Stahlbogenbrücke am Hirschgarten: Ein neues Monument im Westen

Der erste Meilenstein der neuen Stammstrecke ist fertig: die Stahlbogenbrücke beim Hirschgarten. Im Osten dauert es aber länger.
von  Christina Hertel
Ein erster Schritt für die neue Stammstrecke: Auf dieser neuen Stahlbogenbrücke sollen einmal S-Bahnen Richtung Laim fahren.
Ein erster Schritt für die neue Stammstrecke: Auf dieser neuen Stahlbogenbrücke sollen einmal S-Bahnen Richtung Laim fahren. © Daniel von Loeper

München - Eine Stahlbogenbrücke zusammenzusetzen sei ein Puzzle, sagt Oliver Schmidt. Nur in einer überdimensionierten Form: Das Bauwerk, vor dem der Ingenieur steht, ist immerhin 95 Meter lang, 16 Meter hoch, 1360 Tonnen schwer.

Es bestand aus etwa 80 Einzelteilen, die ein Schwertransport erst anliefern, Bauarbeiter dann zusammenschweißen und schließlich an die richtige Stelle befördern mussten.

"Wichtiger Meilenstein der Zweiten Stammstrecke"

Als Schmidt am Mittwoch seine Baustelle zeigt, ist all das bereits so gut wie geschafft. Er ist der technische Projektleiter dieser Brückenkonstruktion, die die Deutsche Bahn einen "wichtigen Meilenstein für die Arbeiten zur Zweiten Stammstrecke" nennt.

Wer häufiger Zug fährt, hat die Brücke in den vergangenen Monaten vielleicht schon gesehen: Sie befindet sich am Hirschgarten, in Zukunft sollen darauf S-Bahnen Richtung Laim fahren.

Dass die Brücke nun fertig ist, ist für die Bahn ein Grund zu feiern: Damit können die Münchner zum ersten Mal ein fertiges Teil der neuen Zweiten Stammstrecke sehen. Alle anderen Bauwerke - etwa am Hauptbahnhof oder am Marienhof, die seit 2017 entstanden sind - befinden sich schließlich bis zu 60 Meter tief in der Erde.

Und sonst bekommt der Münchner ja meist bloß etwas von der Stammstrecken-Baustelle mit, wenn die S-Bahn mal wieder nicht fährt - weil die Strecke gesperrt ist. Oder wenn er in der Zeitung liest, dass alles doch länger dauert und teurer wird, als die Bahn zunächst annahm.

Ursprünglich war geplant, dass die neue Stammstrecke, die die S-Bahn entlasten soll, 2026 fertig wird. Ein neuer Termin war für 2028 angesetzt. Aber auch der wird nicht zu halten sein. Die Kosten überprüfe die Bahn gerade, deshalb könne man dazu derzeit leider nichts sagen, erklärt Helmut Schütz, der Leiter der Obersten Baubehörde. Ende des Jahres soll es dazu Neues geben.

All das war bei diesem Brückenbauwerk anders: Im September 2020 hat die Bahn mit dem Bau begonnen. Am Mittwoch  wurde die Brücke mit Hydraulik auf Schienen an den richtigen Platz befördert. Pünktlich, wie die Ingenieure der Bahn betonen. Und in einer Präzisionsarbeit: Mit sechs Metern pro Stunde, insgesamt zwei Tage lang, schob sich die Brücke voran - über zwei acht Meter hohe Stahlstützen, die 20 Meter in die Tiefe ragen, um die Last tragen zu können.

Mit sechs Metern in der Stunde kommt sie am anderen Ende an.
Mit sechs Metern in der Stunde kommt sie am anderen Ende an. © Daniel von Loeper

Ein paar Bauarbeiter fetten die Schienen mit einem weißlichen Gleitgel, ein anderer bedient die Hydraulik, geschützt von einem grünen Sonnenschirm. Zehn Bauarbeiter reichen, um diesen Stahlkoloss an den richtigen Platz zu rücken.

Logistische Planung eine große Herausforderung

Die logistische Planung zuvor sei eine Herausforderung gewesen, sagt die Baustellenleiterin Anke Hering. Unter der Brücke verlaufen Schienen, auf denen ICEs fahren, wenn sie in die Halle zur Wartung müssen.

Die Frau für den Überblick: Baustellenleiterin Anke Hering.
Die Frau für den Überblick: Baustellenleiterin Anke Hering. © Daniel von Loeper

Auf der einen Seite fährt bereits heute die S-Bahn. Auf der anderen befindet sich die ICE-Waschanlage. Und dann sind da noch Oberleitungen, Kabel im Gleis. Auf alles habe man Rücksicht nehmen müssen, um nicht den Bahnbetrieb lahmzulegen.

Nun ist das geschafft. Zuerst wird die neue Brücke verwendet, um Material für die Stammstrecken-Baustelle anzuliefern. Dann werden auf ihr S-Bahnen Richtung Laim fahren, wo es nächstes Jahr im April für die Bahn (hoffentlich) wieder etwas zu feiern gibt: Denn dann soll am S-Bahnhof der neue Bahnsteig fertig sein.

Hydraulik schiebt die Brücke an den richtigen Standort.
Hydraulik schiebt die Brücke an den richtigen Standort. © Daniel von Loeper

Nötig ist die Zweite Stammstrecke laut der Deutschen Bahn, weil das Münchner S-Bahnnetz an seine Grenzen stößt: Als es 1972 in Betrieb ging, war es für 250.000 Fahrgäste pro Werktag ausgelegt. Inzwischen fahren 840.000 mit. Alle zwei Minuten fährt mittlerweile eine S-Bahn durch den Tunnel. Mehr geht laut Bahn nicht.

Die neue Stammstrecke soll einmal von Laim bis zum Leuchtenbergring reichen. Allerdings geht es im Westen schneller voran. 2019 plante die Bahn den Bahnhof am Ostbahnhof um, weil dort mit dem Werksviertel und dem neuen Konzertsaal neue Voraussetzungen geschaffen wurden, schildert Kai Gruschinski, der als Projektleiter der Stammstrecke der Mann ist, der den Überblick über das gesamte Bauvorhaben behalten muss. Gerade laufen im Osten noch die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern, sagt er.

Und im Westen steht der erste Meilenstein, die Stahlbogenbrücke, schon.


Halbierte Stammstrecke: So fahren die S-Bahnen an Wochenenden mit eingeschränktem Betrieb

Aktuell geht bei der S-Bahn am Wochenende (fast) nichts. Die AZ erklärt, was immer von Freitag, 22.30 Uhr, bis Montag, 4.30 Uhr, gilt.

Aus Richtung Osten:

  • S2: beginnt und endet am Ostbahnhof an Gleis 2.
  • S3: beginnt und endet am Ostbahnhof an Gleis 4.
  • S4: beginnt und endet am Ostbahnhof an Gleis 3.
  • S8: fährt aus dem Osten bis zur Hackerbrücke.

Aus Richtung Westen

  • S1: fährt ab Moosach bis zum Hauptbahnhof ohne Zwischenhalt durch. Dort an den Gleisen 20-26.
  • S2: fährt von Obermenzing bis zum Hauptbahnhof ohne Zwischenhalt durch. Dort an den Gleisen 20-26.
  • S3: fährt nur bis nach Pasing, dort von Gleis 3/4.
  • S4: fährt nur bis Pasing. Dort von Gleis 7/8.
  • S8: fährt von Pasing von Gleis 5 zum Hauptbahnhof ohne Zwischenhalt. Dort an den Gleisen 20-26. Fahrgäste, die von Pasing in Richtung Westkreuz wollen, steigen an Gleis 2-4 ein.
  • S20: Ab Pasing verkehrt neben der S6 und dem Regionalverkehr tagsüber auch die S20 im 20-Minuten-Takt zum Heimeranplatz, ohne Zwischenhalt. Samstag von 8-21 Uhr, Sonntag 10-19 Uhr. Abfahrt in Pasing von Gleis 2.

Die einzigen Ausnahmen: S6 und S7 verkehren durchgehend ohne Einschränkungen, so wie auch unter der Woche. Sie sind also gar nicht betroffen von der partiellen Stammstreckensperrung. Hierauf müssen Sie an Wochenenden achten:

Zwischen 24. Juli und 5. September wird Samstag/Sonntag und Sonntag/Montag zwischen 22.40 Uhr und 4.40 Uhr der Großteil aller Gleise im Bereich Laim gesperrt. Zwischen Pasing/Moosach/Allach und Donnersbergerbrücke wird dann nachts die S-Bahn durch Busse ersetzt, nur die S7 fährt ohne Einschränkungen.

Am 22. August wird vorerst das letzte Mal ein Wochenende betroffen sein, an dem die Stammstrecke nur auf einem Gleis fährt.