Todespfleger von Ottobrunn: Ermittler veröffentlichen Liste des Grauens

Die Ermittlungen rund um den Todespfleger von Ottobrunn schreiten voran. Die Polizei hat nun eine Liste der mutmaßlichen Mordfälle veröffentlicht, die dem 39-Jährigen, der hinter Gittern sitzt, angelastet werden. 
von  Vanessa Fonth
Josef Wimmer, Leiter der Münchner Mordkommission, spricht auf einer Pressekonferenz über die Fälle des Todespflegers.
Josef Wimmer, Leiter der Münchner Mordkommission, spricht auf einer Pressekonferenz über die Fälle des Todespflegers. © Andreas Gebert/dpa

Die Ermittlungen rund um den Todespfleger von Ottobrunn schreiten voran. Die Polizei hat nun eine Liste der mutmaßlichen Mordfälle veröffentlicht, die dem 39-Jährigen, der hinter Gittern sitzt, angelastet werden.

Ottobrunn - Die Polizei München hat am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz neue Details zum Fall des Todespflegers von Ottobrunn mitgeteilt. Mit seinem Fall beschäftigt sich eine eigens dafür gegründete Ermittlungsgruppe namens "EG Pen" . Der 39-jährige Pfleger war seit März 2015 als ungelernte Hilfskraft bei einer 24-Stunden-Betreuung beschäftigt, ihm werden mehrere Morde und Diebstähle angelastet. 

Seine Krankheit wurde anderen zum Verhängnis

Er wurde in 68 Fällen als Pfleger eingesetzt. Seine Masche: Er nutzte mehrere Gelegenheiten, um ungestört die Häuser und Wohnungen der wehrlosen Pflegepatienten zu durchsuchen. Wenn er nichts Stehlenswertes fand, so die Ermittler, brach er den Job ab und ließ sich an einen anderen Ort versetzen. Das passierte an 17 der 68 Arbeitsstellen. Meistens ließ er Bargeld und Schmuck mitgehen, aber auch Haushaltswaren und Lebensmittel waren vor ihm nicht sicher.

Im Januar 2017 wurde dem Pfleger von einem Arzt wegen seiner Diabetes-Erkrankung Insulin - in Form von Pens - verschrieben. Damit begann die Reihe von Todesfällen um den Pfleger.

Josef Wimmer, Leiter der Münchner Mordkommission, spricht auf einer Pressekonferenz über die Fälle des Todespflegers.
Josef Wimmer, Leiter der Münchner Mordkommission, spricht auf einer Pressekonferenz über die Fälle des Todespflegers. © Andreas Gebert/dpa

Liste des Grauens: Hier soll der Todespfleger gemordet haben

Die Polizei führt den Tod von zwölf seiner Patienten auf eine Unter- oder Überdosierung von Insulin zurück. Der 39-Jährige hat zwar gestanden, den Patienten Insulin verabreicht zu haben, doch er bestreitet, dass er sie absichtlich getötet hat. Am 7. November 2018 wurde ein erweiterter Haftbefehl gegen den Mann erlassen: Sechs Morde, drei versuchte Morde und drei gefährliche Körperverletzungen werden ihm vorgeworfen. 

Die Polizei hat nun eine Liste der Fälle veröffentlicht, die dem Pfleger angelastet werden. 

  • Mord und Diebstahl zum Nachteil eines 77-Jährigen im Landkreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein am 12.04.2017
  • Versuchter Mord und Diebstahl zum Nachteil eines 91-Jährigen in Mühlheim an der Ruhr am 25.05.2017
  • Versuchter Mord an einem 90-Jährigen im Landkreis Esslingen am 02.06.2017
  • Versuchter Mord an einem 82-Jährigen im Landkreis Weilheim-Schongau am 27.06.2017
  • Mord und Diebstahl zum Nachteil eines 77-Jährigen im Landkreis Erlangen-Höchstadt am 06.07.2017
  • Mord und Diebstahl zum Nachteil einer 88-Jährigen im Landkreis Tuttlingen in der Nacht vom 25. auf den 26.07.2017
  • Mord und Diebstahl zum Nachteil eines 66-Jährigen in Hannover am 30.07.2017
  • Gefährliche Körperverletzung und Diebstahl zum Nachteil eines 81-Jährigen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen am 29.08.2017
  • Gefährliche Körperverletzung und Diebstahl zum Nachteil einer 79-Jährigen in Hamburg in der Nacht vom 15. auf den 16.12.2017
  • Gefährliche Körperverletzung und Diebstahl zum Nachteil eines 82-Jährigen im Landkreis Rems-Murr-Kreis (Baden- Württemberg) am 21.12.2017
  • Mord und Diebstahl zum Nachteil eines 84-Jährigen im Landkreis Kitzingen in der Nacht vom 16. auf den 17.01.2018
  • Mord und Raub mit Todesfolge zum Nachteil eines 87-Jährigen in Ottobrunn am 12.02.2018
Eine Karte der Tatorte (Stand 12. November 2018).
Eine Karte der Tatorte (Stand 12. November 2018).

Pfleger saß schon mal im Gefängnis

Der Pfleger ist kein unbeschriebenes Blatt: Wie die Polizei mitteilt, war er vor seiner Tätigkeit in Deutschland bis 2014 in Polen wegen Vermögensdelikten im Gefängnis. Nach seiner Entlassung bewarb er sich bei mehreren polnischen und slowakischen Vermittlungsdiensten und wurde über einen von diesen nach Deutschland vermittelt.

Der Pfleger hatte schon eine neue Arbeitsstelle in Aussicht, als die Ermittler ihn festnahmen. Die Polizei geht davon aus, dass er seine Serie fortgesetzt hätte, wenn er weiter auf freiem Fuß geblieben wäre. Die Öffentlichkeitsfahndung werten die Ermittler als vollen Erfolg: Ohne sie wären nämlich vier der insgesamt sechs Morde unentdeckt geblieben.