Stadt lehnt CSU-Antrag ab: Kein Taxi für Senioren

Zum Schutz vor Corona sollten Risikogruppen günstiger mit dem Taxi fahren dürfen, forderte die CSU. Die Stadt lehnt das jedoch ab.
von  Christina Hertel
Keine Taxigutscheine:  Ein "Schlag ins Gesicht aller Senioren und Risikopatienten"
Keine Taxigutscheine: Ein "Schlag ins Gesicht aller Senioren und Risikopatienten" © Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa

München - Damit sich ältere Menschen und andere Risikogruppen nicht in Bus und Bahn mit Corona anstecken, wollte die CSU ihnen vergünstigte Taxifahrten ermöglichen. Doch das lehnt die Stadt ab - ohne diesen Vorschlag am Mittwoch noch einmal im Stadtrat zu diskutieren.

Das sei ein "Schlag ins Gesicht aller Senioren und Risikopatienten", sagt CSU-Stadträtin Evelyn Menges. Sie ärgert vor allem die Begründung der Stadt.

Taxi-Gutscheine würden trügerisches Sicherheitsgefühl vermitteln

Denn diese lehnt den Vorschlag vor allem deshalb ab, damit sich Senioren an die Kontaktbeschränkungen halten. Deren Sinn und Zweck sei es, die Kontakte erheblich zu reduzieren, schreibt das Sozialreferat. "Die Ausgabe von Taxi-Gutscheinen würde diesen Bestrebungen zuwider laufen und den Nutzer ein trügerisches Sicherheitsgefühl vermitteln."

Evelyn Menges kann das nicht nachvollziehen. "Diese Menschen wollen nicht zum Vergnügen durch die Gegend fahren und fröhlich Kontakte pflegen", sagt sie. Es gehe darum, ihre Grundbedürfnisse ohne eine gesundheitliche Gefährdung zu erledigen.

Wenn es nach der CSU gegangen wäre, hätten Senioren, Risikopatienten, aber auch Ärzte und Pfleger profitiert. Mit Gutscheinen hätten sie zum ÖPNV-Tarif fahren sollen.

Fahrt im Taxi sicherer als im ÖPNV?

Das Sozialreferat bezweifelt allerdings, dass eine Fahrt im Taxi sicherer als die im Bus oder in der U-Bahn wäre - und verweist auf eine Untersuchung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen. Demnach seien in Landkreisen, in denen etwa durch Schulschließungen nur noch wenige Menschen den ÖPNV nutzen, die Zahlen der mit Corona infizierten Menschen zum Teil sogar deutlich höher als in Großstädten - wo täglich noch relativ viele Nutzer Bus und Bahn fahren.

Außerdem weist die Stadt darauf hin, dass Corona die Sicht vieler älterer Menschen auf die Digitalisierung gewandelt habe. Videotelefonie stelle eine gesundheitlich unbedenkliche Alternative zu Besuchen der Verwandtschaft dar. Senioren mit München-Pass können einen Zuschuss von 250 Euro zu einem Laptop oder Tablet beantragen. Und Taxi-Fahrten zum Impfzentrum würden inzwischen die Krankenkassen übernehmen.

Die CSU will das allerdings nicht auf sich sitzen lassen. Die Fraktion werde eine öffentliche Debatte in der Vollversammlung am Mittwoch fordern, sagt Evelyn Menges. Aus ihrer Sicht stellt die Stadt diejenigen, die ohnehin am meisten unter der Pandemie leiden vor weitere bürokratische Hürden.