Neues Strafjustizzentrum: Kein Palast, aber "würdig"

Ab 2020 soll das neue Justizgebäude am Leonrodplatz Gerichte und Staatsanwaltschaft beherbergen. Dafür will der Freistaat 234 Millionen Euro ausgeben
von  John Schneider

München - Um es vorweg zu nehmen: Auch im geplanten Strafjustizzentrum am Leonrodplatz wird es keinen Raum geben, der größer wird als Saal 101 an der Nymphenburger Straße, dem viel zu kleinen Schauplatz des NSU-Prozesses.

Justizpaläste baut man im 21. Jahrhundert eben nicht mehr. Dennoch wird der 234-Millionen-Bau – Bayerns größtes Bauprojekt der kommenden Jahre – nach Ansicht der Verantwortlichen „würdig”, ohne einzuschüchtern, repräsentativ, aber sicher. Das alles haben die Münchner Architekten von Plan2 mit ihrem Sieger-Entwurf geschafft. Mit ausschlaggebend für die Jury war die Idee, den Leonrodplatz durch einen Weg am Justizzentrum vorbei direkt mit dem Rosa-Luxemburg-Platz zu verbinden.
Die Sieger kennen sich gut aus mit Justizbauten. „Wir haben unter anderem die JVA für Frauen in Stadelheim entworfen”, sagt Axel Krüger. In München haben die drei Partner zudem das Geschäftshaus „Laimer Würfel” realisiert.

1300 Mitarbeiter werden ab Ende 2019, Anfang 2020 auf 38000 Quadratmeter Nutzfläche am Leonrodplatz Platz finden. Die Strafsenate des Oberlandesgerichts, die beiden Münchner Landgerichte und Staatsanwaltschaften, der Generalstaatsanwalt und das Amtsgericht – alles unter einem Dach.

Noch ein Plus: Der Entwurf von Plan2 kommt mit zwei Drittel der Fläche aus und lässt das Areal gegenüber dem Justizzentrum für eine andere Bebauung offen.
„Urban, kompakt, grün”, so kann sich Justizministerin Beate Merk das neue Areal anhand des Entwurfs vorstellen. „Dieser Neubau ist dringend notwendig”, sagt sie. Die Sanierung des derzeitigen, maroden Justizzentrums wäre wohl genauso teuer gekommen. Der Neubau aber biete die Chance, moderne Standards umzusetzen. Der Justiz-Komplex an der Nymphenburger Straße wird vom Freistaat zu Geld gemacht.

Für das „Großer-Saal-Problem” wird es eine andere Lösung geben. Bereits im Juli beginnen die Bauarbeiten für den Hochsicherheits-Saal in Stadelheim (Fertigstellung 2016). Er wird größer als Saal 101. Wie viel größer, ist noch unklar.