Trendviertel in München: „Schwabing ist stabiler“

Zur Diskussion über die Münchner In-Viertel: Was der Vorteil des großen alten Vergnügungsviertels gegenüber dem Glockenbach ist – und warum Hypes meist nur vorübergehender Natur sind
von  Abendzeitung
Kennt sich im Glockenbach und in Schwabing bestens aus: Till Hofmann
Kennt sich im Glockenbach und in Schwabing bestens aus: Till Hofmann © Petra Schramek

Zur Diskussion über die Münchner In-Viertel: Was der Vorteil des großen alten Vergnügungsviertels gegenüber dem Glockenbach ist – und warum Hypes meist nur vorübergehender Natur sind

Seit Tagen läuft die große Münchner Stadtvierteldebatte: Ist der Glockenbach so in, dass er ein Kneipenverbot braucht und eigentlich sowieso schon völlig out ist? Spielt die Musik neuerdings wieder im jahrelang verachteten Alt-Schwabing?

Einer, der beide Viertel bestens kennt, ist Veranstalter Till Hofmann: Privat lebt er im Glockenbach („ganz ruhig im Hinterhaus“), beruflich steht er im Zentrum des neuen Schwabings: Mit Lustspielhaus, Vereinsheim, der Lach- und Schieß und dem Café Ringelnatz ist er einer der erfolgreichsten neuen Altschwabing-Macher. Hofmanns neuster Szene-Coup: Im Vereinsheim startet er seine „Bildungsoffensive“ mit der „Freien Uni Schwabing“. Man solle die Szene-Frage jedenfalls „nicht so hysterisch sehen“, so Hofmann, und nicht die Vergangenheit verklären. Schon in den 50er Jahren sei geklagt worden, dass das Schwabing der 20er Jahre viel aufregender gewesen sei.

Doch grundsätzlich sei Schwabing als Szene-Viertel „einfach viel stabiler“ als andere Stadtteile, so Hofmann. Institutionen wie das TamS oder die Schwabinger Sieben können sich über Jahrzehnte entwickeln. Und auch das Rationaltheater hat zwar mit dem neuen Betreiber Dietmar Höss ein ganz neues Kulturprofil, steht aber auf einer Tradition, die bis in die 70er Jahre zurückreicht. Hoffmann: „Das sind Konstanten, die gehen mal besser und mal schlechter, aber sie sind immer da.“

Hofmann gibt auch einen Seitenhieb auf die Kultur- und Party-Veranstalter von den Urbanauten, die anlässlich der Neueröffnung ihrer „Repüblik“ an der Ursulastraße den Schwabing-Hype ausgelöst hatten: Hofmann: „Nachhaltig wäre, nicht nur ein paar Monate Radau zu machen und dann ins Westend weiterzuziehen, sondern den Raum zu besetzen, dazubleiben und mal wirklich was Verrücktes zu machen.“

Zehra Spindler, Veranstalterin und Netzwerkerin der Münchner Szene, beobachtet die Entwicklung: „Für mich stand Schwabing nur noch für Kampfsaufen und Tourismus, bis ich für einige Zeit an der Occamstraße arbeitete – ich war überrascht, wie schnell ich mich dort wohlfühlte und wie gut die Ausgehkultur ist.“ Sie selbst werde aber voraussichtlich bald in Giesing ein größeres leerstehendes Gebäude bespielen: „Für mich gibt es keinen Stadtviertel-Hype. Wenn schon, dann gibt es einen temporären Zwischennutzungshype – und zwar in der ganzen Stadt.“

Doch unabhängig davon scheint Schwabing etwas Besonderes zu sein. Till Hofmann: „Die Stärke von Schwabing ist die Unaufgeregtheit, die Gelassenheit – wir müssen ja schließlich den Anblick des neuen Constantin-Gebäudes ertragen.“ Michael Grill

Zum Thema „Ruhe im Viertel? - Wohin mit Münchens Partyszene?“ diskutiert das Stadtblog „Mucbook“ am Donnerstag von 19 bis 20 Uhr live aus „Münchens kleinstem Art-District“ an der Brienner Straße 48 unter anderem mit dem BA-Vorsitzenden Alexander Miklosy und „Harry Klein“-Chef David Süß. Im Internet unter www.peoplezapping.com