Kongresssaal: Nicht mal eine Zwischen-Option

Interimskonzertsaal während der Sanierung des Gasteigs? Das ist reines Wunschdenken.
von  Robert Braunmüller
Gasteig und Kongresssaal: So nah – und doch so weit entfernt.
Gasteig und Kongresssaal: So nah – und doch so weit entfernt. © Deutsches Museum

Isarvorstadt - Die Gasteig-Sanierung gilt als Götterdämmerung des Münchner Konzertlebens. Wo sollen die Münchner Philharmoniker in der Zwischenzeit spielen? Und wo die Gastorchester? Werden die privaten Veranstalter die Verlagerung des Klassik-Betriebs in eine Holzbude am Candidplatz, an der Friedenheimer Brücke oder gar gegenüber vom Messegelände in Riem überleben?

Der Cellist Stephan Haack, einer der drei Orchestervorstände der Münchner Philharmoniker, der CSU-Kulturpolitiker Richard Quaas und andere haben sich für eine temporäre Wiederbelebung des Kongressaals des Deutschen Museums ausgesprochen. Auch der neue Gasteig-Chef Max Wagner sieht da offenbar Chancen. Ist der Kongresssaal wirklich eine Option? Generaldirektor Wolfgang Heckl gab sich am Rand der Eröffnung der neuen Eventfläche eher schmallippig: „Das müssen die Gremien des Deutschen Museums entscheiden“, sagt er.

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Leider wurde der Bau in den vergangenen Jahren als Geheimsache behandelt. Seit Samstag nicht mehr: Die Toiletten der neuen Eventfläche befinden sich im alten Treppenhaus, und über Glastüren ist es kein Problem, einen zumindest flüchtigen Blick in den Bereich des ehemaligen Konzertsaals zu werfen. Im zweiten Stock ist sogar der Bereich des ehemaligen Rangs mit dem umlaufenden, denkmalgeschützten Mosaikfries zu erkennen.

Der ist keineswegs völlig zerstört, wie gelegentlich behauptet wird. Wo früher das Publikum saß, befinden sich allerdings die Einbauten für das ehemalige Kino und ein Planetarium. Und so unbetretbar, wie Alexander Wolfrum noch am Samstag behauptet hat, sind die Flächen auch wieder nicht – er nutzt, wie zu hören ist, zumindest den Randbereich. Man mag halt keine Neugierigen – nur führt das Misstrauen leider zu wuchernden Fantasien und Wunschvorstellungen.

Eins wird klar: Der Bau hat seine Probleme

Denn eine Illusion zerstört der flüchtige Blick: Den Konzertsaal selbst gibt es nicht mehr. Und der Bau insgesamt hat seine Probleme: Dem Vernehmen nach gibt es offene Fragen zur Statik der Decke zwischen dem Erdgeschoss und dem ehemaligen Konzertsaal. Einsturzgefährdet kann er aber auch nicht sein, wenn es derzeit erlaubt ist, den Bereich darunter als Eventfläche zu nutzen.

Theoretisch mag es durchaus möglich sein, den Bau in einen temporären Konzertsaal zu verwandeln. Dagegen aber sprechen die Pläne des Museums, die Wolfgang Heckl bereits im Dezember in Umrissen vorgestellt hat: Im Frühsommer soll das Konzept für ein Zukunftsforum im Bereich des ehemaligen Kongresssaals die Gremien des Museums passieren. Dann folgt ein Architektenwettbewerb, der den denkmalgeschützten Baubestand und die Pläne des Museums zusammenbringen soll.

Gasteig-Provisorium ist realitätsfern

Das heißt: Wenn zwischenzeitlich die Philharmonie in den Kongresssaal einzieht, zahlt die Stadt zwar möglicherweise die Sanierung der Decke. Aber dies wäre eine weitere Verzögerung bei der Planung des Zukunftsforums. Und zwar um ein Jahrzehnt. Das Museum wird zwar auch Veranstaltungsräume für Vorträge brauchen, aber nicht den großen Raum einer Philharmonie. Und Provisorien und Zwischennutzungen können sehr hartnäckig sein, wenn sich etwa der Bau des Konzertsaals im Werksviertel verzögern sollte.

Ob das die Gremien des Museums wollen? Gewiss nicht. Es ist daher besser, der Realität ins Auge zu sehen: Der Kongresssaal kommt bei näherer Betrachtung nicht als Gasteig-Provisorium in Frage. Es hilf nichts: Der Gasteig muss temporär in ein Provisorium verlegt werden. Dafür kommen nur städtische Flächen in Frage.

Alle, die das betrifft, sollten jetzt nicht in Schockstarre verfallen. Sondern überlegen, wie man aus einer solchen Situation das Beste macht – etwa nach dem Vorbild des Gärtnerplatztheaters oder auch des Deutschen Theaters.