Mehr Ansteckungen mit Corona in Deutschland

Die Lage in Kliniken und auf Intensivstationen ist mit Blick auf Corona entspannt. Gleichzeitig steigen die Infektionszahlen.
| dpa
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"Corona" steht im Corona-Testcenter am Stuttgarter Flughafen auf einer Dose mit durchgeführten Tests.
"Corona" steht im Corona-Testcenter am Stuttgarter Flughafen auf einer Dose mit durchgeführten Tests. © Sebastian Gollnow/dpa
Berlin

Die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat einen Höchststand seit knapp fünf Monaten erreicht. So meldete das Robert Koch-Institut am Samstagmorgen 2297 neue Fälle, die der Behörde binnen 24 Stunden übermittelt wurden.

Am Sonntag war der Wert dann mit 1345 neuen Ansteckungen erwartungsgemäß niedriger, auch weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten melden. Das RKI spricht in seinem Lagebericht von Samstagabend von einem "weiteren Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung".

Zudem schreibt das RKI: "Die Zahl der Todesfälle unter den übermittelten Covid-19 Fällen ist derzeit niedrig." Das liege hauptsächlich daran, dass zuletzt bei relativ vielen jungen Menschen eine Infektion nachgewiesen wurde. "Aktuell kann unser Gesundheitssystem gut mit der Situation umgehen, aber die Dynamik in ganz Europa besorgt", schrieb Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Samstag bei Twitter.

Allerdings nimmt der Anteil der Infizierten in der älteren Bevölkerung laut RKI aktuell leicht zu. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, müsse damit gerechnet werden, dass wieder mehr Menschen ins Krankenhaus kommen und auch sterben. Ältere Menschen gelten als anfälliger für einen schweren Verlauf von Covid-19.

"Wir haben wirklich einen anstrengenden Winter vor uns, wo man nochmal viel nachjustieren muss", sagte Isabella Eckerle, Leiterin des Zentrums für neu auftretende Viruserkrankungen an der Universität Genf, dem "Tagesspiegel". Die Muster im benachbarten Ausland würden sich mit Verzögerung auch in Deutschland zeigen. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in den Krankenhäusern die Zahlen ansteigen."

Die Lage auf den Intensivstationen ist nach wie vor ziemlich entspannt, wie aus dem sogenannten DIVI-Intensivregister hervorgeht, das die Kapazitäten in fast 1300 Krankenhäusern erfasst. So werden rund 250 Covid-Patienten intensivmedizinisch behandelt, gleichzeitig sind knapp 9000 Betten frei. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" halten Krankenhäuser auf ihren Intensivstationen weit weniger Betten für Corona-Patienten frei, als noch vor einigen Wochen und Monaten. Mehrere Bundesländer haben demnach die Quoten der reservierten Betten gesenkt.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hält das auch für richtig: "Trotz leicht angestiegener Infektionszahlen gab es keine erhebliche Belastung der Intensivstationen", sagte Reinhardt der Zeitung. Eine Mindestquote sei zwar nötig. Die Kliniken hätten aber genügend Zeit und Erfahrung, um ihre Kapazitäten hochzufahren, wenn es wieder mehr Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf geben sollte, so Reinhardt.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Lagebericht von Sonntag bei 1,22 (Vortag: 1,27). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 1,17 (Vortag: 1,24). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

© dpa-infocom, dpa:200920-99-633470/5

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