Prozess: 50-Jähriger bestreitet Vergewaltigung

Prozess am Landgericht: Die Versionen der Tat könnten nicht unterschiedlicher sein.
von  John Schneider
Der Angeklagte vor Gericht.
Der Angeklagte vor Gericht. © jot

München - Aussage gegen Aussage: Darauf läuft der Prozess um eine mutmaßliche Vergewaltigung im Ehebett hinaus. Angeklagt ist ein 50-jähriger Kraftfahrer aus der Maxvorstadt.

Die Staatsanwaltschaft wirft Ben D. (Namen geändert) vor, seine frisch angetraute Ehefrau vergewaltigt und verletzt zu haben. Das Paar hatte im August 2018 nach tunesischem Recht geheiratet. Im April des vergangenen Jahres reiste Leila D. ihrem Mann nach München nach.

Die Vorstellungen waren verschieden

Doch die Beziehung stand unter keinem guten Stern. Sie wollte laut Anklage studieren, ihr Mann wünschte sich eine Frau, die seinen Kinderwunsch erfüllte. Leila D. war gerade einmal eine knappe Woche in München, als es zur Vergewaltigung gekommen sein soll.

Das Paar hatte sich gestritten, sie legte sich danach ins Bett, um zu schlafen. Ben D. sei ihr gefolgt und habe sie zum Geschlechtsverkehr aufgefordert. Laut Anklage wollte sie das nicht und stand stattdessen aus dem Bett auf, um das Zimmer zu verlassen.

Die Versionen stimmen nicht

Ihr Mann habe sie dann auf das Bett zurückgestoßen und soll sie trotz ihrer Gegenwehr vergewaltigt haben. Dabei soll er die Frau auch am Hals geklammert und mehrmals geohrfeigt haben.
Zwei Tage später der nächste Vorfall: Erneut war es zum Streit gekommen, die Frau wollte laut Anklage die Wohnung in der Maxvorstadt verlassen. Doch Ben D. hinderte sie daran. Er würgte sein Opfer und stieß es mit den Händen gegen die Brust. Sie stürzte. Ben D. gibt den Stoß zu, ansonsten erzählt er beim Prozessauftakt gestern eine ganz andere Geschichte.

Es sei genau umgekehrt gewesen, behauptet der 50-Jährige. Er sei es gewesen, der keinen Sex gewollt habe. Leila D. sei daraufhin wütend geworden, habe ihn gefragt, warum er sie überhaupt geheiratet habe.

Nach dem zweiten Streit verließ Leila D. die Wohnung des Paares, kehrte aber fünf Wochen später zurück. Wieder habe es Streit gegeben, weil er nicht mit ihr schlafen wollte, erklärt der Mann. Sie habe ihn gestreichelt, um ihn zu erregen. Er habe lieber fernsehen wollen. Daraufhin habe sie sich wie eine Furie aufgeführt.

Die Anklage schildert dagegen einen Streit ums Handy und eine Watschn des Mannes. Leila D. erlitt danach einen körperlichen und psychischen Zusammenbruch. Der Prozess wird fortgesetzt.