz neue Bedeutung bekommen. Die Grundregeln der Krankschreibung aber bleiben auch in einer Pandemie bestehen. Antworten auf folgende Fragen sollten also alle Beschäftigten kennen.

Wie schnell muss man im Krankheitsfall den Arbeitgeber informieren? "Unverzüglich", sagt Regine Windirsch, Fachanwältin für Arbeits- und Sozialrecht in Düsseldorf.  Unverzüglich bedeutet: Spätestens zu Arbeitsbeginn am nächsten Arbeitstag.

Wer konkret muss beim Arbeitgeber informiert werden? Entweder der oder die Vorgesetzte direkt oder eine vom Arbeitgeber bestimmte Person, zum Beispiel die Abteilungsleiterin. Auch eine vom Arbeitgeber bestimmte Stelle, etwa die Personalabteilung, ist in manchen Unternehmen die richtige Anlaufstelle.

Regine Windirsch.
Regine Windirsch. © privat

"Eine Meldung an den Betriebsrat oder an die Kollegen ist nicht ausreichend", stellt Daniel Stach, Rechtsassessor und Gewerkschaftssekretär bei der Verdi Bundesverwaltung in Berlin, klar. Kollegen können den Arbeitgeber wohl aber informieren, dass ein Beschäftigter erkrankt ist und nicht zur Arbeit kommt. Gleiches gilt für Familienangehörige.

Krankmeldung per SMS geht

Geht eine Krankmeldung per Telefon, per Mail oder per SMS? "Ja, das geht", sagt Windirsch. Wer die Krankmeldung telefonisch durchgibt, lässt im Idealfall den Partner oder eine andere nahe stehende Person zuhören. So kann der oder die Kranke im Zweifelsfall beweisen, dass der Anruf beim Arbeitgeber auch tatsächlich erfolgt ist. "Diejenigen, die eine Mail schicken, rufen am besten noch einmal an, um sicher zu sein, dass die Mail auch angekommen ist", sagt Windirsch.

Gleiches gilt für eine Krankmeldung via SMS. "Vorsicht ist geboten bei einer Krankmeldung etwa über Whatsapp oder Telegram", sagt Stach. Denn auch hier gilt: die Arbeitnehmer tragen das Risiko einer fehlerhaften Datenübermittlung selbst.


Muss ich meinem Arbeitgeber sagen, welche Krankheit ich habe? Nein. "Es gilt der Grundsatz, dass Art und Ursache der Krankheit Privatsache sind", sagt Stach. Es gilt jedoch: "In Ausnahmen kann eine Pflicht zur Mitteilung bestehen", sagt Windirsch.

Das ist bei ansteckenden Erkrankungen wie etwa Masern, Mumps, Hepatitis B oder Influenza der Fall, bei denen der Arbeitgeber Maßnahmen zum Schutz der Belegschaft treffen muss. "Bei der Frage, ob der Arbeitgeber über die Krankheit informiert werden muss oder nicht, können Arbeitnehmer ihren Hausarzt oder das zuständige Gesundheitsamt zurate ziehen", sagt Stach.

Was gilt in Sachen Corona? Gegenüber dem Arbeitgeber besteht immer dann eine Anzeigepflicht, wenn ein Infektionsrisiko für Kollegen bestehen könnte. Das ist auch bei Covid-19 der Fall.

"War der betroffene Beschäftigte während der Erkrankung zum Beispiel im Homeoffice und hatte daher keinen Kontakt mit weiteren Beschäftigten, muss die Art der Erkrankung auch nicht gegenüber dem Arbeitgeber angezeigt werden", so Gewerkschafter Stach.

Während der Arbeitszeit zum Arzt?

Ab wann muss ich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen? "Eine ärztliche Krankschreibung muss spätestens am vierten Tag der Arbeitsunfähigkeit beim Arbeitgeber vorliegen", sagt Windirsch. Wochenenden und Feiertage zählen dabei mit zur Frist. Es reicht, die Bescheinigung einzuscannen und zu mailen. "Der Arbeitgeber hat allerdings ein Recht auf das Original", sagt Windirsch. Das kann ihm dann zu einem späteren Zeitpunkt übermittelt werden.

Der Arbeitgeber kann die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung allerdings auch schon früher verlangen, und zwar schon ab dem ersten Tag der Krankmeldung. Besonderheiten können laut Gewerkschafter Stach in einem Tarifvertrag, in einer Betriebs- oder Dienstvereinbarung oder arbeitsvertraglich geregelt sein.

Darf man eigentlich während der Arbeitszeit zum Arzt? "Ja, das darf man", sagt Windirsch. Das gilt vor allem dann, wenn man während der Arbeitszeit erkrankt. Die plötzlich eingetretene Arbeitsunfähigkeit und der Arztbesuch sind dem Arbeitgeber aber unbedingt vorher mitzuteilen. "Sonst drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen", sagt Stach. Eine Erlaubnis des Arbeitgebers ist in diesem Fall jedoch nicht extra erforderlich.

Darf ich wieder zur Arbeit, obwohl ich eigentlich noch krankgeschrieben bin? Im Prinzip ja. Denn mit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung prognostiziert der Arzt die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit. "Ein Tätigkeits- oder Beschäftigungsverbot ist damit aber nicht verbunden", stellt Stach klar.

Auch der Versicherungsschutz wird hierdurch nicht berührt. Der Arbeitgeber sollte jedoch vorab informiert werden. Bei Erkältungen oder anderen ansteckenden Krankheiten gilt, dass die Beschäftigten erst dann an ihren Arbeitsplatz zurückkehren sollen, wenn keine Ansteckungsgefahr mehr besteht.

Und was gilt hier mit Blick auf Corona? Die zuständige Behörde kann ein berufliches Tätigkeitsverbot nach dem Infektionsschutzgesetz aussprechen. "Dann ist es Beschäftigten verboten, auch bei guter körperlicher Verfassung vorzeitig an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren", so Windirsch.

Aber: "Sollte die Behörde lediglich Quarantäne zu Hause anordnen, können Beschäftigte unter Umständen im Homeoffice arbeiten, sobald sie sich wieder arbeitsfähig fühlen", sagt Stach.