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Streit im Lager der Corona-Skeptiker - ruhiger Mittwochabend in München

Ein Aufruf bei Telegram, sich nicht an Protesten zu beteiligen, wurde nach kurzer Zeit gelöscht. Das sorgte für Unmut. Die Polizei war wieder mit einem Großaufgebot vor Ort, Spaziergänger gab es nur vereinzelt.
von  Ralph Hub
Die Polizei hat Sperren vor dem Odeonsplatz errichtet, um zu verhindern, dass "Spaziergänger" und Gegendemonstranten aufeinandertreffen.
Die Polizei hat Sperren vor dem Odeonsplatz errichtet, um zu verhindern, dass "Spaziergänger" und Gegendemonstranten aufeinandertreffen. © rah

München - Die Omikron-Variante verbreitet sich rasend schnell. Die Zahl der binnen eines Tages übermittelten Neuinfektionen überschritt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) am Mittwoch erstmals die Schwelle von 80.000.

In Bayern wurden 12.561 neue Fälle gemeldet (Stand 3.30 Uhr). Die höchsten Inzidenzen gab es laut RKI im Landkreis Ebersberg (635,7), in der Stadt München (596,8) und im Landkreis Starnberg (565,1).

"Spazierengehen" oder nicht? Diskussionen auf Telegram

Trotzdem hatte das Bündnis "München steht auf" für Mittwochabend erneut zu Protesten aufgerufen. Die Maßnahmenkritiker fordern ein sofortiges Ende der Kontaktbeschränkungen und sonstigen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

Unterdessen scheint sich ein Riss aufzutun zwischen "Querdenkern", Impfkritikern und Gegnern der Corona-Maßnahmen. Ein Sprecher rief am Mittwoch auf Telegram dazu auf, zuhause zu bleiben und "Kraft zu tanken". Wenig später wurde dies kommentarlos gelöscht. Es entbrannte eine hitzige Diskussion, wie die Proteste weitergehen sollen, wann man sich wo zu "Spaziergängen" treffen werde.

Polizisten beobachten die Lage am Marienplatz. Viel zu tun haben sie zunächst nicht.
Polizisten beobachten die Lage am Marienplatz. Viel zu tun haben sie zunächst nicht. © rah

Demo gegen "Querdenker" am Odeonsplatz

Das KVR hatte alle angemeldeten Protestveranstaltungen auf die Theresienwiese verlegt. Dort hätten Kundgebungen unter Einhaltung von Abstandsregelungen abgehalten werden können. Von 16 Uhr bis Mitternacht gilt auf dem gesamten Gelände FFP2-Maskenpflicht.

Das Bündnis "München steht auf" hatte für den Abend trotzdem zur Demo am Geschwister-Scholl-Platz aufgerufen. Als Kontrast hatte das Gegen-Bündnis "München solidarisch" am Mittwoch dazu aufgerufen, sich "Querdenkern" entgegenzustellen. Am Odeonsplatz war eine Versammlung mit rund 500 Teilnehmern angemeldet, als Zeichen der Solidarität mit Ärzten und Pflegepersonal in den Kliniken. Am höchsten Punkt der Kundgebung zählte die Polizei dort 150 Teilnehmer, die sich weitgehend an die Corona-Regeln hielten. Vorsorglich sperrten Polizisten die Ludwigstraße vor dem Odeonsplatz ab, um zu verhindern, dass Maßnahmen-Gegner dort aufschlagen

Protest mit Maske und Abstand. Die Gegendemo am Odeonsplatz am Mittwoch.
Protest mit Maske und Abstand. Die Gegendemo am Odeonsplatz am Mittwoch. © rah

Polizei zeigt massive Präsenz - Großer Demozug bleibt aus

Das Polizeipräsidium war wie in den vergangenen Wochen auch wieder mit rund 1.000 Beamten im Einsatz. Polizisten besetzten mit Streifenwagen alle neuralgischen Plätze in der Innenstadt. Zudem galt die Allgemeinverfügung der Stadt, die Corona-Proteste oder Corona-Spaziergänge untersagt. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 3.000 Euro. Polizeisprecher Andreas Franken betonte: "Wir werden die Leute frühzeitig ansprechen, deeskalierend auf Personen einwirken und warnen. Wer nicht hören will, muss aber mit einer Anzeige rechnen."

Viel zu deeskalieren gab es jedoch nicht. Am frühen Abend liefen nur einige wenige Grüppchen durch die Stadt. Zu einem großen Zusammenschluss kam es nicht. In der Fußgängerzone setzte die Polizei rund 50 "Spaziergänger" fest. In der Corneliusstraße in der Isarvorstadt stellten sich Beamte einer Gruppe von 20 Leuten entgegen. Andernorts, wie beispielsweise in der Ludwigstraße, wurden vereinzelt Personenkontrollen durchgeführt.

Bilanz der Münchner Polizei: Mehrere Anzeigen gegen Corona-"Spaziergänger"

Dass es, im Vergleich zu den vergangenen Protesten gegen die Corona-Maßnahmen, weitestgehend ruhig blieb, zeigt auch die Bilanz der Münchner Polizei. Laut einer Mitteilung zum Mittwochabend kam es zu "fünf Anzeigen nach dem Infektionsschutzgesetz, zu ca. 110 Ordnungswidrigkeiten gegen die Allgemeinverfügung und zu ca. zwölf Strafanzeigen."

Bei einem tätlichen Angriff ist ein Polizeibeamter leicht verletzt worden. Es kam ebenfalls zu Beleidigungen und Strafanzeigen wegen dem Mitführen von Waffen. Dabei handelte es sich um Messer und Tierabwehrspray.