Überraschung bei Präsidiumswahl bei Jagdverband

Vor einem Jahr schlitterte der einflussreiche Bayerische Jagdverband in die Krise. Gegen den langjährigen Präsidenten ermittelt seitdem die Staatsanwaltschaft. Nun gibt es einen neuen Jagdpräsidenten. Klar ist, die Mitglieder wollen neue Köpfe statt alte Funktionäre.
von  Von Ulf Vogler, dpa
Ernst Weidenbusch.
Ernst Weidenbusch. © Peter Kneffel/dpa/Archivbild

Feldkirchen  - Nach internen Streitigkeiten bei dem Bayerischen Jagdverband (BJV) hat es bei der Neuwahl eine Überraschung gegeben. Der CSU-Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch wurde zum neuen Jagdpräsidenten gewählt. Er löst damit Jürgen Vocke ab, der ein Vierteljahrhundert an der Spitze des einflussreichen Verbandes stand und gegen den derzeit Strafermittlungen laufen.

Der 57-jährige Weidenbusch konnte sich als Vertreter des "Team Zukunft BJV" bei der Briefwahl gegen den langjährigen Jagdverbandsfunktionär Thomas Schreder durchsetzen. Der 54 Jahre alte Schreder war bislang Vizepräsident und hatte zuletzt den Verband auch kommissarisch geführt. Wie der BJV-Wahlleiter am Freitagabend nach zehnstündiger Auszählung in Feldkirchen (Landkreis München) berichtete, erhielt Weidenbusch 405 Stimmen. Schreder kam auf 291 Stimmen.

Briefwahl wegen Pandemie

Wegen der Pandemie musste der BJV in diesem Jahr sowohl den Landesjägertag im März in Lindau als auch eine Ersatzveranstaltung im Oktober in Nürnberg absagen. Dadurch kam es zur Briefwahl.

Weidenbusch sagte, er sei von seinem deutlichen Wahlsieg nicht überrascht. Das Zukunftsteam habe mit vielen Kreisgruppen beim Verband gesprochen. "Das ist die Wahl eines Teams", betonte er. Auch die meisten anderen Kandidaten aus der Gruppe hätten ihre Präsidiumsposten erhalten, für die sie sich beworben haben.

Tatsächlich wollte das "Team Zukunft" zunächst gar nicht mit dem Rechtsanwalt aus dem Landkreis München an der Spitze ins Rennen gehen. Zunächst hatte der Freie-Wähler-Politiker Roland Weigert als Präsident kandidiert.

Doch Weigert musste als Staatssekretär im bayerischen Wirtschaftsministerium seine Bewerbung auf Druck von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zurückziehen. Söder hatte klar gemacht, dass seine Kabinettsmitglieder angesichts der Herausforderungen der Corona-Krise keine solchen Spitzenämter in Verbänden bekleiden dürften.

"Team Zukunft" nominiert Weidenbusch

Daraufhin nominierte das "Team Zukunft" Weidenbusch. Weigert trat eine Reihe zurück und kandidierte als Vizepräsident, was er auch als Regierungsmitglied darf. Bei der Briefwahl wurde Weigert nun auch zu einem der insgesamt drei Vizechefs gewählt. Zudem wurden die Landesschatzmeisterin, zwei Beisitzer und der Justiziar gewählt.

Der BJV vertritt im Freistaat 158 Kreisgruppen und Jägervereine mit etwa 50 000 Mitgliedern. Vor etwa einem Jahr war es zu einer heftigen internen Auseinandersetzung gekommen, nachdem es Vorwürfe der finanziellen Unregelmäßigkeiten gegen den bisherigen Präsidenten Vocke gab. Ein Verbandsmitglied hatte mit einer Anzeige Ermittlungen gegen den ehemaligen Finanzrichter ins Rollen gebracht. Daraufhin ließ die Staatsanwaltschaft die Landesgeschäftsstelle durchsuchen und Vocke ließ sein Amt ruhen.

Nach Angaben der Ermittler geht es bei dem Strafverfahren um private Auslagen, den Dienstwagen und die Beschäftigung von Vockes Tochter bei einem mit dem BJV verbundenen Unternehmen. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I berichtete, ist das Verfahren bislang nicht abgeschlossen. Der 77-jährige Vocke saß für die CSU auch zehn Jahre im Maximilianeum.

Wegen der Ermittlungen hatten sich die BJV-Mitglieder für eine Neuwahl aller Präsidiumsvertreter ausgesprochen, um einen Neustart zu ermöglichen. Das "Team Zukunft" hatte sich gebildet, um einen aussichtsreichen Gegenkandidaten zum langjährigen Funktionär Schreder aufzustellen. Nun gehe es darum, den Verband zu einen, sagte der neue Präsident Weidenbusch nach seiner Wahl.