„Zsammenstehen!“ - Bellevue di Monaco gegen Fremdenhass

Bellevue di Monaco zeigt, dass Münchner Flüchtlingen die Hand reichen – jetzt gibt’s wieder eine Demo.
von  Jasmin Menrad
Das Plakat zur Demo am 22. Dezember.
Das Plakat zur Demo am 22. Dezember. © ho

München - Am 22. Dezember will Bellevue di Monaco für eine offene Gesellschaft demonstrieren – genau zwei Jahre, nachdem sich vor dem Nationaltheater 15 000 Menschen gegen Fremdenhass positioniert haben.

Angekündigt haben sich schon zahlreiche Teilnehmer aus der Politik, etwa Dominik Krause (Grüne), der Kultur (The Notwist und Hannes Ringlstetter) und der Flüchtlingshilfe.

Lustspielhaus-Chef und Bellevue-Genosse Till Hofmann hat mit der AZ darüber gesprochen, warum die Münchner auf die Straße gehen sollen.

AZ: Warum braucht’s wieder eine Kundgebung,?

Till Hofmann: Ich habe den Eindruck, dass durch das hysterische, populistische Gerede in den Hintergrund gerät, dass dort, wo Integration stattfindet, sie sehr gut funktioniert. Vor Weihnachten ist ein guter Zeitpunkt, sich auf das zu besinnen, was wichtig ist: Menschen die Hand zu reichen. Und wir sind erschüttert, wenn wir sehen, was in Aleppo passiert. Wir müssen zsammenstehen.

Aber sind wir in München nicht auf einer Insel der Glückseligen?

Nö. Es gibt immer wieder Vorbehalte gegen Flüchtlingsunterkünfte. Mit dem neuen Integrationsgesetz werden Geflüchtete in Krisenländer wie Afghanistan abgeschoben. Gerade deshalb ist es wichtig zu zeigen, dass die meisten Münchner eben nicht rechts sind und dass unsere Hilfsbereitschaft immer noch hoch ist.

Sind Flüchtlinge ein Problem für Deutschland?

Grundsätzlich gibt’s zwei Probleme auf dieser Welt: Atomwaffen und den Klimawandel. Menschen, die aus Not zu uns fliehen, sind kein Problem.

Ihr packt mit Bellevue di Monaco die Integration an. Wie schaut’s derzeit bei euren Projekten in der Müllerstraße aus?

In der Müllerstraße 2 sind zwei große Veranstaltungsräume, in denen Deutschunterricht, Proben, Diskussionen und Cafétreffs stattfinden. Beim Open House am Mittwochabend kann jeder vorbeischauen, oft sind auch Konzerte.

Sind Münchner und Flüchtlinge bei Bellevue gemeinsam aktiv?

Wir arbeiten mit Baufirmen, die Flüchtlingen sechswöchige Praktika anbieten, danach versuchen wir sie in Ausbildungen zu vermitteln. In der Müllerstraße 2 haben wir alle gemeinsam – Münchner und Neu-Münchner – entkernt und so 65 000 Euro gespart. Eine Woche lang haben 150 Leute in drei Schichten geschuftet, wurscht, woher die Leute sind.

Wie geht’s weiter?

Im späten Frühjahr sollen auch die Müllerstraße 4 und 6 fertig und bewohnt sein.

Dieses Wochenende habt ihr ein Festival in der Müllerstraße 2. Worum geht’s?

Das Open Border Ensemble der Kammerspiele gestaltet das Programm. Geflüchtete, die Theater und Musik machen. Kommts doch vorbei!