Olympia in München gescheitert: Die Reaktionen

Die Olympia-Gegner jubeln, die Befürworter sind ernüchtert. Bei den Bürgerentscheiden in Bayern stimmen die Bürger klar gegen eine Münchner Winterspielbewerbung 2022. Die Reaktionen im Überblick.
von  az
Olympia-Befürworter Christian Neureuther beobachtet im Rathaus von Garmisch-Partenkirchen (Bayern) eine Grafik mit Wahlergebnissen.
Olympia-Befürworter Christian Neureuther beobachtet im Rathaus von Garmisch-Partenkirchen (Bayern) eine Grafik mit Wahlergebnissen. © dpa

München - Das Münchner Olympia-Projekt ist bei den Bürgern krachend durchgefallen – Deutschland wird 2022 keine Winterspiele in den bayerischen Alpen erleben. Bei den vier Bürgerentscheiden am Sonntag ergab gleich das erste Ergebnis in Garmisch-Partenkirchen einen Erfolg für die Gegner des sportlichen Großereignisses. 51,56 Prozent stimmten nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis mit Nein, gerade 48,44 Prozent mit Ja. Damit spielten die Ergebnisse in München sowie den Landkreisen Traunstein und Berchtesgaden letztlich keine Rolle mehr.

Die Reaktionen von Sportlern, Politikern und Funktionären:

Maria Höfl-Riesch, Ski-Olympiasiegerin:
„Ich weiß nicht, woran es lag. Es ist traurig, aber wahr. Wir haben in den letzten zwei Wochen noch einmal alles mobilisiert. Wir müssen jetzt in der Niederlage Größe beweisen. Der eine oder andere wird es später vielleicht noch bereuen.“

Christian Ude, Oberbürgermeister München:
"Es ist eine klare Niederlage erlitten worden. Damit ist die Bewerbung gescheitert." Dies gelte "nicht nur für 2022, sondern nach meiner persönlichen Einschätzung dauerhaft." Die Stimmung in Deutschland sei gegen sportliche Großereignisse.

Felix Loch, Rodel-Olympiasieger (auf Facebook):
„Oh Mann, war wohl nix mit Olympia dahoam."

Severin Freund, Skispringer:
"Ich bedauere es sehr, dass sich keine Mehrheit für die Bewerbung Münchens gefunden hat. Dennoch akzeptiere ich das Ergebnis. Ich persönlich finde das Bewerbungskonzept sehr stark, weil nachhaltig und durchdacht. Ein Votum für die Bewerbung hätte die gesellschaftspolitische Bedeutung des Sports sicherlich gestärkt. Um Kinder und Jugendliche für den Sport zu begeistern, braucht es Impulse und die Olympischen Spiele im eigenen Land hätten ein solcher sein können.“

Sven Hannawald, ehemaliger Skispringer:
„Das ist eine Klatsche, wie ich sie im Leben nie erwartet hätte, ein 0:4-Debakel. Wie will man so ein Highlight wie Olympische Spiele jetzt noch nach Deutschland bringen?“

Pat Cortina, Eishockey-Bundestrainer:
„Das ist sehr schade. Deutschland ist ein tolles Sportland.“

Michael Vesper, DOSB-Generaldirektor:
„Ich bin sehr enttäuscht. Das ist sehr bitter für den deutschen Sport, dass wir nicht die Chance bekommen haben, der Welt zu zeigen, wie man heutzutage nachhaltige Olympische Winterspiele veranstalten kann. Ausschlaggebend ist für mich die zunehmende Skepsis in Deutschland gegenüber Großereignissen.“

Josef Fendt, Präsident des Internationalen Rennrodelverbandes (FIL):
„Ich bin sehr enttäuscht. Das hätte ich nicht gedacht. Ich glaube, viele Bürger waren nicht richtig informiert. Für die olympische Bewegung ist es bedenklich. Wenn sich solche traditionellen Länder wie die Schweiz oder Deutschland als Ausrichter zurückziehen, ist dies eine gefährliche Entwicklung.“

Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern:
„Ökologisches Bewusstsein und Heimatliebe der Bürger haben über Kommerz und Gigantismus gesiegt. Dies ist ein Weckruf an das Internationale Olympische Komitee und den Deutschen Olympischen Sportbund, wieder zum Ursprung der olympischen Idee zurückzukehren und sich von einseitigen Knebelverträgen zu verabschieden. Den Alpen und der betroffenen Bevölkerung bleiben Schuldenberge und Landschaftseingriffe erspart.“

Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionschef im Bayerischen Landtag:
„Ich finde es sehr bedauerlich, dass die Bürgerentscheide keine Mehrheit für eine Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2022 gebracht haben. Wir werden dieses Ergebnis akzeptieren. Ich hätte mich auf die sportlichen Spitzenwettbewerbe in unserer Heimat gefreut, die Welt geht deswegen aber nicht unter.“

Ludwig Hartmann, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag und einer der Wortführer des Bündnisses „NOlympia“:
„Das Votum ist kein Zeichen gegen den Sport, aber gegen die Profitgier des IOC. Ich glaube, in ganz Deutschland sind Olympia-Bewerbungen mit dem heutigen Tag vom Tisch. Zuerst muss sich das IOC ändern. Nicht die Städte müssen sich dem IOC anpassen, sondern umgekehrt.“

Garmischs Bürgermeister Thomas Schmid:
„Wir haben ein ganz anderes Ergebnis erwartet. Ich persönlich glaube, dass es unsere letzte Chance war, Winterspiele zu bekommen“, kommentierte