Le Bousquérey: Bocuse hat recht

Ein Ausflug in die französische Küche bestätigt, was schon Starkoch Paul Bocuse wusste.
von  Daniel Gahn
Klassisch elegant und etwas gediegen: das Le Bousquérey.
Klassisch elegant und etwas gediegen: das Le Bousquérey. © ho

Ein Ausflug in die französische Küche bestätigt, was schon Starkoch Paul Bocuse wusste.

Au - Die Küche macht 20 Prozent des Restaurants aus, der Rest ist Atmosphäre.“ Das sagte einst der französische Überkoch Paul Bocuse über die Qualitätsmerkmale eines Lokals.

Mit diesem Satz im Hinterkopf suchen wir zu Ehren von Bocuse ein französisches Restaurant auf und wählen das „Le Bousquérey“ in der Rablstraße.

Auf den ersten Blick wirkt das Restaurant so, als hätten die Betreiber fast alle gängigen Klischees über die französische Küche und Esskultur in ein Lokal gepackt.

Das „Le Bousquérey“ ist gediegen und elegant – rein optisch allerdings auch so, als wäre die Zeit in den 80er Jahren stehengeblieben. Der überaus freundliche und schnelle Kellner berät vorbildlich und so fällt die Wahl auf ein opulentes Fünf-Gänge-Menü für vernünftige 45 Euro.

Der Gruß aus der Küche besteht aus einem Löffel Erdbeeren mit Estragon und wird gefolgt von gratiniertem Ziegenkäse auf Roggenbrot und Salat.

Die Vorspeise sieht appetitlich aus. Käse und Brot gehen schließlich immer. Der Fischgang, Seeteufelmedaillons mit Mango-Ananas-Soße, überzeugt nicht wirklich. Der Fisch ist perfekt gebraten, aber dafür ist der Küche leider das Salz ausgerutscht. Schade eigentlich.

Auf den Fischgang folgt ein Trou normand, ein Apfelsorbet mit Calvados. Geschmacklich scheiden sich am normannischen Loch die Geister, und wenn wir schon beim Geschmack sind, könnte man auch über die Präsentation des Zwischengangs nachdenken. Optisch erinnert das kleine Gläschen an einen Minieisbecher aus den 80er Jahren – aus einem Eiscafé, das sehr wahrscheinlich den Namen Venezia trägt.

Auch beim Fleischgang (Kalbskotelett mit Austernpilzen) hat die Köchin noch die rosarote Brille auf – das Gericht ist schlichtweg versalzen. Die Reklamation führt dazu, dass sich die Köchin persönlich für ihren Fauxpas per Handschlag entschuldigt. Eine wirklich schöne Geste.

Die Desserts, Crème brûlée und Fondant au Chocolat, sind glücklicherweise salzarm, machen sich gut am Gaumen und versöhnen. Bocuse hat recht: In einem Restaurant ist das Essen wirklich nicht immer alles. Guter Service macht vieles wieder wett.

Rablstraße 37, Tel.: 48 84 55, täglich von 18 Uhr bis 1 Uhr geöffnet, bis 16. August geschlossen.

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