"Mehmet" trifft Beckstein

Der in Neuperlach geborene Türke trifft auf den Politiker, der ihn 1998 wegen zahlreicher Straftaten aus Deutschland ausweisen ließ. So verlief das Gespräch.
von  Timo Lokoschat
"Keine Ausweisung von Muhlis Ari", steht auf den Plakaten. Ohne Erfolg. Türkische Beamten...
"Keine Ausweisung von Muhlis Ari", steht auf den Plakaten. Ohne Erfolg. Türkische Beamten... © dpa

Der in Neuperlach geborene Türke "Mehmet" trifft auf den Politiker, der ihn 1998 wegen zahlreicher Straftaten aus Deutschland ausweisen ließ.

Neuperlach/Istanbul - Beide Männer tragen Anzug. Ansonsten verbindet Muhlis Ari und Günther Beckstein nicht viel - außer einer gemeinsamen Vergangenheit: 1998 ließ der CSU-Politiker den damals 14-jährigen Türken aus Deutschland ausweisen.

Über 60 Straftaten hatte der auf dem Kerbholz - zuletzt schlug er einen jungen Mann mit einer Dachlatte bewusstlos und raubte ihn aus.

Jetzt, wo "Mehmet" alias Muhlis Ari erneut nach Deutschland einreisen will, um seine Biografie auf der Frankfurter Buchmesse vorzustellen, inszenierte die "Bild"-Zeitung ein Aufeinandertreffen der beiden Männer in Istanbul.

"Haben Sie kein Herz? Sie haben mein Leben zerstört, Herr Beckstein!", jammert der heute 29-jährige Muhlis Ari dem Ex-Innenminister vor.

Der entgegnet: "Die Straftaten wurden immer härter, es war eine Entwicklung. Ich habe ganz klar gesagt: Das Schicksal der Opfer ist mir wichtiger als das Schicksal von Mehmet."

Bedauern zeigt "Mehmet" auch in diesem Gespräch nicht: "Opfer? Welche Opfer denn? Meine Straftaten waren immer in der Gruppe."

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Stattdessen wirft er Beckstein vor, dass man ihn in der Türkei gefoltert habe - mit Strom an den Hoden.

Beckstein hält diese Geschichte für "sehr unwahrscheinlich" und kritisiert: "Ich sehe bei ihm einfach keine Reue. Aus seiner Sicht hat er ein paar dumme Jungenstreiche gemacht und dann kam ein verrückter Innenminister und hat aus Wahlkampfzwecken einen armen Jungen in die Türkei abgeschoben, sein Leben vernichtet und in die Folter gegeben. Das kann ich so nicht stehen lassen."

Dass Muhlis Ari in der Türkei sein Leben offenbar in den Griff bekommen habe und seit vielen Jahren nicht straffällig geworden sei, nimmt Beckstein dagegen lobend zur Kenntnis. "Das ist gut."

Am Ende reichen sich beide Männer die Hand. Der Besucher fliegt zurück nach München, "Mehmet" bleibt in der Türkei.

Reist er nach Deutschland ein, droht ihm eine 18-monatige Gefängnisstrafe. Nach seiner Rückkehr 2002 hatte er seine eigenen Eltern erpresst, mit dem Tode bedroht und immer wieder verprügelt. Um der Haft zu entgehen, floh er in die Türkei.

Muhlis Aris Anwalt fordert jetzt "freies Geleit" für den Buchmessen-Auftritt seines Mandanten. Ob dieser Wunsch erfüllt wird, entscheidet die Justiz. Die Frankfurter Ordnungsbehörden haben ihre Haltung bereits deutlich gemacht: "Wir wollen Mehmet nicht in unserer Stadt." Die endgültige Entscheidung steht noch aus.