Schwerer Tag für Familie Müller: Hansis Beerdigung

Die Familie Müller an einem ihrer schwersten Tage: Die Firmengründer von Müller-Brot beerdigen den verstorbenen Sohn. Der Patron wettert gegen „Verbrecher“.  
von  Michael Graeter

Die Familie Müller an einem ihrer schwersten Tage: Die Firmengründer von Müller-Brot beerdigen den verstorbenen Sohn. Der Patron wettert gegen „Verbrecher“.

München - Bestatter-Primus Karl Denk, der seine Trauerhilfe längst an seinen Sohn Karl-Albert übertragen hat, erscheint persönlich und als Erster zur Beerdigung von Brotfabrikant Hans („Hansi“) Müller jr., der mit 45 Jahren an der unheilbaren Muskelschwund-Krankheit ALS gestorben ist. Rund 500 Trauergäste, darunter die gesamte seriöse Münchner Geschäftswelt, versammelt sich in der Aussegungshalle des Ostfriedhofs, um den „Sonnyboy, aber auch einsamen Wolf“, wie der Priester zitiert, auf dem letzten Weg zu begleiten.

In der ersten Reihe des eiskalten Ziegelrundbaus sitzt die Familie: Mama, Papa, Heidi, Sissi, Evi, Sophie, Jeanny, Theresa und Louis. Als ich Brot-Napoleon Hans Müller kondoliere, kann er trotz Trauer und Schmerz über seinen verlorenen Sohn die Wut über die Nachfolger des Konzerns, die seinen guten Namen in den Schmutz gezogen haben, nicht verbergen.

Der Gründer des Unternehmens „Müller Brot“, wo man zu Zeiten Hans Müllers vom Fabrik-Fußboden hätte essen können und dessen riesige Lastwagen-Kolonne wegen seiner peniblen Genauigkeit jeden Abend wie mit dem Lineal gezogen nebeneinander auf dem Firmenvorplatz parkten, zischte: „Das sind Wirtschaftsverbrecher – wie sie jetzt überall auftreten. Das ist der Wahnsinn. Schau dir nur auch die Banken an.“

In den kühnsten Träumen habe er sich nicht vorstellen können, was mit seinem Lebenswerk nach dem Verkauf passiert ist.

Max Liebl, 40 Jahre Müllers rechte Hand, mit dem Hans einst durch die Erfindung kleiner Öfen die guten Fabrik-Brezn auf den Weg gebracht hat, ist ebenso unter den Trauernden, die vom Priester liebenswerte Anekdoten vom verstorbenen Hansi vernehmen. So wie er schon mit 16 in den USA den Führerschein machte, weil ihm der Papa dann ein Auto versprochen hatte – und so gewitzt war, dass er mit dem US-Nummernschild auch in München fahren konnte.

Auf Blumen und Kränze wurde, wie gewünscht, zu Gunsten der ALS-Forschung verzichtet. Den Sarg schmücken weiße Rosen und drei Herzen – eines aus Blumen und zwei mit brennenden Kerzen. (Die Aussegnungshalle diente übrigens einst als Kulisse für die Serie „Kir Royal“: Für 468 Mark Miete ließ dort Helmut Dietl ein Restaurant a la „Tantris“ errichten.)

Als Freizeit-Genießer Peter Feldmeier („Beck am Rathauseck“) die Halle betritt, wird er wegen eines Abzeichens auf seinem Käppi von Daimler-Berater Karl Dersch befragt, „welchem Jagdgeschwader“ er angehöre. Peter cool: „Das bekam man bei der Jagd bei Flick als besonders guter Schütze.“

Auf dem langen Weg zum Familiengrab hakt sich Evi Müller, Tochter des Brot-Barons, bei Freund Michael Bagusat unter. Am Grab musiziert das Quintett „Munich Brass Connection“, das Trauermahl wird im Paulaner auf dem Nockherberg eingenommen.

Unter den Trauernden: Politiker und Star-Anwalt Peter Gauweiler, Ex-Sheriff Manfred Schreiber mit Frau Elfriede, Doris Kuffler (Kuffler-Gruppe), Feinkost-Eminenz Gerd Käfer und seine treueste Service-Kraft Verena, Kleiderfabrikant Franz Haushofer, die Gastronomen Toni Roiderer und Joschi Lamm, Evi Brandl („Vinzenzmurr“), Franz Inselkammer („Ayinger“), Butter-König Toni Meggle mit Frau Marina (früher Ponater), Innegrit Volkhardt („Bayerischer Hof“), Leihhaus-Chef Thomas Käfer, Investor Markus Knapp-Voith.