Albers-Villa am Starnberger See als Studenten-Bude?

Ein Begegnungsort für alle soll das Anwesen am Starnberger See nach dem Wunsch eines Münchner Vereins werden. Doch nun hat auch die TU Interesse angemeldet.
von  Ruth Schormann
Hier in Garatshausen hat der beliebte Schauspieler Hans Albers († 1960) viele Jahre seines Lebens verbracht. Was passiert nun mit der Villa?
Hier in Garatshausen hat der beliebte Schauspieler Hans Albers († 1960) viele Jahre seines Lebens verbracht. Was passiert nun mit der Villa? © imago images/Fotostand

Garatshausen - Erst im Mai hat der Landtag eine Resolution gegen Antisemitismus verabschiedet. Darin heißt es, man wolle Bildungsarbeit voranbringen und Einrichtungen der außerschulischen Bildung sollen gefördert werden. 

Münchner TU hat Interesse an Albers-Villa

Gelegenheit dazu, sogar eine ideale, böte sich am Starnberger See mit der im Besitz des Freistaats befindlichen Hans-Albers-Villa, finden die Mitglieder des Münchner Vereins "Respect & Remember Europe".

Die Liebesgeschichte des beliebten Volksschauspielers und Sängers ("Der blonde Engel") mit der aus einer Wiener Künstlerfamilie stammenden Jüdin Hansi Burg wurde zwar durch den Nationalsozialismus erschüttert, aber nicht gebrochen. Eine lebensbejahende Geschichte, die es in Ehren zu halten gilt, meint der Verein.

Seit Jahren kämpft "Respect & Remember Europe" dafür, dass das ehemalige Wohnhaus des Paares ein positiv besetzter Begegnungs-, Erinnerungs- und Aufklärungsort wird (AZ berichtete). "Ein Ort, der Menschen das Herz öffnet und Zivilcourage gegen Alltagsantisemitismus fördert", wie Vereinsvorsitzende Gabriella Meros der AZ sagt. Für Schüler, Künstler und die Feldafinger.

Ihr Verein hat der Staatsregierung ein Nutzungskonzept vorgelegt - und bekommt jetzt starke Konkurrenz. Denn nun könnte alles ganz anders kommen, und zwar schnell, nachdem sich jahrelang von Seiten der Staatsregierung nichts getan hat: Die Münchner TU hat Interesse angemeldet.

In der Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Gabriele Triebel teilt das bayerische Bauministerium mit, die TU habe im Rahmen "der ressortübergreifenden Staatsbedarfsprüfung Bedarf an dem Anwesen angemeldet und ein Nutzungskonzept vorgelegt."

TU will "einen generationsübergreifenden Tauschplatz der Kulturen" schaffen 

Die TU bestätigt der AZ auf Nachfrage: "Ja, wir interessieren uns für die Nutzung der Liegenschaft in Feldafing. Dort wollen wir das gesellschaftspolitische Gespür und die interkulturelle Sensibilität unserer Studierenden fördern - fernab ihres Studienalltags am Campus. Einen entsprechenden Antrag haben wir eingereicht, der nun bewertet wird. Im Falle der Unterstützung durch den Freistaat schaffen wir dort einen generationsübergreifenden Tauschplatz der Kulturen. Wir fördern Toleranz, Verantwortung und Zivilcourage als Grundlage unserer Gesellschaft."

Fragen, inwieweit die "Junge Akademie" der TU die Villa umbauen oder gar entkernen möchte oder ob sie plant, den Antisemitismus-Verein einzubeziehen, lässt sie unbeantwortet.

Bauministerium entscheidet über die Nutzung

Meros fürchtet, die einmalige Chance, das Haus für die breite interessierte Öffentlichkeit zugänglich zu machen, werde damit nun vertan. Zu bedenken gibt sie auch: Hansi Burg, die das Anwesen 1971 dem Freistaat verkauft hatte, wollte, dass die Villa - und das war eine Bedingung für den Verkauf des mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden Gebäudeensembles mit Steg am See, großem Garten, Bade- und Bootshaus - "öffentlichen Erholungszwecken" dienen soll.

Das Bauministerium teilte der AZ mit, dass die beiden Konzepte in Kürze dem Landtag zugesandt werden. Ihm obliege die endgültige Entscheidung über die künftige Nutzung der Liegenschaft.