"Zum Alten Markt": Gastro-Institution schließt nach 35 Jahren

Das Restaurant "Zum Alten Markt" ist bei prominenten und nicht-prominenten Gästen beliebt. Nach 35 Jahren sperren die Wirte jetzt zu.
von  Annette Baronikians
Sagen Servus: die beliebten Wirtsleut' Josef und Katrin Lehner
Sagen Servus: die beliebten Wirtsleut' Josef und Katrin Lehner © ho

München - Katrin und Josef Lehner sitzen in ihrem schmucken Restaurant und sind sichtlich gerührt. Vor ihnen auf dem Tisch liegt ein Stapel an Karten, Briefen und kleinen Geschenken – alle von dankbaren sowie traurigen Stammgästen, die es noch gar nicht recht glauben können, dass ihr "zweites Wohnzimmer" jetzt tatsächlich der Vergangenheit angehören soll.

Die Rede ist vom Restaurant "Zum Alten Markt" am Dreifaltigkeitsplatz beim Viktualienmarkt. Ein Genießer-Treffpunkt, der nicht nur in München, sondern überall seinesgleichen sucht. Wo sonst gibt es schon eine stilvolle Einkehr mit dem Original-Ambiente einer 400 Jahre alten Südtiroler Ratsherrenstube: holzvertäfelt, mit prächtiger Kassettendecke, kleinen Fenstern und liebevoll ausgewählten Deko-Objekten.

"Es tut weh, ganz klar", sagt Wirt Josef Lehner und drückt seine Frau Katrin an sich: "Aber alles hat nunmal seine Zeit, und jetzt ist es eben die, Abschied zu nehmen."

Die Anfänge: Josef und Katrin Lehner im Jahr 1992.
Die Anfänge: Josef und Katrin Lehner im Jahr 1992. © privat

Sepp Lehner: "In ein, zwei Jahren wollten wir eh aufhören"

Nach 35 Jahren sagt das beliebte Wirte-Ehepaar Servus und sperrt sein renommiertes Wirtshaus zu. Nicht nur wie quasi alle gastronomischen Betriebe im Zuge des zweiten Corona-Lockdowns, sondern für immer. Die Pandemie und ihre Folgen tun das Ihrige natürlich dazu, doch Josef "Sepp" Lehner betont: "In ein, zwei Jahren wollten wir eh aufhören, jetzt haben wir diese Entscheidung vorgezogen."

Die Gastronomie sei derzeit in einer Art "Schock-Starre", so der 65-jährige Wirt und Spitzenkoch, der nun früher als ursprünglich geplant in den Ruhestand geht: "Wenn auch mit viel Wehmut, so freuen wir uns auch auf eine erlebnisreiche Zukunft."

Gemeinsam machten sie das Lokal zum Schmuckstück

Eine erlebnisreiche Vergangenheit hat Sepp Lehner, ein Wirt der eher leisen Töne, auf jeden Fall. Nach seiner Koch-Ausbildung arbeitete er erst auf Kreuzfahrtschiffen, dann kochte er auf der Privatjacht eines Kuwaiter Geschäftsmannes. In New York wollte er ein Lokal eröffnen - als der entscheidende Anruf aus München kam.

Eine kulinarische Institution seit 35 Jahren: das Restaurant Zum Alten Markt am Dreifaltigkeitsplatz beim Viktualienmarkt.
Eine kulinarische Institution seit 35 Jahren: das Restaurant Zum Alten Markt am Dreifaltigkeitsplatz beim Viktualienmarkt. © ho

"Ein Freund fragte mich, ob ich mit ihm am Viktualienmarkt ein Lokal aufmachen will", erzählt Lehner. 1985 übernahmen die zwei Freunde die Kneipe "Blaue Nacht" und machten daraus das Lokal "Zum Alten Markt". Seit 1990 führte Sepp Lehner dieses allein, bis zwei Jahre später seine Ehefrau Katrin (52), gelernte Werbegestalterin und Hotelkauffrau, mit einstieg.

Gemeinsam machten sie das Lokal zu dem Schmuckstück, das es heute ist - ein sympathisches Gesamtpaket aus bester Küche, schönem Ambiente und umsorgendem Service für die Gäste. Zu diesen zählen Prominente wie Wirtschaftsbosse, Politiker, Sportler und Künstler, doch über Namen spricht man im Alten Wirt nicht, und gerade deshalb fühlen sich auch internationale Berühmtheiten von Bhutans "Drachenkönigin" Jetsun Pema bis Amazon-Gründer Jeff Bezos bei den Lehners so wohl. Im Gegensatz zu den sogenannten Promi-Wirten ist großes Tamtam ihre Sache nicht.

Einmaliges Ambiente in der 400 Jahre alten Südtiroler Ratsherrenstube.
Einmaliges Ambiente in der 400 Jahre alten Südtiroler Ratsherrenstube. © ho

Am 31. Dezember ist endgültig Schluss

Offen bleibt derzeit noch die Frage, wie es mit dem Restaurant weitergehen wird. Wenn möglich, will das Wirte-Ehepaar  im Dezember für einen Monat nochmal öffnen. Am 31. Dezember ist dann endgültig Schluss.

Die Zukunft ist ungewiss. Die Lehners und ihre unzähligen Stammgäste hoffen, dass der Alte Markt in seiner optischen Einzigartigkeit als Restaurant auch künftig so bestehen bleibt.