Neubau-Preise in München steigen: Kein Ende in Sicht

Corona hat die Immobilienpreise in München nicht gedämpft. Die AZ erklärt die neuesten offiziellen Zahlen der Stadt - und, warum sogar Büros weiter teurer und teurer werden.
von  Christina Hertel
Corona lässt Büros verwaisen? In München steigen die Preise trotzdem weiter. Und es wird sogar noch gebaut - wenn sich irgendwo ein freies Fleckerl findet.
Corona lässt Büros verwaisen? In München steigen die Preise trotzdem weiter. Und es wird sogar noch gebaut - wenn sich irgendwo ein freies Fleckerl findet. © imago images/Fotostand

München - Die Menschen werden aufs Land ziehen, von zu Hause arbeiten, ihre Ware bloß noch im Internet bestellen. Wohnungen, Büros und Läden werden leerstehen.

Egal ob Wohn- oder Gewerbebau: Die Preise steigen

Und das werde Folgen für die Immobilienpreise haben. Einen Wertverlust - fürchteten manche Besitzer. Endlich bezahlbare Preise - hofften hingegen Mieter. Doch die Ängste blieben unbegründet, die Hoffnungen wurden enttäuscht.

Denn egal, ob es sich um Wohn-, Gewerbe oder Bürogebäude handelt - die Preise steigen weiter, trotz Pandemie. Das zeigt der Jahresbericht des Immobilienmarktes für 2020, den der Gutachterausschuss der Stadt erstellte. Dieser verfügt nach eigenen Angaben über alle Daten des Münchner Immobilienmarkts, ihm gehören unter anderem Immobilienexperten, Vertreter des Finanzamtes, Bauträger und Makler an.

Kaum Folgen von Corona auf Immobiliengeschäfte

Corona hat sich nicht wesentlich auf die Münchner Immobiliengeschäfte ausgewirkt. Dieses Fazit zog Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU), als sie gestern den Bericht vorstellte. Zwar wurden im ersten Halbjahr 2020 weniger Verträge geschlossen.

Doch das lag womöglich eher daran, dass während des Lockdowns wenig Notare persönliche Termine ausmachten, vermutete Frank. Denn im zweiten Halbjahr wurden fast alle Vertragsabschlüsse nachgeholt, so dass 2020 fast ebenso viel verkauft wurde wie in den Vorjahren.

2020 wurden in München 14 Milliarden Euro umgesetzt

Insgesamt wurden 2020 auf dem Münchner Immobilienmarkt fast 14 Milliarden Euro umgesetzt. Das ist zwar etwa 18 Prozent weniger als 2019. Doch dieses Jahr sei außergewöhnlich gewesen und eigne sich deshalb nur schwer für Vergleiche, schilderte der Chef des Gutachterausschusses Albert Fittkau. Zum Beispiel kauften 2019 Investoren den Tucherpark am Englischen Garten für 1,1 Milliarden Euro.

Seit 2010 hat sich der Preis für Neubauwohnungen verdoppelt.
Seit 2010 hat sich der Preis für Neubauwohnungen verdoppelt. © Gutachterausschuss für Grundstückswerte

München: Grundstücke werden immer teurer

Doch obwohl es 2020 keine Deals in diesen Dimensionen gab, stiegen die Preise. Das liegt vor allem daran, dass die Grundstücke immer teuer werden. In den vergangenen 20 Jahren vervierfachten sich die Preise für Wohnbauland. Alleine für die Fläche, auf der ein Einfamilienhaus gebaut werden könnte, zahlen Bauherren rund 1,5 Millionen Euro.

Doch da wurde noch kein Ziegelstein versetzt, keine Grube ausgehoben, kein Bauarbeiter bezahlt. Für ein neues, fertiges Einfamilienhaus muss man deshalb fast mit dem doppelten Preis des Grundstücks rechnen, so Fittkau. Wer sich das leistet? Während Corona, so schilderte es Fittkau, kauften vor allem jene, die eine Immobilie in München besitzen, sich aber vergrößern wollten.

Doch auch alle, die keinen ganz so luxuriösen Lebensstil pflegen, mussten tiefer in die Taschen greifen, um in München Eigentum zu schaffen. Seit 2010 verdoppelte sich der Quadratmeterpreis für Neubauwohnungen. Inzwischen liegt er bei rund 8.800 Euro. Im Schnitt zahlt man in München für eine 70 Quadratmeterwohnung 730.000 Euro.

Auch Gewerbeflächen werden in München teurer

Selbst die Preise für Gewerbeflächen stiegen - obwohl viele Immobilienexperten vermuteten, dass der Trend zum Homeoffice diesem Markt einen Dämpfer verpassen würde. Für höherwertige Gewerbeflächen mussten Unternehmen trotz Pandemie etwa 3.000 Euro pro Quadratmeter zahlen - ein Rekordwert.

Besonders stark - nämlich um bis zu 150 Prozent - stiegen die Preise im Werksviertel, sagte Frank. Aber auch in der Innenstadt in der Kaufingerstraße bleibt der Grund und Boden teuer. Ein Quadratmeter sei hier rund 165.000 Euro wert, sagte Fittkau. Und zumindest die Käufer würden Immobilien dort weiter nachfragen. Auch wenn die Vermieter nach Corona wechseln.