Wirtschaftsminister Zeil: „Wir brauchen die Atomkraftwerke!“

Wirtschaftsminister Martin Zeil sorgt sich um die Energieversorgung, wenn die Atomkraftwerke 2020 abgeschaltet werden. Der FDP-Politiker fordert längere Laufzeiten.
von  Abendzeitung
Illustration
Illustration © dpa

MÜNCHEN - Wirtschaftsminister Martin Zeil sorgt sich um die Energieversorgung, wenn die Atomkraftwerke 2020 abgeschaltet werden. Der FDP-Politiker fordert längere Laufzeiten.

Bis 2020 müssen alle Kernkraftwerke vom Netz sein: Das sagt das geltende Atomgesetz. Aber Martin Zeil, bayerischer Wirtschaftsminister, sieht damit die Energieversorgung in Gefahr. „Die Laufzeit der sicheren bayerischen Kernkraftwerke muss verlängert werden“, forderte er gestern bei einem Besuch des Isarlaufkraftwerks in Oberföhring.

Die erneuerbaren Energien könnten bis 2020 unmöglich die Leistung der Kernkraftwerke ausgleichen, so Zeil. Sie erzeugen derzeit 58 Prozent des bayerischen Stroms.

Die SPD-Landtagsfraktion konterte prompt: Mit einer Laufzeitverlängerung würde Zeil sehenden Auges die erneuerbaren Energien blockieren – denn die Kernenergie binde enorm viele Forschungsmittel. „Atomkraft ist eine uneffiziente und hochriskante Technologie und legt die eingeschlagenen Energiepfade für lange Zeit fest“, so die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christa Naaß.

Momentan sind Stromerzeugung und Stromverbrauch in Bayern relativ ausgeglichen. Doch der Bau neuer Kraftwerke, auch mit erneuerbaren Energien, würde ständig am lokalen Widerstand scheitern, so Zeil. „Letzten Monat wurde in Schwandorf der Neubau eines Gas- und Dampfkraftwerks trotz der Unterstützung des Stadtrats per Bürgerentscheid verhindert“, so der Wirtschaftsminister. Ein Warnzeichen. „Wir müssen die gesellschaftliche Akzeptanz von Kraftwerken verbessern“, fordert er.

Als vielversprechendste erneuerbare Energiequelle sieht er die Biomasse – sie biete die größten Wachstumsmöglichkeiten. „Wir müssen jetzt handeln“, sagte der Wirtschaftsminister. „Eine sichere Energieversorgung ist Voraussetzung für Wohlstand und Wirtschaftswachstum.“