Prozess um Anlagebetrug: Angeklagter spricht über sein bewegtes Leben

Der mutmaßliche Betrüger Malte H. (48) erzählt vor Gericht über sein bewegtes Leben.
von  John Schneider
Der Angeklagte, ein ehemaliger Investmentmanager, sitzt vor Prozessbeginn an seinem Platz.
Der Angeklagte, ein ehemaliger Investmentmanager, sitzt vor Prozessbeginn an seinem Platz. © Sven Hoppe/dpa

München - Keine Frage, der Mann kann charmant erzählen. Malte H. (48) will laut seinen beiden Verteidigern Alexander Esser und Julian Ackermann zu diesem frühen Zeitpunkt im Prozess zwar noch nichts zu den Tatvorwürfen sagen.

Dafür berichtet ihr Mandant eloquent von seinem bewegten Leben. Von Schulabbruch und Maurerlehre, seiner Arbeit als Fitnesstrainer bis zu der Zeit, als er sich als Investmentmanager selbstständig machte und in den Augen der Staatsanwaltschaft zum Betrüger im großen Stil wurde.

Angeklagter gesteht: "Ich hatte nichts"

Um mehr als 167 Millionen Euro soll er laut Anklage Anleger betrogen haben. Seine Opfer habe er mit hohen Renditeversprechen geködert, Ausschüttungen aber nicht mit Erträgen aus den angeblichen Investitionen, sondern mit dem Geld neuer Anleger bezahlt. Ein Schneeballsystem, das er und ein Komplize 2013 an die Wand gefahren haben sollen.

Ein Bruch in seinem Leben. Frau und Tochter verließen ihn, er blieb allein in einer großen Finca auf Mallorca zurück. "Leute, die am Haus vorbeikamen, haben denken müssen, ich hätte es geschafft. Das Gegenteil war der Fall. Ich hatte nichts." Lange Zeit habe er von 300 Euro im Monat leben müssen und sei schließlich seiner Familie nach Ungarn gefolgt.

Malte H. schildert, wie er ein Lamm großzieht und zum Tierschützer, Vegetarier und Autor von Thrillern wurde. Aber er erzählt auch, wie das Verfahren gegen ihn seit Jahren auf seinen Schultern lastet. Den Beginn des Prozesses vergleicht er mit seiner Überquerung des nordamerikanischen Kontinents von Küste zu Küste per Rad. Der Prozessauftakt fühle sich an, als ob er nach der Zieldurchfahrt gleich wieder weiterfahren müsse.

Anekdoten im Gerichtssaal

Seine Erzählung garniert Malte H., zum großen Amüsement der Prozessbeteiligten, immer wieder mit Anekdoten. So wie die vom 500-Euro-Schein. Den Trick habe er aus einem Buch. Einfach den Schein in die Hosentasche stecken und schon fühle man sich reich. Und zu seiner Expertise in Sachen Fonds merkt er ironisch an: "Ich hab tatsächlich mal einen Prospekt von vorne bis hinten gelesen. Wie die Bibel. Beides habe ich aber nicht verstanden."

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.