Starkes Stück Stadtgeschichte: 200 Jahre Münchner Friedhöfe - von Äckern und Oasen

Zum 200. Jubiläum schaut eine Ausstellung zurück auf die Geschichte der Münchner Friedhöfe – und ihrer Kultur. Was erst einmal sperrig klingt, ist ein starkes Stück Stadtgeschichte.
von  Myriam Siegert
Das gab es nicht immer: Ein Leichenfuhrwerk im Jahr 1907.
Das gab es nicht immer: Ein Leichenfuhrwerk im Jahr 1907. © RGU

München - Die Münchner Friedhöfe sind längst nicht mehr nur ein Ort der Toten. Viele Münchner besuchen sie auch als Ruhe- und Naturoase, aufgelassene Friedhöfe wie der Alte Nordfriedhof dienen manchen sogar als Ort zum Sport. Doch über die Geschichte der Friedhöfe wissen viele nur wenig.

Das lässt sich nun leicht ändern, denn das städtische Bestattungswesen wird heuer 200 Jahre alt. "Dieses Jubiläum lässt uns zurückblicken auf eine Zeit, die wir uns heute nur noch schwer vorstellen können", sagt Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs, zu deren Ressort auch die Friedhöfe und das Bestattungswesen gehören.

"200 Jahre kommunales Friedhofs- und Bestattungswesen in München", so lautet auch der Titel einer Ausstellung, die ab Freitag (29. März 2019) zu sehen ist. Sie ist nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen im Laufe des Jubiläumsjahres.

Münchner Friedhöfe: Einst Leichenäcker

Was erst einmal ein bisserl sperrig klingt, ist ein interessantes Stück Stadtgeschichte. Für die Betrachter geht es zunächst zurück bis ins 13. Jahrhundert, und von dort wieder in die Gegenwart. Die 200-jährige Geschichte der Friedhöfe Münchens wird betrachtet – und auch die Art, wie man bestattet hat.

Es geht um einstmalige Leichenäcker und Kirchhöfe, den Beginn der Verwendung von Särgen, die Einführung der ersten Leichenwagen, günstige und teure Bestattungsklassen und den langen Weg zur Feuerbestattung. Aber auch um "die außerordentliche Friedhofsarchitektur in München, die zur damaligen Zeit einmalig und europaweit wegweisend war", so Jacobs.

Münchner Friedhöfe: Heute moderne Dienstleister

Und auch um den Wiederaufbau des Bestattungswesens nach den Weltkriegen und das Gedenken an die Gräuel der NS-Zeit. Der Blick ins Jetzt fehlt ebenso wenig: Heute seien die städtischen Friedhöfe moderne Dienstleister, gemeinsam mit der städtischen Bestattung seien sie ein wichtiger Teil der Daseinsvorsorge Münchens, meint Jacobs.

Neben dem historischen Ausstellungsteil gibt es aber auch zeitgenössische Fotografien des Künstlers Werner Bauer zu sehen. Er hat den Alten Südfriedhof in ganz neuen Perspektiven betrachtet und festgehalten. Außerdem hat Bauer einen Film gedreht, der ebenfalls in der Ausstellung gezeigt wird.

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29. März bis 23. Mai 2019, Landesamt für Denkmalpflege, Alte Münze, Hofgraben 4, Eingang über Pfisterstraße. Mo bis Do 11 bis 16 Uhr, Fr 11 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei. Am 6. April ist Tag des Friedhofs. Am Ostfriedhof gibt es einen Blick hinter die Kulissen – Bestatter, Steinmetze, Kunstschmiede, Floristen und Friedhofsgärtner geben Einblick in ihre Arbeit. Außerdem werden Führungen angeboten.