Schwarzfahrer in München vor Gericht: Überraschende Geste der Zuschauer

Ein Mann musste sich vor dem Amtsgericht in München wegen wiederholten Schwarzfahrens verantworten. Offenbar bewegte sein Schicksal aber nicht nur den Richter, sondern auch die Zuschauer.
von  AZ
Das Verfahren gegen den Schwarzfahrer wurde eingestellt. (Symbolbild)
Das Verfahren gegen den Schwarzfahrer wurde eingestellt. (Symbolbild) © Uli Deck/dpa

München - Ein 53-Jähriger wurde im Sommer 2018 drei mal ohne einen Fahrschein erwischt. Das war den Verkehrsbetrieben zu viel, der Mann musste vor Gericht. Ende März kam es dann zum Prozess – wegen eines Schadens von 8,70 Euro. 

Bei der Verhandlung gestand der Mann den Vorwurf und entschuldigte sich dafür. Seit einem Unfall sei er nicht mehr arbeitsfähig und außerdem vergesslich geworden, sagte der 53-Jährige. Es kam zu den Schwarzfahren, weil er auch immer wieder seine Dauerfahrkarten vergessen hatte, die ihm von den Behörden kostenlos überlassen wurden.

Auch zur Verhandlung sei er ohne gültiges Ticket gefahren, gab er zu. Erst am Freitag bekomme er wieder Geld auf sein Konto. 

Zuschauer zeigen sich spendabel

Laut einer Pressemitteilung des Amtsgerichts reagierte der Richter auf die neuerliche Beichte, indem er den Kopf auf die Bank sinken ließ. "Er hielt dem Angeklagten dann vor, dass eine Fahrt ohne Fahrschein zur Verhandlung wegen Schwarzfahrens so sei, als ob man seinen Kopf in das geöffnete Maul eines Krokodils lege", so das Gericht. Trotzdem zeigte er Mitleid mit dem gebeutelten Schwarzfahrer, das Verfahren wurde eingestellt. Auch weil der Angeklagte bereits wegen anderer schwerwiegenderer Straftaten zu einer mehrmonaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden war.

Offenbar hatte auch einige Zuschauer des Prozesses Mitleid mit dem 53-Jährigen: Auf dem Weg nach draußen steckten ihm ein paar der anwesenden Studenten ihre Streifenkarten zu. Von seinem Dolmetscher gab es zusätzlich zehn Euro.

Wenigstens auf dem Weg nach Hause musste der Mann also nicht schwarzfahren.

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