Arnulfsteg in München: Licht und Schatten überm Gleis

Ausnahmsweise hat der Stadtspaziergänger auf Farbe verzichtet, um den neuen Arnulfsteg pittoresk in Szene zu setzen.
von  Sigi Müller
Der neue Arnulfsteg: hier ausnahmsweise mal wenig frequentiert, was die moderne Architektur - zumal in Schwarz-Weiß - noch sehr viel besser wirken lässt.
Der neue Arnulfsteg: hier ausnahmsweise mal wenig frequentiert, was die moderne Architektur - zumal in Schwarz-Weiß - noch sehr viel besser wirken lässt. © Sigi Müller

Neuhausen/Westend - Über die Jahre habe ich immer wieder den Bau des Arnulfstegs von der Donnersbergerbrücke aus fotografiert. Anfangs nur ein kleiner Stumpf, der sich sehr langsam aber stetig vergrößerte. Irgendwann war man auf der Seite der Landsberger Straße angekommen und es schien für Fotografen nur noch ein Motiv zu geben. Ein etwas veränderter Spruch von Karl Valentin fiel mir ein. "Es wurde alles schon fotografiert, aber noch lange nicht von jedem."

So hielt ich mich zunächst zurück. Trotzdem interessierte mich dieses Bauwerk. Bei strahlender Sonne fuhr ich vor ein paar Tagen zum Arnulfpark. Der Spiralweg hoch zur Brücke, für Radler und Kinderwagen, warf scharfe Schatten auf den Boden und ich konnte dort die Silhouetten der Radler am Boden sehen.

Sofort war mir das Konzept für meine Bilder klar. Ich stellte meine Kamera auf "Monochrom" um, also auf schwarz-weiß. Früher habe ich viel schwarz-weiß fotografiert, meine Filme selbst entwickelt und auch meine Abzüge selbst gemacht. Ein großer Teil meiner Zeit spielte sich damals in der nach Chemikalien riechenden Dunkelkammer ab.

Der Reiz von schwarz-weißer Fotografie

Irgendwie reizt mich immer noch die Arbeit ohne Farbe. Wenn ich Menschen porträtiere, nehme ich meist eine zweite Kamera dazu, mit der ich schwarz-weiß fotografiere. Erstaunt wird dann oft die Kraft und Ausdrucksstärke dieser Fotos bewundert. So ging ich zunächst die Stufen hoch zur Brücke. Schön ist sie geworden. Große Fensterflächen auf beiden Seiten, wie kleine Nischen eingearbeitet, mit Blick zum Hauptbahnhof, der Hackerbrücke, der Frauenkirche auf der einen Seite, zur Donnersbergerbrücke und dem Central Tower auf der anderen Seite.

Bequem können sich zwei Personen pro Nische niederlassen und eine Zeit plaudern, was auch rege angenommen wird. Die eine oder andere Boombox, von Handys gesteuert, untermalte meinen Weg zur anderen Seite der Brücke mit unterschiedlichster Musik.

Zunächst war sehr wenig los, aber das schöne Wetter lockte nach und nach die Menschen an. Kaum war die Brücke damals eröffnet, hatte es ja Kritik gehagelt. Zu schmal, die Radfahrer nicht gut von den Fußgängern getrennt, somit kann man nicht über die Brücke rasen.

Der Arnulfsteg ist kein Radlschnellweg

Vielleicht ist hier auf einigen Hundert Metern einmal möglich, was in der Stadt nicht funktioniert, und man nimmt ein bisschen Rücksicht aufeinander. Nein, diese Brücke wurde nicht als Radlschnellweg gebaut, sondern soll allen ermöglichen, hier die Bahngleise sicher und ein wenig angenehmer als auf der Donnersberger Brücke zu überqueren. Vielleicht auch das Radl einfach einmal schieben, wenn die Brücke voll ist?

Aber zurück zu den Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Man fotografiert anders, sucht mehr das Spiel von Licht und Schatten. Es macht Spaß. So wie früher. Sicher möchte ich nicht mehr mit Speer und Faustkeil Mammuts jagen, aber so hin und wieder einen Ausflug in die Vergangenheit machen, das Auge wieder schärfen und auf die Farben verzichten, das Foto in der Kamera machen - nicht am Computer. Licht lernen, gehört eben auch zu meinem schönen Beruf.

In diesem Sinne eine schöne Woche
Ihr Sigi Müller