Villa des Kakteen-Kaisers: Aus für ein Stück Viertel-Geschichte?

Aus für ein Stück Viertel-Geschichte? Das schmucke Haus aus den 20er-Jahren soll Platz für Neubau-Pläne eines Investors machen.
von  Eva von Steinburg
In der Nymphenburger Savoyenstraße steht der hübsche 20er-Jahre-Bau. Anwohner und Viertel-Politiker wollen das Haus retten.
In der Nymphenburger Savoyenstraße steht der hübsche 20er-Jahre-Bau. Anwohner und Viertel-Politiker wollen das Haus retten. © Sigi Müller

Aus für ein Stück Viertel-Geschichte? Das schmucke Haus aus den 20er-Jahren soll Platz für Neubau-Pläne eines Investors machen. Im Viertel regt sich Widerstand.

Nymphenburg - Die Villa sei ein "Mini-Schlösschen im Bonsaiformat", schwärmt ein Kunsthistoriker aus München: Zwei Säulen säumen den Eingang. Das Dach ist ausladend, fast wie das einer chinesischen Pagode. Das schmucke gelbe Haus aus den 20er Jahren hat Sprossenfenster. Die grünen Fensterläden und der Anstrich: "Alles makellos", befindet der Kunsthistoriker Michael Borio.

Mehrfamilienhaus statt Villa

Doch ein Investor, die HWN GmbH & Co. KG, hat das Grundstück in der Savoyenstraße 7 in Nymphenburg gekauft. Im Oktober 2018 ist ein Bauantrag für ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen samt Tiefgarage eingereicht worden.

Das alte und geschmackvolle Wohn- und Geschäftshaus, das der bekannte Münchner Kakteenzüchter Heinrich Kaiser nahe dem Botanischen Garten erbauen ließ, soll dafür abgerissen werden. "Wieder soll ein Stück München und eine Nymphenburger Geschichte verschwinden. Zu viel ist schon verschwunden", bedauert Michael Borio vom Denkmalnetz Bayern.

Münchner wollen Abriss verhindern

Den Abriss des unaufdringlichen, aber eleganten Gebäudes – es ist zu sehen, wenn man die Menzinger Straße stadteinwärts fährt – wollen immer mehr München-Freunde verhindern.

Denn diese Nymphenburger Villa hat viel mit der Stadtteil-Geschichte rund um den Botanischen Garten zu tun: Das Haus des Kakteen-Kaisers war einst Pilgerstätte für Kakteenfreunde. Im Garten stand ein großes Gewächshaus für die stacheligen In-Pflanzen, das Pflanzenhaus. In die Haustür der Villa sind Kakteenblüten geschnitzt. Die Kakteenzucht war Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts absolut "en vogue".

Villa steht nicht unter Denkmalschutz

Trotzdem steht dieses Münchner Schmuckstück nicht unter Denkmalschutz. Das Landesamt für Denkmalpflege hat das Haus erst im Frühjahr 2018 geprüft. Ergebnis: Es ist kein Einzeldenkmal. Das ist die Auskunft, die Elke Wendrich vom Denkmalnetz Bayern bekommen hat, als sie über das Bürgerportal des Landesamtes für Denkmalpflege ihre Erkundigungen eingeholt hat. "Das ist mir zu wenig. Wir sind entschlossen, Druck aufzubauen. Das Haus ist nicht zu jung für die Denkmalliste. Es gibt auch Denkmäler aus den 70er Jahren", sagt Elke Wendrich kämpferisch.

Sie weiß auch: Das große Pflanzenhaus ist bereits abgerissen worden, deshalb sieht man nicht mehr, dass hier einst eine Kakteenhandlung war. Das sei einer der Hauptgründe für das Denkmalschutzamt, das Gebäude nicht in die Denkmalliste aufzunehmen.

BA will Stadtrat einschalten

Nachbarn haben nun bemerkt, dass bereits Halteverbots-Schilder auf der Savoyenstraße aufgestellt worden sind. Für den Abriss-Bagger?

Viele unmittelbare Anwohner, aber auch andere Nymphenburger sind traurig, dass so ein Idyll zerstört wird, um Platz zu machen "für eine gewinnorientierte Bebauung ohne Rücksicht auf Kunst und Kultur", wie Michael Borio kritisiert. "Retten wir die Kakteen-Kaiser-Villa, retten wir dieses wunderbare Architekturzeugnis."

Anna Hanusch (Grüne), Vorsitzende des Bezirksausschusses (BA) Neuhausen-Nymphenburg und Stadträtin, will gegen den Abriss kämpfen: "Das wird zwar schwierig, aber lohnt sich auf jeden Fall. Ich möchte mich an den Stadtrat wenden." Mitstreiter können sich melden – beim Denkmalnetz Bayern oder beim BA Nymphenburg-Neuhausen.

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