München hat den "Pâtissier des Jahres"

Dass Dessert nicht gleich Dessert ist, zeigte Enrico Christ vom Atelier im Bayerischen Hof. Er ist "Pâtissier des Jahres".
von  Daniel Gahn
Zuckerbäcker Enrico Christ. Mit dieser hübschen Komposition holte er den Titel.
Zuckerbäcker Enrico Christ. Mit dieser hübschen Komposition holte er den Titel. © Melanie Bauer Fotodesign/ho

Dass Dessert nicht gleich Dessert ist, zeigte Enrico Christ vom Atelier im Bayerischen Hof. Er ist "Pâtissier des Jahres".

Das Dessert ist der süße Höhepunkt eines Menüs. Doch Nachtisch ist nicht gleich Nachtisch. Die Unterschiede sind gewaltig und die Möglichkeiten der modernen Pâtisserie nahezu grenzenlos. Jahr für Jahr liefern sich Zuckerbäcker einen Wettstreit. Es geht um den Titel „Pâtissier des Jahres“. In diesem Jahr geht der Titel nach München.

Enrico Christ hat die Auszeichnung Mitte Oktober in Köln gewonnen. Der Pâtissier des Sternerestaurants Atelier im Bayerischen Hof setzte sich gegen 250 Bewerber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durch. 32 Dessertspezialisten kämpften um die Krone und am Ende überzeugte Christ die Fachjury mit einer ziemlich außergewöhnlichen Kreation.

 

Mit diesem Rezept konnte er punkten

 

Der 27-Jährige kombinierte Thai-Basilikum, Galgant, Zitronengras und Erdnuss in seinem Dessert. Was zunächst nach eher untypischen Zutaten für ein Dessert klingt, ist heute in der gehobenen Welt der Süßspeisen absolut normal.

Süß trifft auf salzig und auch Gemüse findet sich mitunter in einem Nachtisch wieder. Es gibt kaum etwas, was es nicht gibt. Beim Wettbewerb in Köln wagte ein Mitkonkurrent von Christ eine recht ungewöhnliche Kombination: Zaziki mit Knoblauch als Dessert. Christ kennt solche Spielereien von Kollegen, aber auch für ihn gibt es Grenzen: „Fleisch in einem Dessert ginge für mich einen Schritt zu weit.“

Lesen Sie hier: Totem-Bar: Keller-Kneipe mit Kultur

Für den gebürtigen Thüringer zeichnet sich der perfekte Nachtisch durch eine Reihe von Faktoren aus: „frisch, leichte Säure und natürlich nicht zu schwer.“ An seinen Rezepten feilt Christ wochenlang und das Ergebnis ist ein süßes Kunstwerk, das fast schon zu schade zum Essen ist. Aber wer würde etwa eine kunstvoll angerichtete Praline aus Himbeer-Wacholder-Schokolade verschmähen? Eben, niemand.

In der Küche nehmen Pâtissiers traditionell eine Sonderrolle ein, da vielen Köchen das filigrane und grammgenaue Arbeiten nicht so liegt. Den Unterschied zwischen den Köchen und Pâtissiers beschreibt Christ ganz nüchtern: „Ich mache alles süß, die nicht!“