Schneeballsystem: Häuslebauer wird zum Millionenbetrüger

Prozess am Landgericht München: Der Angeklagte beschreibt ausführlich sein Schneeballsystem, mit dem er Millionen ergaunert hat.
von  John Schneider
Der Angeklagte mit seinem Anwalt.
Der Angeklagte mit seinem Anwalt. © Daniel von Loeper

München - Er hat seine Position als leitender Angestellter für den IT-Bereich ausgenutzt, um immer wieder Elektronik auf Rechnung seiner Arbeitgeber zu kaufen, die er dann privat bei Ebay oder aber einem Dritten verkaufte. Das funktionierte wie ein Schneeballsystem. Um nicht aufzufliegen, zahlte er die erschlichenen Gelder immer wieder fristgerecht zurück. Mit Geld, das er mit neuen, größeren Betrügereien im gleichen Stil erschlichen hatte.

Ein Loch wurde zugeschüttet, ein größeres dafür ausgehoben. Am Ende blieb ein Schaden von einer knappen Million Euro zurück. Hans T. (41, Name geändert) ist ein notorischer Betrüger. Bereits vor den jetzt vorgeworfenen Taten ist er öfters wegen Betrugs verurteilt worden. Meist zu Geld- oder Bewährungsstrafen. Die angeklagte Betrugsserie begann 2012 und damit in offener Bewährung.

Aber der 41-Jährige ist auch ein Getriebener, der sagt, mit seinem Leben damals überfordert gewesen zu sein. Der Hintergrund: Mit seiner ersten Ehefrau baute er ein Haus im Rheinland. Doch das vom Bergbau untergrabene Erdreich machte Zusatzarbeiten nötig. Zusätzliche Kosten, die sich Hans T. nicht leisten konnte. Also entschloss er sich, die Arbeiten am Haus selber zu leisten. Doch selbst für das Material reichte das Gehalt nicht. Und so begann im September 2012, was jetzt im Juli 2020 mit einem Urteil des Landgerichts enden soll. Hans T. bestellte im Namen seines damaligen Arbeitgebers drei Tablets. Im Oktober 2012 acht Tablets sowie acht Smartphones und schließlich im Dezember zwei Samsung-Handys. Insgesamt ein Einkaufswert von 7.349 Euro.

Schaden von einer knappen Million Euro und 32.000 Euro Schulden

Die Geräte nahm er persönlich in Empfang und verkaufte sie bei Ebay weiter. Der Abschlag sei nur zehn bis 15 Prozent gewesen, erklärt der Angeklagte gestern vor Gericht. Damit der Betrug nicht auffiel, machte Hans T. weiter, kaufte Softwarelizenzen und Handys auf Firmenrechnung und verkaufte sie privat an Dritte. Am Ende stand der Kauf von 1.432 Lizenzen eines Betriebssystems. Für 924.000 Euro. Hans T. gab mit einem nachgemachten Firmenstempel vor, mit Prokura seines Arbeitgebers zu handeln. Inzwischen hat Hans T. wieder einigermaßen Fuß gefasst. Er hat einen gut dotierten Job in Augsburg, seine Lebensgefährtin ist schwanger.

Doch über dem neuen Familienglück schwebt ein scharfes Damoklesschwert. Vom Hausbau sind Hans T. noch 32.000 Euro Schulden geblieben. Und ob und wie er für den angerichteten Schaden geradestehen muss, ist offen. Noch sei niemand an ihn herangetreten, erklärt der Angeklagte. Mit Ausnahme eines Käufers, der eine fünfstellige Vorleistung zurückhaben will. Der Prozess wird fortgesetzt.

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