Neues Restaurant in Münchner Golfplatz: Wie das Isar Ora auch Nicht-Golfer anlocken will
An diesem Ferien-Dienstag herrscht am "Münchener Golfclub" in Thalkirchen bereits am späten Vormittag reger Betrieb. Vor dem Eingang befreien einige Mitglieder ihre Schläger und Golfschuhe vom Schmutz. Auf der Terrasse hinter dem Clubhaus laufen derweil die Vorbereitungen für das Mittagsgeschäft. Fabian Fischer und Moritz Petan decken die Tische ein. Gemeinsam mit Max Mult haben die beiden Gastronomen im April das Vereinslokal übernommen und ihm einen neuen Namen gegeben: Isar Ora.
Einige Golfer haben ihre Runde bereits beendet und sitzen bei Weißbier oder einem Glas Wein auf der Terrasse. Noch sind kaum Nicht-Golfer zu sehen. Das soll sich ändern. Die Betreiber wollen das Lokal bewusst nicht nur als Clubrestaurant führen, sondern auch Spaziergänger, Ausflügler und andere Genießer aus der Umgebung ansprechen.
Neues Restaurant im Golfclub Thalkirchen: Die Idee hinter dem Isar Ora
Beim Begriff Vereinsheim denken viele an dunkle, funktionale Räume mit Vereinswappen an den Wänden und einer eher geschlossenen Atmosphäre. Golfclubs wiederum gelten nicht selten als exklusiv oder elitär. Genau mit diesen Klischees wollen die neuen Wirte brechen.

Tatsächlich wäre es schade, wenn die sonnige Terrasse mit ihrem beeindruckenden Blick über das weitläufigen Grün des Neun-Loch-Platzes allein den Golfern vorbehalten bliebe. Für die neuen Wirte war deshalb von Beginn an klar, dass das Isar Ora auch für die Öffentlichkeit gedacht sein soll.
Warum die neuen Wirte mit Golf-Klischees brechen wollen
Zwar dominieren beim Besuch der AZ noch die Gäste in Golfkleidung das Bild. Doch laut Petan finden immer mehr Auswärtige den Weg nach Thalkirchen. An Wochenenden seien inzwischen rund die Hälfte der Besucher keine Klubmitglieder. Diese besondere Mischung gefällt den Wirten. "Unter den Golfern sind viele interessante Persönlichkeiten", sagt Fischer – erfolgreiche Unternehmer, berühmte Schauspieler ebenso wie Menschen, die einfach ihre Leidenschaft für den Sport teilen.
Welten treffen hier aufeinander und alle verstehen sich
Gleichzeitig ziehen die nahe Isar und die umliegenden Spazierwege zahlreiche Ausflügler an. „Viele Welten treffen hier aufeinander und alle verstehen sich“, sagt Fischer. Bevor die drei Freunde das Lokal übernahmen, sei hier eine klassische Clubgastronomie betrieben worden – geöffnet nur während der Golfsaison zwischen April und September.
„Viele Menschen haben eine Hemmschwelle, hier reinzukommen“, sagt Petan. Die Sorge, in einer abgeschotteten Golfwelt zu landen, möchten die Betreiber abbauen. Auch deshalb setzen sie bei ihrem Auftritt auf Humor. Für die Speisekarte, Website und die Social-Media-Kanäle wurden eigens Karikaturen entworfen: ein Golfbag mit Prosecco-Flasche oder ein Golftee mit Espressotasse. Die Botschaft: Golf darf entspannt sein und muss weder steif noch elitär wirken.
Mediterrane Küche mit japanischen Einflüssen
Auch kulinarisch gehen die Betreiber eigene Wege. Die Küche verbindet mediterrane Einflüsse mit japanischen Akzenten. Als "Signature Dish" gilt die „24H Beef Shortrib“. Die Rinderrippe wird 24 Stunden lang geschmort, bis das Fleisch beinahe von selbst zerfällt. Die Teriyaki-Glasur sorgt für eine leichte angenehme Süße. Dazu kommt ein cremiges Süßkartoffel-Trüffel-Püree, das dem Gericht zusätzliche Tiefe verleiht. Das Ergebnis ist ein intensives und ausgewogenes Geschmackserlebnis, findet der AZ-Reporter. Auf der Karte steht das Gericht für 27.50 Euro.

Im Isar Ora geht es aber auch weniger exquisit. Die Betreiber legen Wert darauf, auch günstigere Gerichte anzubieten. So finden sich etwa Carbonara mit japanischen Udon-Nudeln (15,90 Euro) sowie wechselnde Mittagsgerichte für unter 20 Euro im Angebot. Die Halbe gibt es für 4.50 Euro und ein Glas Wein (0.1 l) ab 3.90 Euro. Das kulinarische Ziel: keine klassische Vereinsheimküche, aber auch kein abgehobenes Fine Dining.
Keine Vereinsheimküche, kein Fine Dining
Ganz ohne Klassiker geht es aber nicht. „Wir werden oft gefragt, ob wir kein Schnitzel oder Leberkäs haben“, sagt Petan. Solche Wünsche wollen die Betreiber über die wechselnde Wochenkarte aufgreifen. Beim Besuch der AZ stehen etwa kroatische Fleischpflanzerl mit Beilagensalat für 18,90 Euro zur Auswahl. Ein bayerisches Wirtshaus wollten sie bewusst nicht eröffnen. Mit dem Asam Schlössl, dem Gasthof Hinterbrühl und weiteren Lokalen in der Umgebung gebe es bereits ein breites Angebot traditioneller Küche.

Mit den Golfspielern habe man im Isar Ora ein stabiles "Grundrauschen", sagt Petan. Künftig soll aber vor allem das Mittagsgeschäft mit Gästen von außerhalb weiter wachsen. Zudem setzen die Betreiber auf Veranstaltungen und Events in der besonderen Lage direkt am Golfplatz. So soll das Lokal auch die Wintermonate erfolgreich überstehen, wenn auf den Fairways deutlich weniger Betrieb herrscht und die kleinen weißen Kugeln nicht mehr durch die Luft fliegen.
Isar Ora, Zentralländstraße 40, Mo. bis Fr. 11.30 Uhr bis 21.30 Uhr, Sa. und So. ab 10.30 Uhr, Tel.: 089 70066891
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