Vergammelt und verrostet: ÖDP will Olympia-Kunstwerke sanieren

Die Wasserwolke ist abgebaut, das Carillon fehlt, die Weltkugel fällt in sich zusammen. Die ÖDP will zum Jubiläum der Olympischen Spiele von 1972 viele Kunstwerke sanieren.
von  Irene Kleber
ÖDP-Stadträtin Sonja Haider und ihr Parteikollege aus dem Bezirksausschuss Milbertshofen, Leo Meyer-Giesow, wollen die Wasserwolke im Olympiasee zur 50-Jahr-Feier 2022 wieder in Betrieb nehmen lassen.
ÖDP-Stadträtin Sonja Haider und ihr Parteikollege aus dem Bezirksausschuss Milbertshofen, Leo Meyer-Giesow, wollen die Wasserwolke im Olympiasee zur 50-Jahr-Feier 2022 wieder in Betrieb nehmen lassen. © Daniel von Loeper

München - Ein heiteres Sport- und Kulturspektakel soll sie werden, die 50-Jahr-Feier im Olympiapark 2022, die an die Olympischen Sommerspiele 1972 in München erinnern soll. Zumindest daran glauben mag man im Stadtrat, dass das trotz Corona-Krise möglich sein wird. Die Vollversammlung will kommende Woche dafür eine Summe von rund 4,2 Millionen Euro beschließen.

Olympiapark: Kunst im öffentlichen Raum

Der Rathaus-ÖDP allerdings missbehagt eins bei der Planung: Die Spiele, sagt Stadträtin Sonja Haider, seien ja nicht nur ein Kräftemessen zwischen Sportlern gewesen, sondern auch zwischen Architekten und Künstlern, die im Olympiapark die Kunst im öffentlichen Raum gestaltet haben.

Um deren Werke schaut's nicht gut aus. Farbe blättert ab, Rost setzt an, manches ist marode. "Aus Unkenntnis oder Unverstand ist vieles auch abgebaut, eingelagert oder sogar zerstört worden", sagt Sonja Haider. Die ÖDP will nun per Änderungsantrag erreichen, dass zum Jubiläumsjahr einige Werke restauriert und wieder aufgebaut werden. Auch eine Dokumentation aller Kunstwerke soll es geben. Die AZ zeigt hier ein paar Beispiele.

Wasserwolke im Olympiasee

2009 im Olympiasee demontiert: die beleuchtete Wasserwolke des Objektkünstlers Heinz Mack. Wunderschön liegt er in der Sonne, der 86.000 Quadratmeter große Olympiasee. Nur leider fehlt das Hauptkunstwerk der Olympischen Spiele von 1972: die spektakuläre Licht- und Wasserwolke des Objektkünstlers Heinz Mack (89), die das Wasser 30 Meter in die Breite oder acht Meter in die Höhe pustete - beleuchtet mit Unterwasserscheinwerfern.

Auf dem kleinen Postkartenfoto ist die Wasserwolke im Olympiasee noch zu sehen. Heute fehlt sie leider.
Auf dem kleinen Postkartenfoto ist die Wasserwolke im Olympiasee noch zu sehen. Heute fehlt sie leider. © Huber Verlag

Bis in die 80er Jahre zierte die herrliche Fontäne den See, zur Begeisterung von Anwohnern und Touristen. Allerdings war es kostspielig, immer wieder Rost und Kalk zu entfernen. 2009, beim großen Herbstputz, als der See abgelassen wurde, haben die Stadtwerke die Mechanik dann abmontiert. Die Rathaus-ÖDP findet, die Wasserwolke sollte zurückkommen. Unbedingt.

Prismenspiegel in der Olympiahalle seit 20 Jahren abgebaut

Seit 2000 sind die Prismenspiegel abgebaut.
Seit 2000 sind die Prismenspiegel abgebaut. © Alfred Ziethen Verlag

Zu den Spielen 1972 standen in der Olympiahalle, die damals Sporthalle war, diese riesigen "Prismenspiegel", die ein fantastisches Raumgefühl erzeugten - mit Blicken nach draußen und drinnen. Man hat sie um 2000 abgebaut und eingelagert. Geht es nach der ÖDP, sollten die Spiegel zur 50-Jahr-Feier wieder aufgebaut werden.

Die Media Linien im Olympiadorf

Gelb, grün, rot, blau - ein 1,6 Kilometer langes Röhrensystem führt bis heute kreuz und quer durchs Olympiadorf.

1972 gab es Lichtschienen entlang der Rohre.
1972 gab es Lichtschienen entlang der Rohre. © Atelier Hollein
Die Media Linien stehen noch - aber die Beleuchtung ist weg.
Die Media Linien stehen noch - aber die Beleuchtung ist weg. © Daniel von Loeper

Die "Media Linien" des Architekten und Objektkünstlers Hans Hollein (1934-2014) sind nicht nur als Kunstobjekt angelegt worden, sondern auch als Leitsystem durchs Dorf, damit Bewohner leichter zu ihren Wohnungen finden. Inzwischen blättert an vielen Stellen die Farbe ab, vor allem sind die Leuchtschienen entlang der Rohre abgebaut worden. "Das ist sehr schade", sagt ÖDP-Stadträtin Sonja Haider, "und vor allem ist es nachts an vielen Stellen zappenduster."

Carillon - Ein großes Glockenspiel

In München gibt es nur ein Carillon, ein großes Glockenspiel, auf dem sich Melodien spielen lassen - in der Pfarrei Mariahilf in der Au. Das zweite kam zur Eröffnung der Spiele 1972 an den Coubertinplatz im Olympiapark. Als der Platz 2007 umgebaut wurde, kam das Carillon weg, die Stadtwerke haben es eingelagert. Seither hat es etliche Anläufe gegeben, das große Glockenspiel zurückzuholen an seinen angestammten Platz. Bisher vergeblich.

Am Coubertinplatz, wo jetzt der Biergarten ist, stand mal das Carillon mit vielen Glocken.
Am Coubertinplatz, wo jetzt der Biergarten ist, stand mal das Carillon mit vielen Glocken. © Daniel von Loeper

Denkmalschützer, Olympiapark und Wirtschaftsreferat, die 2014 dazu drei Ortstermine hatten, liegen im Clinch um die Frage, ob die Glocken zu laut sind für die Gäste im Biergarten - und ob man es einfach versetzen sollte. "Ob es jetzt ein paar Meter weiter hier oder da hinkommt", heißt es bei der ÖDP, sei eigentlich egal. Hauptsache, es komme zurück.

Die Olympischen Ringe in München

Fünf riesige Ringe, die ineinanderstehen - so hatte die Künstlerin Ruth Maria Kiener-Flamm (1914-2000) ihre Skulptur in der Conollystraße für die Spiele gebaut - ursprünglich aus Acrylglas.Die Ringe drehten sich motorbetrieben in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, so entstanden immer wieder neue Ansichten. Die Motoren wurden Ende der 1970er Jahre abgestellt, und weil das Plexiglas oft zerstört wurde, sind die Ringe in Alu nachgebaut worden. Nur, da dreht sich nichts mehr. Der Motor sollte wieder laufen, findet die Stadtrats-ÖDP.

Die Kletter-Weltkugel aus Metall

Zum "forum 1" des Olympiadorfs (Treffpunkt und Theaterbühne für die Dorfbewohner) gehören auch drei "Weltkugeln" aus Metall - wie die an der Fußgängerbrücke hinter dem Hochhaus an der Conollystraße 18, in der man herumklettern konnte.

Klettergaudi in den 1970ern auf der Weltkugel.
Klettergaudi in den 1970ern auf der Weltkugel. © privat
Hinter dem Hochhaus an der Conollystraße 18. Heute ist das Metallkunstwerk verrostet, die Bretter sind einsturzgefährdet.
Hinter dem Hochhaus an der Conollystraße 18. Heute ist das Metallkunstwerk verrostet, die Bretter sind einsturzgefährdet. © Daniel von Loeper

Sie standen als Symbole dafür, dass während der Spiele die Welt zu Gast in München war. In den 1990ern war die Kletterkugel noch intakt. Heute ist das Metall rostig, die Innenbretter sind einsturzgefährdet, das Kunst-werk ist abgeriegelt. Schade.