Starnberger Mordprozess: So wurden die drei Leichen entdeckt

Zwei Bodycams von Polizisten zeichnen die Durchsuchung des Starnberger Tatorts auf. Neuer Hinweis: Ein Projektil aus der Tatwaffe ist aufgetaucht.
von  John Schneider
Der Hauptangeklagte wird zum Platz geführt.
Der Hauptangeklagte wird zum Platz geführt. © Sven Hoppe/dpa

München - Auch hartgesottenen Gerichtsreportern sträuben sich bei dem Anblick die Haare. Beim gestrigen Verhandlungstag im Prozess um den Dreifach-Mord von Starnberg (AZ berichtete) werden im Stadelheimer Gerichtssaal die Bilder zweier Bodycams der Polizei gezeigt. Aufgezeichnet am 12. Januar 2020 in dem Starnberger Haus der Opfer.

Die Videos zeigen wie die Polizisten im ersten Stock des Hauses die Leichen von Vater, Mutter und Sohn finden.

Wollten die Angeklagten die Waffensammlung des Sohnes?

Die Familie ist nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft von einem der beiden Angeklagten (21) erschossen worden. Sein ein Jahr jüngerer Komplize soll ihn zum Tatort gebracht haben und ist der Mittäterschaft angeklagt. Das Motiv laut Anklage: Die Angeklagten wollten die Waffensammlung des Sohnes.

Die Bodycams zeigen, wie die Polizisten mit gezogenen Waffen durch das Haus streifen. Eine Bekannte der Mutter hatte eine Leiche gesehen und war sofort aus dem Haus gerannt, ein weiterer Angehöriger alarmierte die Polizei. Die geht nach dem ersten Anschein von einem erweiterten Suizid des Sohnes aus. Da man bei ihm eine Waffe entdeckt. Ein Polizist erklärt noch bei der Auffindung der Leichen: "Da ist wohl jemand durchgedreht."

Doch später rücken die Ermittler von dieser Tatversion ab. Unter anderem wegen zweier Videos, die die Ermittler auf dem Handy des 21-Jährigen gefunden haben. Sie zeigen den leblosen Sohn sowie die ermordeten Eltern am Tatort.

Prozess bringt weitere Hinweise

Also alles klar? Nicht ganz. Die Vorsitzende Richterin Regina Holstein spricht von einem "Nebel". Der Prozess bringt tatsächlich immer neue Hinweise. So hatte Verteidiger Alexander Stevens ein Gutachten zu einer Patrone angefordert, die die Ermittler bei der Hausdurchsuchung eines Bekannten des Sohnes gefunden hatten. Das überraschende Ergebnis der Untersuchung: Das Projektil stammt aus der Tatwaffe.

Stevens: "Für die Verteidigung eröffnet sich damit eine ganz neue Tatalternative, denn wie gelangt ein bislang unbeteiligter Kumpel aus dem Dunstkreis des Opfers in den Besitz eines abgeschossenen Projektils aus der Tatwaffe?"

Der mutmaßlicher Komplize beim Starnberger Dreifach-Mord.
Der mutmaßlicher Komplize beim Starnberger Dreifach-Mord. © Sven Hoppe/dpa

Einen weiteren Hinweis lieferte zudem eine unbekannte Anruferin bei Stevens' Kanzlei. Die Frau erklärte, dass sie kurz vor der Tat bei der Mutter zu Besuch war. Diese habe ihr etwas sehr Wichtiges anvertraut und ihre Ermordung befürchtet.

Möglicherweise wird das Gericht die Staatsanwaltschaft am Freitag noch beauftragen, die Identität der mysteriösen Anruferin herauszufinden.